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PHILOLOGÜS

ZEITSCHRIFT

FÜB

DAS CLASSISCHE ALTEßTHÜA

BEGRÜNDET TOM F. W. S€lili£ID£WlN und £. v. LEUTäCH

HERAUSGEGEBEN

VOM

OTTO CBUSIUS

DT MÜNCHEN

Supplementband IX.

LEIPZIG,

DnSTEBICffSCHE VEBLAGSBUCHHAHDIiONO.

TIIODOB WBICHKB HoapHaMraM« 27 1904.

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AUe Reebte Toibeliftiteii.-

Drudt von H. Lftvpp jr Iii MbingMi.

Inhalt des neunten Supplementbandes.

Soito

Der histon'sclie Wert der vita Cominoili in der SiuninluiiLr (I'T

scriptores historiao Auguatae. Von Joaiph Miclmel Heer . . 1

Die antike Vetf^ilkritik in den Bukolika und Georgika. Von

209

Geschichte der Staatetpacht in der römiscben Kaiserzeit. (Von

Atipuätus bis Diokletian ) Von 3/. BoHtoiczew ......

310

QuHPhtiones Apuleiiyiae I. De Apolo^na, Scrijisit J\. Hrlm

De« Olauael^esetz in Cicero» Heden. GnmdzQfi^e einer oratonschen

Rhythmik. Von Th. Zielin sli

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PHILOLOGÜS

ZEITSCHRIFT

FÜR

DAS CLAßSISCHE ALTEKTflU:

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J^EGRÜNDET . N F. W. SCHNEIBEWIN E. t. USUTSCH

HERAUSGEGEBEN

TON

OTTO OfiUSlUS

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Sapplementband IX. Heft 1.

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LEIPZIG

liitlKKlUHM VEKLAOS-BUCUUAI^DLUNG

THEODOR WEICHEK HP»PITAt.&TflA88E 27

1901

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Erstes Heft

Der bistovbeh* Wart der fita Camniodi in der Sammlntig der ■cripioies hittoriee Aagnstae. Yon Josejah Mü^mH Seer «

Ausgegeben am 15. November 1901.

DER

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IN D£R SAMMLUNG

DER SGün^TOEES HlSTOfilAE AUGÜSTAE

VON

JOSEPH MICHAEL HEER.

PbitolOffMa, Sappiamentband IX, erste» Heft.

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Meinem Lehrer

Herm

Professor Alired von Domaszewski

zugeeignet.

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Wohl Bind hin und wieder einzelne Fragen ans der Ge- schichte des Kaisers Comuiodus erörtert wordeu, bei denen die Tita Commodi beigezogen werden muütt;; nnd besoiiderä hat «sich in den letzten Jahrzehnten eine lebhafte Discusdion Ober £iit»tehiing, Abfaesnngszeit, Quellen der Sammlang der acrip- tores biatonae Angnatae entaponnen, bei der anch maachea "Wort über die vita Commodi gesagt worden iat'): Aber eine eingehende monographiscbe üntersncbnng über deren histo- rischen Wert ist bis jetzt so wenig zu Tage getreten , wie eine solche über die Quelleu zur Geschichte dieses Kaisers nberhanpt.

Die vorliegende Arbeit ist gedacht im Sinne Mommaena')

Die Littprntnr 7.u den pin/r^nen Fragen wird füglich am besten TTQ Verlauf der Kinzelunter^m huni: suo loco angegeben, im allge- xaeinen kann hier aui ciit; Litteratur bei U. F e t e r , Die scriptoret lustome Augnetae in den Jahren von 1865 1882, JahrMberieht im Fhilologas 43 (1884) S. 187—194 ; nnd in seiner Ausgabe der script hi*t, Aug. 2. Aufl. 1884 vol. I nag. XXXV— XXXVII , verwiesen wer- den« Für die Fräse nach den Quellen der Tita Commodi sind speciell ▼OB Belüg: J. J. h nller. Der Oesehichtiehreiber Marios Maximut, in Büdingers Untersuchungen zur rOm. Kaiflwgeichicbte , Leipzig :>^70 3, 61—70; Rübel, De fnntilius qTiattuor priorum bist. Aug. scriptoram, Dies. Bonn 1872 ; J. F 1 e w, Marius Maximus als directe und indirecte Quelle der scrijpi. hist Aug. (= P I e w. Marius Maximus), Progr. Strassburg 1878; H. Peter, Die script. hist Aug., Sechs litterargeschichtliche Untersuchungen (= Pet e i, Unterss ), I-i>xg. 1892 S. 120. Ferner: H. Dessau. Ueber Zeit und Persönlichkeit der Script, bist. Aug., im Hermes 24 ( 1889} S. 3^7 ti. ; T h. M o m m s e n, Die Mript Utt Aug., im Hermes 25 (1890) & 2^ ff.; ~ O. Seeck, Stadien zur Gesch. Diocletians und Constantins, in Fleckeisens Jahrb. 141 (1890) & 609 ff. (Die Entstehungszeit der script. hist. Aug.); E. Klebi, IMe Sammlung der script. hist. Aug., im Rhein. Mus. Ab [\m) S. 436 ff ; nnd 47 (lb92) 8. 514 ff.; S. WOlfflin, Die iicrii>t hbt. Aug.. in MQnchener Sitzung^ber. 1881 S. 465 ff.; H. P p t " r . Unterss. 1892 S. 242 ff. ; H Dessau. Ueber die script. bist. Aup., im Hermes 27 (1892) S. 561— 605; O. Seeck, Zur Echt- beiUfraiiti der script. hist Aug., im Rhein. Mus. 49 (1894) S. 208 fi. *)Mommien,Die teriptoies bist Ang.» Hernes 25 S. 281.

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Yorbemerkmig.

aber die Notwendigkeit der PrOfung einer jeden einsselnen Notiz der Sammlung der scriptores historiae Augustae, wenn auch ein Anfänger das vom Meister gewiesene Ziel nicht immer erreichen wird. Es sollte mithin vor allem einmal Satz für Satz der eigenartige Wert einer jeden wichtigeren Nachricht an der Hand der momimentalen Zeugnisse und der anderweitigen litterarisdien Üeberlieferung sowie aus den in- neren GrOnden bestimmt werden.

Indem ich aber in dieser grundlegendeu Einzeluntersuchinio; zugleich das Augenm«'rk auf den inneren Zusammenband; mul die ganze Anlage richtete, ergaben sich auch Gesichtspunkte za einer allgemeineren Würdigung der Tita: Nach Ausschei- dung der am Schluß rein aufieriich angehängten Actenstücke aus Marius Mazimus, die möglicherweise erst bei einer sinteren Üeberarbeitung der Sammlung zur Tita Gommodi hinzuge- kommen sind; und der vielleicht bei derselben Gelegenheit aus demselben Autor herObergenommenen Urkunde Comm. 11, 13 12, 9, die sich als eine Prunkinschritt aus commodianischer Zeit erweisen läßt; sowie endlich der Sätze cap. 15, 3 8, die kaum etwas anderes sein können als spfttes Flick werk, stellt sich die Tita in emer Gestalt dar, die zwei scharf zu schei-* dende Wertgruppen erkennen läit. Ich habe sie den chrono- logischen und den biographischen Bestand der vita genannt.

Den Grundstock der vita bildet der chronologische Be- stand. Er umfaßt der Hauptsache nach die capp. 1, 1 9, 3 und 17, 1 12, während die capp. 9, 4 hzw. 10, 1 15, 2 und cap. 16 dem biographischen Bestand zuzuweisen sind. Das wichtigste unterscheidende Merkmal ist die Anlage, dort die chroiiolügiacbe , hier die biographische ). Aber auch sonst sind die Gegensätze so stark, vor allem auch die Dubletten 80 zahlreich, ja der ganze biographische Bestand als solcher ist eigentlich Dublette ^ indem er die Geschichte des Commo- dtts, die Torher in chronologischer Weise Ton der Geburt bis unmittelbBr tot den Augenblick der Ermordung eizihlt war, nochmals u. zw. in biographischer Schilderung Ton der Kind*

*) Y|fL IL a. O. 8 c h m i d t, De Romanoram inprimit Stteioai arte biographieSi Dies. Marburg 1891 und F. Leo, Die grieeh. r<(miiclie Biogiaphie nach ihm Uttorarischeii Form» Lps. 1901.

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Yorbemerkimg.

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heit an (10, 1) bis zur fadio mortis (15, 2) bzw. bis zu den omma mortis (16) Toifllhit, so dafi man nicht umhin kann, an eine Eiganzong des chnmologiBchen Ghnmdstocks ans einer

biographischen Nebenquelle zu denken.

Der Hauptwert der vita Commodi liegt im cbrouologi- schen Bestand. Ich habe seine VorzUge, wie sie schon in der Einaelnntersuchung herrorgetreten, der Uebersichtlichkeit hal- ber noch in einem allgemeinen Teil snsammengestelit. Wir haben in ihm ein Ezcerpt an erblicken, nnd zwar ein so einheii- liebes und, indem es die ganze Geschichte des Gommodns lückenlos enthält, ein auch inhaltlich so abgeschlossenes, daß man es als eine zwar stark verdünnte , aber noch correcte £pitome einer guten chronologischen Quelle erklären muü. Aber es kann noch weiter gezeigt werden, daß auch in den Naehbarriten ein sprachlich nnd inhaltlich ganz gleichartiger chronologischer Grundstock Torhanden ist So wird man zn der VenDottiDg gedrängt, aneh dort ffieße dieselbe Quelle. Ich habe den Nachweis versucht, datä wir es auch dort, zu- TÖrderst in der vita Marci und Pertinacis, aber auch noch weiterhin, mit derselben annalistischen Hauptquelle zu thun haben, die einer fortlaufend epitomiert haben muß, bevor die Sammlung der scriptores historiae Angnstae oder anch nur ein Teil derselben bestand. Ans jener Epitome erst sind der chronologische Bestand der vita Commt}di und die fraglichen chrouologischen Bestandteile der Nachbarviten von einem spä- teren Vitenschreibei herausgeschnitten und mit weiterem Ma- terial aus Biographien zusammengeschweißt worden.

Ohne der Untersnchung Tonmgreifen , sei darauf hinge- wiesen, dafi sich daraus einerseits das schwerste Bedenken gegen die seither allgemein herrschende und, so weit ich sehe, nirgends widersprochene Ansicht ergeben mußte, als sei Ma- rius ^laximus, der Fortsetzer und Nachahmer Suetons, wenn auch nicht gerade wie J. J. Müller wollte, die ausschließliche, wo doch die Hauptquelle der vita Commodi, wie überhaupt der Viten von Had]^ bis £lagabal *),

Andererseits war nun mit um so größerem Interesse die

*) J. J. Müller, a. a. 0. S. 70. Peter, üntergg. S. 105 ff.

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YcffbemerkuxLg.

Frage nach dem Verhältnis dieser chronologischen Quelle zu Dio and Herodian su Terfolgen. Schon in der JSinzelontar- ■achnng konnte aber oft genog daimnf bingeieigi werden« dn6 nirgends eine Abhängigkeit Ton den beiden^ noch weniger TOn

den späten Epitomatoren und Chronisten, zu verspüren sei. Und ich habe auch hier im allgemeinen Teil den Beweis noch im Zusammenhang ^'ei^ebeu. Das chronologische Excerpt ist nicht nur, wie auch Müller^) bemerkt hat, in vielem reich- hnlttger und beetimmter als das Xiphilinisehe Dioezcerpt, ton* dem ee fibertriffi Dio immer in den Fällen, wo beide Gegen- eätiUches berichten; nnd es venrit nicht selten einen tieferen Blick Iii die wahren Gründe, wo Dw nur äußerlich gesehen. Kurz , der chronologische Bestand stellt eine durchaus selb- ständige UeberüeferuBg dar, die, weil sie Cassius Dio über- bietet, auf eine sehr onterricfatete , gleichfalls zeitgenössische <)neUe sarfickgeheo mnß, eine Inteinisohe, wie die Proprietät des Ansdnieki beweiit, eme nnnalistiscfae , wie die chronolo- gische Zuverläs i^l eit in der Abfolge der Ereignisse lehrt, die aber nicht mit Mürius Maximus identisch sein dürfte.

Es läidt sich nicht verhehlen, wie gewagt es war, zumal für den Anfanger, ftnf einem heiü umstrittenen Gebiet gleich solch neue Anaichtep Torcnbringen« Doch ich habe die nenen Wege nicht ohne Fflhier betreten. Das GefOhl dee größten Dnakee Terpflichtet mich gegen meinen hochTerehrten Lehrer, Herrn Professor A. vonDomaszewski inHeidel- berg, der mir die Anregung zu der Arbeit gab und mir auch während derselben ein beständiger Berater war.

J. J. M ü i i e r, a. a. 0. S. 07—70.

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I. Der chronelogmhe Bestand.

A. NachweisuDg und Wert im einzelnen^).

Cftpu 1 2: YorgeBchichte des Kaisers Commodiis: Die MdeD ersien Gaisiiel der yiia geben eine kvne Vorge- schichte des Kaisers Commodus. Zuerst (cp. 1, 1 6) wird in chronolo^isclier Abfolge das wkiitijjste von der Geburt bis zur Bestellung der Erzieher vorgeführt. Daran ist eine bitten- scbilderung des Knaben (cp. 1, 7 9) angeschlossen. Ea folgen (cp. It 10^2, 5) wieder in chronologiscber Abfolge die konorea vmd andre inditige Dnien wxxs der Zeit Ton der Ernennung zum CSnesar bis zur profedio Germanica fteemida. Und nnn ist Kum zweiU'iimal eine Sitteiischiiderung augefügt u. zw. des Jüng- lings (cp. 2, 6—9).

Gewichtige Gründe sprechen dafUr^ daü die beiden Sitten- adiildeningen rom ehronologischen Bestand annnscheiden sind : Sie müssen vom Biographen ans iweiter Qodle eingeschaltet sein :

€nf 1, 7—9 znnBehsi will dne Sittensehilderung des Vnaben sein, wie man aus den Worten cp. 1, 7 : a prima «la- tim pinriiia erkennt. Cp. 1, 9 ist ein Vorkommnis aus dem zwölften Lebensjahr berührt. Es scheint die Zeit vor der töffa viriliSf die gleich nachher im chronologischen Bestand erwähnt ist^ TomadiwebCT.

So geeefaickt nnn auch diese Sittenschüderui^ gerade an dieaer Stelle eingefügt ist, wo sie sich TonQglich an die ror^

*) Es sei bemerkt, daß die Einzelantersuchmig sich th unliebst an

die Capitel- und Parafrrapheneinteilung der vita anschließt. Dab^i i^t die 2. Auti. der Ausgabe Ton Peter au Grunde gelegt, der ich auch hiarifibtlleh des Tertei folgte, so weit nicht eine Abweichung geboten sdhien. Tllr diMe Fälle sei gleich hier ein fOr allemal verwiesen auf Mommsen, Die ««criptores nistoriae Augustae: Zur handschriftlichen Ueberln'ferung, im Hermes 25, 189(t S. 2Ö1 ff., wo liua Verhältnis des codex Yaticano-Palatinus 899 (= F; und des Bauibeigensis E III 19 nr. tSSSl (a^) ent riehtig bestimmt wurde.

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Joseph Michael er,

ausgeliencle Notiz Ton der Besiellnng der Erzieher anschließen ließ, so durchbricht sie doch unverkennbar die chrouoiogisclie Kette. DeDii die beiden chronologischen iieiheu cp. 1, 1 6 nnd cp. 1, 10—2, 5 grenzen zeitlich so unmittelbar aneinander, dafi die Sätze 1, 7—- 9 nur stören. Mit cp. 1, 6 stehen wir im fttnften Lebensjahr dee GommoduB, wie man ans der Zeitbe- stimmnng in cp. 1, 5 : moriuo igUur fratre ereieht gemeint ist der mit vier Jahren verstorbene Zwillingsbruder Antoninus. Die Ernennung zum Caesar in cp. 1, 10 erfolgte aber bereits am 12. October 166, also in seinem sechsten Jahr. Dieser chronologisch enge Zusammenhang zwischen cp. 1, 6 und 1, 10 ist durch die dazwiachen stehende Sittenschildernng des Knaben gestört, indon dieselbe weit Über das sechste Lebensjahr hin- auegreift , bis zum zwölften in cp. 1, 9 und , wie vermutet, überhaupt bis zur toffu virilis. d. h. i)i9 zum vierzehnten.

< ap. 2, 6 9 verhält sich noch sti ] ender, und das scheint mir vollends den Ausschlag für den heterogenen Ursprung beider Sittenschilderungen zu geben. Hier will die Sitten- losigkeit des Jllnglings gezeichnet werden, wie schon die Art der vorgebrachten Laster erkennen Iftßt. Kaiser Marcus ist noch unter den Lebenden, wie aus cp. 2, 7 : per patris mollüiem erhellt. Der Örtliche Hintergrund kann nur Rom sein. Denn das Treiben des Commodus, das hier geschildert ist, so weit es Überhaupt der Wahrheit entsprechen mag, kann nicht im Lager unter den Augen dea Vaters, sondern höchstens in Rom gedacht werden. Zudem heißt es cp. 2, 7 ausdröcUich Po- {otmts aeäüms. Damit faÜt aber die ganze Sitten-

ßchilderung vollständig aus dem Vorstellungskreis der chro- noloizischen Reihe heraus. In tadellosem Ideengang werden wir im chronologischen Abschnitt cp. 1, 10 2, 5 von Rom ins Feldlager zu Marcus, dann nach Syrien und Aeg>pten, dann zurück nach Rom und von da zuletzt cp. 2, 5 od beikim Germanicum d. an die Donau geffihrt Dort mttosen wir consequenter Wdse im Folgenden uns Marcus und Commodus vorstellen; und dort tinden wir Commodus denn auch that- sächlich in dem chronologischen cp. 3, 1 £f. Dagegen in der Sittenschilderung cp. 2, 6 9 ist ganz inconsequent und ohne jede Motivimng Rom stillschweigend als örtlicher Hinter-

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Der historische Wert der vua Commodi.

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gnind gedacht und diese Vorstellung beim Leser vorausgesetzt. Wir ertappen ako deu Biographen infolge seiner Nachlässig- keit augenscheinlich dabei, ivie er zwischen die zusammenge- hdrigea Teile cp. 2, 5 und 3, 1 aas anderer Quelle ein StOck hereinredigiert hat. Zur Bestötignng dieser Ansicht dient anch, dafi in der chronologischen Reihe 1, 1 6 4- 1^ 10 2, 5 + 3, 1 ff. lauter Einzelthatsachen mit ganz concretem Detail, Nennnng der Personen mit Namen u. s. f. , wie überall im chronologischen Bestand, entgegentreten , während die beiden ^ttenschilderungen ganz allgemein gehalten sind. Der Vorfall fon Centumoellae ist die einzige Einaelheit, nnd gerade diese schemt des legendarischen Beigeschmacks nicht za entbehren. Wenigstens erinnert das Motiy von dem Widderfell sehr an dais, was Dio 72, 6 vielmehr von Sextus Condianns erzahlt, statt dessen ebenfalls ein Widder, zwar nicht in fortuicem, sber in die Lamax gelegt wird. Auch ist die Darstellung in den beiden Abschnittchen in einem Grade miigttnstig gefärbt, da6 man ihnen« nnd auch dies im Gegensatz zum chronolo- gischen Bestand, den Vorwurf der üebertreibung nnd selbst der pamphletistischten Entstellnng nicht ersparen kann. Zwar nennt auch Dio die schwache via inyinf/. wenn er sagt (72, 1): :;&XX^y aicXcxijxcc und (71,22): Ko(ip.65ou ... c^tcaou- ^Tfpou to&c Tpdrcou; ovToc. Dagegen die harmlosen Fertigkeiten wie , Becher schnitzen, tanzen, singen, pfeifen, fechten n. welche Herodian (1 17, 12) das Lob entlockt beben, Commodus sei o5Sevl( ^ttcdv zh^xoiyJiT. xt xat :j/£Lpix gewesen, sind in der vita 1, 8 doch über das Maß kritisiert. Mit der Behauptung aber: nani a prima sfat/n' sqq. steht die Sittenschiiderung des Knaben vollends im unversöhn- lichen Widerspruch zu aller inneren Wahrscheinlichkeit und zu Cassius Dio 72, 1: oGtoc itavoOpY^C l^^v $9U) dXV tl %ai ttc äXXoi dv^pQl>iccev &%a%o^. Das allerdings mag sein, dala Dio, wären nicht schon zu seiner Zeit Behauptungen im Sinne von Comm. 1, 7 umgegangen, kaum £ü dem genannten Satz Veranlassung gehabt hätte, der sich aoinimmt wie eine polemische Richtigstellung.

Vereinigt sich somit alles, die zwei Sittenschilderungen ib fremde Teile aus secund&rer Quelle zu bezeichnen, so findet

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10

Joloph Miohftal He«r,

sieb spSter cp. 10, 1 ff. ein so gfleicbartiger Abscbnitt, der ebenfalls nicht 7.nm clironologiscljeii Bestand gehört und der wiederum die 'moieb' des Conimodus znm Gegenstand hat, die er mit derselben Distinction von ptur und culuksccm einleitet, daß es den Anschein gewinnt, die Sittenschildenuigen des Knaben und Jitnglings in cp. 7—9 und -2, 6 ^9 bitten nr- sprUnglicb mit cap. 10 ein Stflek gebildet, und der Btograpb habe die beiden ersten Teile nur dort weggeschnitten und vorn an äußerlich nicht ungeeigneter Stelle in den chronologischen Bestand eingeschaltet. Die zwei Worte cp. 10, 1 : p^ter und adulescens nehmen sich noch aus wie die Budimente, die sich dayoB erbalten haben.

Dem gegenober sind die andern Teile der beiden ersten Capitel anstandslos zum cbronologiseben Bestand su recbneti. Zugleich sind die Notizen durchaus wertvoll :

Cap. 1,2: Die erste chroiiulofTisch fixierte Notiz geht auf die Geburt Da& es eine Zwilliogsgeburt war, ist nur hier berichtet. Das Datum ist formell correct und In^tet auf den Sl« August 161. Es wird bestiitigt durch Dio 72, 22, 6, wo Todestag und genaue Lebensdauer angegeben sind, so dafi sieb der 81. August 161 als Geburtstag bmcbnen tilfii Der Mo* natsta^ ist nach Comm. 10, 2, einer Stelle, dio ich dem bio- graphisciieu Be.-tand werde zuzuweisen haben, dersel))e , an dem auch Caligula geboren wurde. £s ist auf Suetous vita Gai verwiesen, wo cp. 8 denn auch der 31. August stebt^). Das Consulat pcire pairuoque eonsuHbus^ womit Marcus und Vems gemeint sind, ist durcb die fasH gesichert; die Beaeicb- nung des Geburtsortes : apnd Lanuvktm, tän et avH9 maiemus dieitur nafK.^ gemeint ist Kaiser Anton in us i^ius be- stätigt sich durch vita Pii 1, 8. In beiden Ausdrücken ist es besonders beacbtenswert, daß statt der Eigennauien die Yer- wandtschaftsnamen steben. Es ist dies ein nicht zu unter- sch&taendes Oriterinm der Zugebdrigkeit der Stelle nun ebro- nologischen Bestand, der es durchweg liebt, bei Personen des Kaiserhauses die Verwandtschaftsnamen zu setzen, ohne oder auch mit Beisetzung des Eigennamens

^) Analog bemetkt die vita Vtri 1, 8: nahu est iMciua ..... dU

quo et Nero.

So heißt Couimoduii im eraten Satz Cotnmodus ÄntoninuSf soatt

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Der bislorischd Wert der vita. Commodi. 11

Cap^ 1, 3: Der ominöse Traum Faustiuas vor der Ge- bart ist nur hier berichtet Ein amen inipptii ist er wohl ■icki, wie Wftgner wollte Bondern er geht offenbar auf die littUehe Seite: Commodos werde feroeicr sein.

€ap. 1, 4: Antommm qmMnms elnius est, also in der Zeit vom 31. August 165/166. Es muti der j^idhrs Antomnus noster aus dem Briefweclisel Kaisern Marcus mit Fronto sein^''). Indirect wird der IrUhzeitige Tod destelbea bestätigt durch die. Ernennung des Commodus und Anmae Yerus zu Gaesaren im 12. October 166 Hitte Antoninns, der älter war als Amiiiia Vems, damak Doeh gelebt, eo bitte fielmebr ihm mit Commodtis jene Ehre zuteil werden müssen.

Cai>. i, o 6 : Mit der chronologischen Formel mnrtm igHur fratre schreitet die Erzählung weiter zur Bestellung der Lehrer. Commodus stand jetzt im fOnften Lebensjahr. Die Namen . der Lehrer OnesicrateSf Capella AtUisima und Aieku SancUts sind aar hier ttberliefert, doch liegt ein Chmod cor Beanetandung danelben nicbt Tor. Auch ihre Stellnng ist durch die Worte Htteratcr Graectts : Latimis ; und durch orator klar und ent- sprechend bezeichnet ^^). Die sorgfältige Erziehung kennt auch Die (71, 36, 4). Aber indem er die iäache in dem eigenartigen

imraer nur einfach Commodus : auch heißt nnr an dieser Stell** in Vita j!dan~i Ant</nim, offenbar, weil die Ueberscbnii der vita so lautete, MMt tiaht entweder emfiush nur Jfomtt (15; 2, 8); oder schlechttiin paUr (1, 2; 2. 3; 2, 4: 2, 5; 3, 1; 3.5; 5, 8). Analog findet sich Fau- xtina: 1, 3; muter : 5, 8; pcUruus {= Verus): 1, 2; avus nuUemus (= Piiu); 1, 2; fraUr: l, 2; 1. 3; 1. 5; 1, 10. Lucilla: 4, 1; 4, 4. Lucüla toror.* 5. 7. «orom.* S, 7; 6, 11 ; 7. 5; 17, 12. eomsoMna patrii Fcu- ttina Annia: 7, 7. consobrma patris: 6. 8. Daß auch im biographi- •eben Bestand an einer Stelle Ci, 7) per patris mofUfinn steht. i>^t Glicht voa Bedeutuug, weil dort ein specieüer Grand vorlaff. Es eei «chon bior bemerkt, daß sich dieselbe Beobaohtnng im efaronoiegiMhsii Oraiul- •tock der vita Marci machen läßt, nicht aber in der a|Aten Eintchal- toagMarc I'^-IS. Vgl. Anm. 231.

Wagner, De ominibus ab Augusto usque ad Diocletianum, Dias. Jenae 1888 pag. 46. Mau beachte aus seinen Zusammenstellungen n. a., wie anch im ehnmologiiohen Bestand der vita Maici hin und wieder derartijre omina eingestreut sind. Im iillgemeinen au -h Plew. Ueber die Dirination in der Geschichtschreibung der römischea Kaüerxeit, in Fei»tscarifi fflr Friediänder, Leipzig 1895 S. 374.

**) Frostopag. 94; 99; 101 Naber. Tgl. Prosopogr. Born. Ipag. M A n. 828.

»») Comfn. \\. 13 = 1, 10

**) VgL die analogen Stellen üadr. 1, 5; Pius 2, 1; Marc. 2—3; Tem 2, 5 sq.; Pect 1, 4; Sever. 1, 4; Alex. 3, 2 sq.

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12

Joseph Michael Heer,

Zusammenbaog vorbringt, dala er es als das einzige Unglück des Kaisers Marcus bezeichnet, daß seme Hoffoungen, die er darauf gebaut, sich nicht erfüllten, so erkennt man auch darin die Unabhängigkeit beider Berichte.

€ap. 1, 10 a: appdlaius est mdem Caesar ptter cum fratre suo Vero. Entsprechend dem clnoiiolo^ischen Fortschritt l)*efinden wir uns mit der Notiz von ErjiPiinuiig des Corumodus und seines jüngeren Bruders Annius Verus, die wie gezeigt, unmittelbar an cp. 1, 6 anzureihen ist, im sechsten Lebensjahr des Knaben. Denn an der Richtigkeit dw Parallelstelle Gomm. 11, 13, wo als Datum der 12. October 166 angegeben ist, ist nicht zu zweifeln. Einmal dürfte in jenem ganzen reichhal- tigen Abschnitt cap. 11, 13 12, 9, wie später gezeigt werden soll, eine Inschrift aus der letzten Zeit des Commodus erhalten sein. Und dann haben wir Marc 12, 8 zur Bestätigung. Jene Stelle gehört zum chronologischen Grundstock der vita Hardt und der chronologische Zusammenhang lehrt, daß der Antrag des Kaisers Lucius Yerus : nt fUii Marci Caesares appeUareiüur, in die Zwischenzeit nach seiner Heimkehr aus Syrien und vor dem Aufbruch beider Kaiser zum Marcomannenkrieg fällt, d. h. nach März oder April 166 ^*), da Verus in diesen Mo- naten noch außerhalb Italiens war, wie jetzt das Begensburger Diplom lehrt ^*). Kine ungefähre Bestätigung ergiebt sich auch aus den Mtbixen^) mit dem Bildnis beider Knaben und ihren Namen mit dem Oaesartitel in der Umschrift, inso- fern Antiiüs Verus schon nach drei Jahren starb. Die Caesar- erneniuiiic^ wird der AnlaU zu den Prägungeu gewesen sein.

Cap. 1 y 10 b : Die Aufnahme des Commodus in die Pnestercollegien im Lauf des 14, Lebensjahres wird be-

'•') P. von Rohden bei Pauly-Wissowa I 2295.

Epbpm. e\>]'^T. 2, 460. VeruB führt darauf den Titel pro consule, ^arcuh liicbt. Vgi. M o in m s e u, St.-R. 11^ 778 Aum. 1. ") Cohen IH 169 nr. 1-2.

Der Text der Handschrift ist verderbt in den Endun^ren. Die Dublette Comm. 12, 1 hat sicher richtig: »« omnia colkffia savcrdoiaUa sacerdos. So heißt es auch vita Marci 6, 3: in collegia sacerdotum. Vgl. auch Geben Nero 55 s:? Sil: taeerdlos) cooptfcUus) in omniia) con» Ufigia) M.; die Inschrift dst Titus (ephem. epigr. 4, 779): coll^om{m) omnium mc€rdo{Hl Mnrt muß also die Corruptel in coHegium ^arerdoti^ doch wenigstens kerstelien mit tn coll€gi[a] saceräot[um]. Zur Sache Mommeen Str.-R. ü} 1102 f.; 780 f.

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Der MstoriBche Wert der Tita Commodi. 13

statigt durch die Parallelstelle Comm. 12, 1, wo das genaue Datum, der 20. Januar 175 überliefert ist. Damals stand Ck)mmodu8 in der That im 14. Jahr, das er erst am 31. August 175 überschritt. Da die Priestertümer in der Titulatur des Commodos nixgends begegnen, so haben wir als weitere Be- lege nar noch die Mflnsen mit den Emblemen der guaUuor amplisskm eollegia. I^e sind aus der Zmt von Mitte 175 bis 27. November 176.

Cap. 2, 1 : Bei den drei folgendem Notizen ist die chro- nologische üeihenfolge insofern verschoben, als die Ernennung zom prineeps iuvenMis, die erst imk dwi congiarium in prae-- tetta puerüi erfolgte, yor demselben steht Doch ist die Sache bei der zweiten Notts doroh aäkm gut gemacht, nnd mit der Wendung indutus autem toga est wird der Gedanke aufge- Dummen, der vorher mit nnn toi/am sumpsd augekündigt war. Der Zweck der Umstellung war jedenfalls, die Ernennung zum prineeps tuventutis mit den in cap. 1, 10 genannten hanores näher zosammenzabringen. Uebrigens sind die Notizen schon deshalb dem chronologischen Bestand zuzuteilen, weil jede ihre Zeitbestimmung hat, die sich als richtig erweist PrClfen wir eine jede im besonderen :

Cap. 2^ 1 a : . . proiceps iuventutis, cum togam sumpsU :

Daß der Invietiis = Februar ist und nicht, wie eiComm. 11,8 heiOt, = 0 et ober, Tgl. unten in Comm. 11, 8: Die commodianischea

Cohen 401 406 {jpietas Aua.). Sie scureibeu noch nicht das proenomm imperatoris, das Oommodue nach cp. 2, 4 =s 12, 4 am 27. No* vember 176 erhielt, haben aber schon beide Siegesnamen Germanicus Sarmaticus, von denen der zweite von Mitte 175 datiert. Vgl. A von jbomasaewski, Die Chronologie des bellum Qermanicum et Sar- maüenm, \n Nene Heide1ber|fer Jahrb. 1895 8. 182 Anm. 8 und S. 125. Vgl. auch H u i e r 0 . Dizionario epigr. II 554 unter Sannaticu$, Auf <'en Typen Cohen o09 und 694 mit den instrumenta sacerdötälia in der Fräj^ung nnd der Aufschrift pontif. sind die Siegesnamen in der Titulatur natürlich nur -weggelassen, da der Name Germanicus nach Comm. 11, 14 ja schon vom 15. Octob» r 172 datiert.

Die vorherstehende Corruptel INTEMTRESSOLOS stellt Herr Prof. von D o m a s 7 e w 8 k i . dessen f^üte ich diese Mitteilunj^ ver- danke, jetzt glücklich mit INTER fralUES SOLUS her. Der Aus- dmek iet lUs icUeehte Verkürzung dee ohronologiscben Exoerpts er- kl&rlMir. Er blickt zurück auf das vorausgehende cum fratre suo Vero und weiterhin auf die Notizen über Äntaninus f/cminus und muß auf eine Ehre sich beziehen, die Commodua bei dem vorzeitigen Tod seiner BrUder sUein erlangte. Da die seitiierigen Emendationgversnehe i8mt* Heb teboD daran leneiteni, daß rie den Begriff coopiahta est mit jin'fi-

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14 Joseph Michael Heer,

So weit ist der Text durch die Handschrift gewihrleittei. Litterarisch ist die Ernennung des Commodns zum princeps inveniutis nur hier bezeugt, aber die Inschriften und Münzen dienen zum Beleg, aus denen sich auch die Zeitbestimmung der Tita (= 7. Jtüi 175) bestätigen läßt Uebrigens fiel aneh sonet die Brnennoog des Kaisersohns WMtl^^H9 zasammen mit der Verleihimg der ta§a vmUa an ihn Der Ansdruek in der vita ist der technische").

( ap. 2,1b: Das < onqlarium in })raetexta pt(f*rili muß, da Commodus dabei persönlich praesidierte , vor dem 19. Mai 175 gegeben worden sein, an welchem Tage er Rom ver- ließt). Die Notiz wird sachlich und chronologisch bestätigt dnrcb die Manzen der ersten Liberalität des Commodns und der sechsten des Harens^). Dieselben gehen anf dasselbe Oon-

cffff iurenüitis verbinden, was nicht angeht, so hat M o m m s e n (St -R. IP 827 Anm. 4) mit Recht eine LQcke vennutet. Der technisch rich- tige Verbalbegriff zu princeps iuvenUUis ist appeilare, Ks wird mithin, da der ehronolo^sche Bestsad. wie später gezeigt werden soll, Oherall durch die Proprietät des Ausdrucks ausgezeichnet ist. in d«r Lttcke gestanden haben: [npp^Jlatus est] ir>ter [fraUres sulus jrrincfpi* inren- tiitia BS, Dieses Verbum muß bei einer Abschrift, vielleicht weil das vorangehende coopiatus est die gleiche Endung hat, verloren gegangen sein. *Daß ein Verbum fehle, war dann leicht zu erkennen. Et wurde von einem Leser fillsrhlich vor cooptatv - r>f mit adscitu-^ r^i pr^üiazi, (las schon deshalb nicht möglich ist , weil es di> Proprietät des Aufdrucks verletzt'. (Nach einer weiteren Mitteilung des Herrn Prof. Ton Domassewskt) Coe^siahM est gebOrt mithin zum vorhergehenden Sats. Dort ist es denn auch technisch, wie u. a. Cohen Nero 55 = 811 beweist: sacerdios) coopt{aius) in nmn[ia) conl{egia) as. (Vgl Anm. 16). Comm. 12, 1 steht dem nicht entgegen, denn, wie noch sa seigen, ist jener gaaxe Absehaitt, weil er eine PTonhinschrift darstellt, absichtlich geschraubt.

CTT> V, 11928; 9, rmO ; Not. d. scavi 1896 pag. III. Cohen 104 f.; 601— t)lÖ; Riv. num. Ib9ü, 813. Durch den Siegesnamen Ger- manicus and weil dan praenomen imperatoris noch fehlt, lassen sich diese Mflnsen in die Zr i vom 15. Oct. 172 bis 27. Nov. 176 (Anm. 18) verweisen. Der Umstand, daß sie zum TpiI -rhon Sat-maticus schreiHon, zum Teil noch nicht, beweist, daß die Verleihung des fraglichen Titels und die Annahme des Siegesnamens Sarmaticus zeitlich einander sehr nahe sein mttssen. Dem entspricht der 7. Jali 175 dorehans.

So vermutet M 0 m m ä e n im Cotnmentar zu monum. Anc/r. 3, 7 (2. Aufl. S. 58), schon die Adoptivsöhne des Augtistus. Caius und Lucius, seien von- der Ritterschaft als principes iuv. begrüßt worden, pcum post praeft<aEtam depositam primam inter eqnites pnbliee pro* diieat*. Vgl. Snet. Qai. 16: fr. Tib. die vmlis togae wJopUivit appeJla- wtque principem iittentu^h *») Mommsen St -R. II' i^2u Anra. 10.

") Marc. 22, 12; Comm. 12, 2 und dazu unten zu U, ä: Die com- modianisohen Monatsnamen.

*«) Cohen Comm. 291 f.: Cmmoäo Caea. Äug, fH Oerm. ~ Lib^

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Der histon&cbe Wert der vita Commodi.

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giariiim. Denn der eigentliche Spender war Kaiser Marcus, der damals der einzige Augnstus war und auf den deshalb die Aufschrift der fraglichen Münzen des Commodns: Uber^h Ula$ Au§(usU)^) flieh nur beaehen kann. Ans demselben Onmd stellt aneh der Name dea Oommodua gerade auf den kaiserlichen Prägungen im Dativ, während Amtliche Libera- litätsmönzen des Marcus und alle späteren des Commodns aus der Zeit, wo er bereits Mitherrscher bzw. Aileinheirsdier war, im Nominativ stehen -% Der auanahmsweise gebrauchte Dativ muti also etwas bedeuten. £r zeigt an, da& mit itOckaicht iof Oommodua, ihm zu Ehren, das Congiaiinm gegeben wor- den sei. Dies mnfi anch der Grand gewesen sein, weshalb ihm dabei der Vorsiti flberiragen wnrde. Und der Künstler unttilieü nicht, diesen Umstand auf der Prägung zu verewigen. Wir sehen aul den Münzen des Comiuodus *"), wie er auf dem Suggeatus sitzt, hinter ihm der praefectus urbi (?), vor ihm die Xaberaiitas mit dem Fnllhom, die Stufen herankommend em Mann, der sein Gewand vorhält, ^pour receToir les pi^ces de monnaie qne la lib^ralit^ y repand*. Das mnfi eine Blo- stration zum persönlichen Vorsitz des Commodns in der Tra- iansbasiiica sein, genau wie es die vita berichtet. Denn keine MOaze der entsprechenden Liberalität des Marcus zeigt den Kaiser in solcher Weise als Verteiler des Geldes, eben weil er von Rom abwesend war. Dagegen auf den Münzen der 7. LiberalitÜ dea Marens and der entsprechenden zweiten des Gommedaa, die während der Anwesenheit beider in Bom statt- faüd. sieht man Marcus bald alleiu, l>ald mit Comiriüdus, wie er persönlich praesidiert ^^). Das Gleiche beobachtet man auf

nüitM Aug{HSli) kaiserlicher Prägung; Cohen Comm. 293 f.: L. Aurel. Commodus Caes. Aug. fil. Uerm. Liberalität Aug{uiiti) (Kupfer- prftgung>. Cohen Kare Aar. 416—421. NB. Zo Cohen Aare Aur. 421 vgl. Ec k h e 1, Doctrina num. VII 104. Vielleicht ist aber die Zahl in der Auf8cbrif' Liheralüas Auff* VII nur ein Stempelfebler und sollte richtig VI heiüen.

So i£t aufzulösen, nicht etwa Liberalitas Augusta, wie man aof den Liberalit&tnDllnsen . aus der Zeit der Samtherrscbaft ersieht , wo Lihtr(dtta>^ Aufjusfoniim) sich findet Vgl. Cohen Marc Aar. 409; 4)S7. Cohen Luc. Verus 116—117.

") Cohen Marc Aur. 401—427; Cohen Comm. 2öa--3i9.

**) Cohen Conn. 292-294. Cohen Marc Aar. 42d-427.

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16

Joteph Michael Heer,

den Liberalitätsmünzen des Commodus aus den Jahren 177 und 182^'). Auch passen die Münzen beider der Zeit nach. Sie schreiben alle noch den Siegesnamen Germanicus allem, sind also vor Annahme des Titels Sarmaticus geschlagen. Die Mfinzen des Marens haben deshalb anch noch nicht die 8. Imperatorenacclamation '^). Als terminus post quem la&ien sie dareh Setzung der trtbunieM potestas XXIX den 10. Dec. 174 erkennen. Die Veranlassung zu dem rorufiarinm wird die bevorstehende A^erleihnng der fof/a rinits an Commodus ge- wesen sein. Es ist dies eher zu vermuten, als dafa es wegen der am 20. Januar 175 erfolfi^n Aufnahme in die Priester- GoUegien sollte gegeben worden sein. Die Tita Marci 22, 12 weiß geradem, daß Marcas anttfilich der Toga-Verleihnng an den Sohn ein congiamm austeilte, das etwas anticipiert worden sein mag, damit Commodus noch vor seiner Abreise den Vor- sitz persönlich führen und sich auf diese Weise emptehlen konnte. Denn da nach Dio 71, 22, 2 der Abfall des Cassias Ursache war, weshalb Marcas auf einmal sich entschloß, Com- modus vor der Zeit mfindig zu machen, so reiht sich das con- giarkm in praeiexta pueriU, wenn man es in obiger Weise identificiert, sehr gut ein unter die übrigen politischen Maß- nahmen, die Kaiser Marcus damals, wie wir noch sehen wer- den, unter dem Eindruck des cassianischen Aufstands traf, um dem Sohn die Nachfolge zu sichern.

Cap. 2f 2 : Die Verleihung der toga virilis selbst wird hier auf die Nonen des Juli angesetat, das Jahr ist dabei nicht weiter bezeichnet. Doch beseugt die Parallelstelle Comm. 12, 3, daü Coiumodus isdeni amsulihns die toga erhielt, unter denen er in die Priestertümer aufgenommen worden war, d. i. a. 175. Hier konnte das Jahr unterdrückt werden, da es durch die Torhergehende Angabe des Lebensalters hinreichend angedeutet war.

An dieser Stelle erkennt man Übrigens auch besonders deutlich, da& wir ein flüchtiges Excerpt einer sorgfaltigeren Quelle vor uns haben müssen. Denn die beiden Zusätze von

**) Cohen Comm. 29S f.; S18.

Anm. 18. ») £okheI 7, 62.

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Der biatonache Wert der Vita Gommodi.

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tiomulus und vom Abfall des Cassius müsseu in der Quelle mehr gewesen sein als bloße synchronistische Bestimmungen: Ganz ersichtlich ist es an der Notix vom Abfall des Cas- ftns. Wir wissen aus Dio 71, 22, 2 und erkennen es aus dem

ganzen Pragmatismus der Ereignisse, daß der Abfall des Gas* sius die Ursncbe war, warum Marcus nicht noch vollends war- tete, bis Commudus das normale Alter zur deductio in forum erreicht hatte, sondern warum er ihn plötzlich zu sich rief, m ihm Tor der gewöhnlichen Zeit die toga vkrilis zu geben ^% Dieser ursächliche Zusammenhang mufi in der Quelle zum Aosdruek gekommen sein.

Aber auch der andre Zusatz: uoikhhiu Jidninon die. quo m Urris lioniulus non (ipjxuiul }, wird in der Quelle besser motinert gewesen sein. Da die regelmässige Togaverleihuug SD den Liberalien stattfand und wesentlich ein sacraler Act war'*), so wird man auch als außerordentlichen Termin fQr Gommodoa, den künftigen Thronfolger, mit Absicht einen Fest- tag ausgewählt haben, der durch seine Beziehung zu Romulus, den Gründer und ersten Konij? der Stadt, sich um so besser zu eignen scliieu, als sich dabei eine gewisse heil verheizende Bedeutung für den künftigen Herrscher Korns ergab. Unter dem Schutz des Eomulus trat er so in die Reihen der dm« fiomof», deren princeps er dereinst sein sollte.

»*) Marc. 22, 12; Dio 71, 22.2. Vielleicht darf man schon hier Mich fQr die vita Marei dsn Scbluü ziehen, daß dort ebeni'allä uur ein rerdünntes Ezcerpt vorliegt a. zw. ebenfalls «us chfonologischer Quelle, wnd daß ursprQnglich dort die Sätze 22. 12 und 24, 5 unmittelbar an- ein;uider grenzten. Die moralisiereode Betrachtunor von 23, 1 —24, 4 muU eine heterogene Einschaltung sein. Sie stOrt den chronologischen Fortgang und verwisebt die lettte Spur des ursprünglichen näberen Zosammenhangs, der 22, 12 und 24, 5, d. i. die Togaverleihung und den easaianischen Aufstand mit f»inander verknüpft haoen mußte. Ygl. auch A. von Domaszewski a. a. 0. (N. Heidelb. Jahrb. 1895) 8. 118 Attm. »Es setct hier (Ifarc. 24. 5) wieder die treffliche Quelle ein, deren Benützung bis 27 incl. reicht".

Vgl. Cic. rep. I 16 (2F)) : ad iltam (seil soUs Jt/r'-'fo?./ quae NoHis Quindilibus fuit regnante Romulo : qitihus quid*;m liomulum icnebris diamsi natura ad humanuni exitum abnpuil, virtus tarnen in caelum di' (üw ifustuUsse. Vgl auch Plutarch. Romul. 29, 10; GamilL 33. 35. Dazu die rOm. festkelender CILV zum 7. Jnli and Marquardt, St-V. IT!» 579.

Marquardt. Pnvatleben der Römer (Hdb. VII) V 124 f.

YhüologD», e>applera«ntbancl iX, ersUs fioft. 2

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Joseph Michael Heer,

Cap. 2, 3: Mit knappen Worten, getreu dem Character des möglichst zusammengezogenen Excerpts, wird der Empfeh- lung des Commodus beim Heere, der i^'ahrt nach Syrien und Aegypten und der Heimkehr nach Rom gedacht. Die Dinge sind inhaltlich in Ordnung nnd auch chronologiach in der Beihe, wie sich aus der anslDhrliclieren Daistellong in der Tita Marci 25, 1-^27, 8 nnd bei Dio-XiphUinus 71, ergiebt.

Die Euipft hlung bei den Soldaten wird zwar von jenen nicht erwähnt, harmoniert aber mit allem, was Marcus damals zugunsten des Sohnes und, wie er wünschte, einstigen Nach» folgere , that Wenn in der Rede bei Dio 71,24—26, die Harens damals angeblich vor den Soldaten hielt, nnd die im- merhin getragen ist Ton der philosophisch refleetieTenden und vornehmen Denkungsart dieses Kaisers, Commodus mit keinem Wort genannt wird, so ist das kein Gegenbeweis.

Die profedio mi^yriammuH Ende Juli oder Anfang August 175 an%enommMi worden sein, da nach Dio 71, 22 noch rot dem Aufbruch selbst die Kunde vom Tode des Cassius eintraf. Denn nach Dio 71, 27 dauerte das Imperium des Cassius im ganzen 3 Monate 6 Tage; da aber, wie oben gezeigt, erst die Kunde vom Abiaii Marcus bestimmt iiatte, Commodus aus liom zu sich zu rufen, wird sich Cassius nicht vor Mitte des Mo- nats April erhoben haben. Eine größere Spanne Zeit brauchte es dann nicht, bis Marcus die schlimme Post erhalten, und bis seine Ordre nach Rom gelangen konnte, um die Abreise des Commodus am 19. Mai zu ermöglichen. So kommt man mit den •> Monaten 6 Tageu wohl in den Alunat Juli des Jahres 175^^).

Die Rückkehr aus dem Orient fällt ins Spätjahr 176; am 27. November war Marens schon in Rom ^^). Auch der Umstand, dafi die Ueberfahrt von Griechenland nach Brundisium sehr starmisch war'**), spricht fQr die sjNlte Jahreszeit Mit

Dazu stimmt, wie ich nachträglich sehe, das alexandriniache Datum bei Meyer, Das Heerwesen der Ptolemaeer, 8. 162. ••) Comm. 2, 4 =: 12, 4, »•) Marc. 27, 2.

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Dw bifttoiiicbe Wert der vita Commodi«

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diesem Srgebnis stimmen die P^Sgnngeii ebenfalls flberein, wenn sie vach nichts znr näheren Datierung beitragen. Die Mflnien des Marens ans dem Jahr der trib, pot, XXX (10. Dec.

175 9. Dec. 176) mit Fortunae rftfW) und Fortunae re- (hici werden noch vor der Heimkehr geprägt sein und sind als glückverbeißender Wunsch gemeint, ähnlich wie die In- schrift aus Ostia bei Dessau 372 = CIL U, 20 ^'^) : pro so- lide d redUu imp, AntamU Aug. Faustinae Aug. Ubermm^ que eorum sqq. , die noeh nicht einmal vom Tode Fanstinas Kimde hat, obwohl dieselbe bereits im Tanms in vko Halfüae starb ^ '). Üb die Münzen des Commodus mit Adroitus Cae- sam*^) noch vor oder bald nach der Heitnkelir creprägt sind, steht dahin; denn es ist z. B. eine analoge Prägung des Marcus aas dem Jahre 174*^) vorhanden, wo die Hoffnnng auf die Heimkehr bestand, die aber dann durch den dazwischen tre- tenden cassianischen An&tand Yorerst yereitelt wurde. Jeden- &08 smd sie nach Sommer 175 geschlagen, wegen der Namen Gerrtmnkus SaruKiticns, und vor 27. Nov. 176, weil Commo- dus nur als Caesar, noch nicht als Imperator bezeicluiet ist**). Dagegen sind sicher erst nach der Rückkehr geprägt die Manzen des Marens mit FeUdtati Aug(usti)*^) sowie je ein T^pos des Marens und Commodns mit FdieUaH Caes(ari$) sUe mit einem Schiff in ToUer Fahrt in der Zeichnung, was wahrscheinlich Bezug hat auf die glficklich Überstandene, stür- mische Heerfahrt*^).

Cohen Marc Aoiöle 208.

"l Cohen Marc Äur. 210.

Vjzl. auch CIL 14, 40 nnd dazu A. von Dornas zewski, Daa W unaer der Marc Aurel-Säule, im Khein. Mus. 49, 1891 S. 614. *») vita Marei 83, 4. Cohen Comm. 1—2.

Cohen Marc Aur. '^: Advcntus Aug. «r. jp. XXVUL **) Anm. und nachher zu cap, 2, 4. *») Cohen Marc Aur. 188—194.

**) Cohen Marc Aur. 195; Cohen Comm. 118. Cohen Marc Aar. l^?-19o mit tr.p. XXXI=\(). Dec. 176 = 9. Dec. 177; Cohen Comm. 118 z^Är ohne praenomen imp., aber scbtm mit fr p. ro«;., urd mithin doch neber nach 27. Nov. 176, wenn nicht er^i nach 1. Januar 177. Vgl. satiB m eap. 2, 4 lob. a) ond d), besonders Anm. 49 und 70.

Aehnliche Typen finde ich bei Kaiser Pius und Traian nicht« bei Marens und Commodus nur die obigen. Auffallend ist, daß sie für Venu nur mit tr. p. III ohne AnnentacuSt also nach 10. Dec. 162 und vor Aanabme jenes Siegesnsmetts im Jalir 168 TOrkommen. YgL Cohen

2*

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Joseph Michael Ueer,

Cap. 2, 4: Mit jwst haec schreitet der chronologisclie Bestand fort zur Ernennung des Gonimodus zum Consul ; zum imperator cum paire; und zu seiuem Triumph. Der Zueats nam et liw: paires decrcverant muß besagen, daß der Triumph «auch*, d. h. daß al!e drei Ehren durch Senatabeschluß zu- erkannt worden seien.

fi) Zunächst das Consulat steht hier au erster Stelle, weil es sich mcht um den Amtsantritt am 1. Januar 177, sondern um die rechtliche Verleihung handelt. Dem gegenüber hält sich die summarische Stelle Marc. 16, 1 an die factiscbe Reihenfolge: nomen hnpcrcAoris (27. Nor. 176); oc Mumphi pmitcipatimefH (23. Dec. 176); ef ronsulatnm (angetreten am 1. Jan. 177). So sind Ijeide Notizt u in ihrem Kecht, wegen des Unterscinedes aber augenscheinlich nicht mit einander verwandt.

Der Sinn von Comm. 2, 4 ist wahrscheinlich der. Com- modus sei am 27. November 176 zum Consul und zum Mit« herrscher ernannt worden. Auf alle Fälle aber muß, schon wegen den post haec , auch die Ernennung zum Consul nach der Heimkehr aus dem Orient gemeint sein. Dieser Termin ist, da der Amtsantritt schon am 1. Januar 177 erfolgte, etwas spät, erklärt sich aber aus der längst gehegten und dem Se- nat natürlich bekannten Absicht des Kaisers, noch im Jahr 176 zurttckzukehren nnd dann die Verleihung des Consulats fürs nächste Jahr an Commodns Tolkiehen zu lasscili. Die Stelle Marc. 22, 12, wo Marcus den Sohn schon im Sommer 175 bei der Togaverleihung zum Consul designiert, dient zum Beweis dafür nnd steht keineswegs zu Comm. 2, 4 in Wider- spruch. Beide Stellen sind aufrecht zu halten. Denn dajj bei der Togaverleihung auch sonst die Designation der kaiser- lichen Prinzen zum Consulat Tom Kfj^iser ausgesprochen wurde, wissen wir u. a. aus vita Severi 14, 8 : Getae minori filio Uh qam rmlern deäit . . . filios dem consules desifjnnvif ; vor allem aber aus der Designation der Adoptivsöhne des Augustus,

Luc. Verus 69 84. Doch können sie auch bei ihm auf eine gefahr- volle Meerfahrt gehen. Geradezu häufig begegnet aber die fiigUohe Münzaufsciirift mit Schiff in der Prägung, im einzelnen in den mannisr- faltigsten Vaiiierung^en. unter Hadrian. Vgl. Cohen Adr. 652 713. Da- mit ist es voUendi^ ausgemacht, daß diese Typen Fahrten zu Schiff verewigen wollen. Vgl. auch Cohen II pag. 1^ Anm. 1.

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Der Uitoiifclie Wttt dn Tita Commodi.

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Cuus tind Lncii», die ebenfalls bei VerleibuDg der toga tm*

gesprochen wurde, so zwar, nt eant wrKjisiminm inirent fXfst (f^u^i^j'o ii iiiUiH *^), Ganz den analogen Fall haben wir hier bei Commodus. Auch bei ihm kann es am 7. Juli 175 nicht eine degigmUio in hdendas Januama proximas gewesen sein , da er ja thaisäcblieh erst im Qbemachsien Jahre Oonsnl war. Andererseits entspricht aach Oomm. 2, 4 dnrchaas der rück- sicbtsTolIen Art, mit der Kaiser Marcus immer den Senat be- handelte*') iiiiii zumal daiiials behandelt haben wird, wo es ihm darauf anuam , Commodus wie beim Volk durch jenes Oongiariom und beim Heere durch jene cp. 2, besprochene Empfehlung, so auch beim Senat einen Bflckhalt gegen Prae- tendenten wie Gassins zu yerschaffen. Femer empfiehlt sich die Stelle durch die genaue chronologische Bestimmung und besonders durch die Erwähnung des Nebenumstaiul» s : r^^ffin h>{fs funi'fr/'tr i/itjHfraf((. In der Tbat war diese Dis])ens tiiorderlich, da Commodus im November 17»j erst im 16. Le- bensjahr stand ^'''). Diese Frühzeitigkeit der Designation hatte auch schon Marc 22, 12 wenigstens kurz durch cmte tefnpus angedeutet Beide Stellen sind in der Weise zu Terbinden, dafi man Marc. 22, 12 Ton der yorläufigen kaiserlichen Er- kidii ang versteht , Commodus solle für das übernäciiste Jahr das Consulat überinigeu werden. Damit war das Comm. 2, 4 genannte iSenatäbeschlu^ so wenig ausgeschlossen, wie bei der Designation des Caius und Lucius durch Kaiser Angnstus die Volkswahl an den nächstfolgenden ccmUia canstdariaf wie sie Homrasen annimmt. Desiffnatio konnte jener kaiserliche vor* linfige Act in der Stelle Marc. 22, 12 um so eher genannt werden, als auf Denkmälern des 3. Jahrhunderts schon sogar die kaii^eriiche Commendation schlechthin als (hshjmitio be- zeichnet wird ^^), aus dem einfachen Grund, weil der Wunsch des Kaisers factisch doch maigebend war. Formell abge- schlossen wurde dann die Verleihung des ordentlichen Gon-

**) Mon. Aneyr. ?>, 1—6. Dazu Mommsen'B Commentar^' S. 53 f.

■*') Vgl. n, n. Dio 71, 10. 5. wonacli Marcus vlie 7. Imperatoren- acclaniation uur Husnahmswoise ohne vorherige ZuitiiDmiin^ de^ Senats annahm. Vgl. Mommsen Üi.-K. 1' 124 Anm. a und 12^—126. Vgl. Mommsen St.-R. P 577. Unten Anm. 273.

**) Mom msen St-B. 11> 922 Anm. 4; 924 f.

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Joiepli Michael Heer,

Bolats an Commodiu für 177 etat durch den Senatsbeschlnß Tom 27. November 176, nnd dies bringt Gomm. 2, 4 zam Ans*

druck durch constil est fadus *■').

h) Der zweite Bestaiidfeil von Comm. 2, 4 berichtet die Erneuaung des Commodus zum Mitherrscher '^®) und stimmt fast wörtlich überein mit Comm. 12, 4. Da beide Reihen, Comm. 1, 10—2, 5 nnd 11, 13^12, 9, die so vielfach in Pa- rallele stehen, doch nnabhängig Ton einander sind, wie sowohl daraus erbellt, daß bald in dem einen, bald in dem andern Stück etwas fehlt, als auch daß Comm. 11, 13 12, 9 zur Da- tieriuiLj die commodianischen Monatsnamen verwendet und überhaupt, wie später gezeigt werden soll, sicher erat von an- derer Hand aus anderer Quelle in die vitaeingesehaltet wurde ^^), so ist ^iese Parallele ein wertvoller Beweis für die Vorzfig- lichkttt der Quelle von Comm. 1, 10--2, 5, speciell hier der Notiz 2, 4 b, die bis auf den sprachlichen Ausdruck mit jenem officiellen oder doch officiösen Stück aus der Zeit des Com- modus zusammengeht.

Daß nun Marcus auch hierin nicht eigenmächtig vorging, sondern dem Senat die Sache unterbreitete ^'), kommt in bei- den Stellen voizOglicb durch das Passiv zum Ausdruck. Die secundüre Stelle Marc 16, 1, welche sich so faßt: Marcos habe dem Sohne da^ nomen imperatoris verlieheu; ferner Eu-

Die meisten der zahlreichen Münzen des Commodus, die mau -wegen des Titelt princeps iuvei^MiB nach 7. Juli 175 (Cohen 601—602; 605 618). oder wegren des Siegesnaraens Sarmaticus nach Sommer 175 and wegen noch fehlenden praenmten imjteratoris vor 27. Nov. 176 an- zusetzen hat (Cohen 1—2; 41 j 76—78; 93—94; 104-105; 215-217; 843—244; 401—406 ; 708—712), beselohneii ihn nicht alt cos, bsw. eot, (fcs{iffnatus). Nur auf den vereintelten Nnmmern Cohen 218 - 220 und 603 604 firi'^pt si' li die Bexeichnunp cos. Ob man es a)>er im Sinne von COS. (küiifnatu:^ verstehen und in diesen Typen eine Bestätigung ▼on Marc. 22. 12 sehen darf, möchte ich offen ISMen. Vielleicht ist darauf das praenamen itnperatori» nur weggeblieben, ähnlich wie aaf der PraiTung Cohen 118, die wegen des jUÜnzbildes und wegen tr. p. COS. nach <j. Dec. 176 wenn nicht 1. Jan. 177 datiert werden muß. Vgl. Aum. 44 und 70.

Eekhel7, 105; 137. Mommsen St*B. IP 1145 ff.; 1154 Anm. 4; 1159.

**) Unten : Der biographische Bestand : zu cap. 11, 13—12, 9. Anm. 47. Daß die Creierung des Kaisers .Sache des Senats ist and sich gerade ninlchit auf die Imperatorenstelliing desselben be- sieht» vcl. M 0 m m .'^ e n St.-R. II' 842 Anm. 2. Kaiser Marcus wich also aaeh bei Bestellung des «Mitkaisen* nicht von dieser Regel ab.

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Der historische Wert der Tita Commodi.

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sebius bei Hieronymus chron. a. Abr. 'J193: Anton'miis Com- luoiinni ftlauti saiint adsuni/is/i /n ti ijumii ) sind nicht geradezu falsch, da schließlich doch alles bei Marcus stand, aber Gomm. 2, 4 = 12, 4 ist historisch treuer und feiner im Ausdruck.

e) An dritter Stelle meldet Comm. 2, 4 den Triumph, den Commodns gemeinsam mit dem Vater gefeiert habe, auch dies gemäß einem Beschluß des Senats. Die Notiz steht chro- nolofirisch am richtigen Platz, denn nach Comm. 12, 5 trium- phierte Commodus am 23. December 17G. Weder an diesem Datum ist zu zweifeln, noch daran, daß der Triumph ein ge- meinsamer des Marens und Commodus war, wenn auch die Tita Karci in ihrem chronologischen Bestand, wo sie erwfthnt, Marcus habe nach seiner Rückkehr aus dem Orient trium- phiert, keine Abgabe darüber macht, ob Commodus den Tri- umph geteilt habe oder nicht Denn nicht nur bezeii er t die secundiire Dublette der vita Marc! 16, 1 , und gleich darauf nochmals, mit Zurückrerweisnng auf 16, 1, die Stelle 17, 3, die sich deckt mit Eutrop 8, 18, 1, den Triumph als gemein« mmen des Marens und Commodus, dasselbe stdit bei Buseb, Hieron. (chron. a. Abr. 2193); und dagegen kennen weder die verderbte Stelle Marc. 16, 2, noch die Inschrift des Triumph- boirens geilend gemacht werden. Schließlich dienen die Münzen sar Bestätigung: Zunächst Marc. 16, 2 spricht nicht gegen, sondern für die Gemeinsamkeit des Triumphes. Zu schreiben ist, nach Ausscheidung der sinnstGrenden Interpolation impe* fot&r^), folgendermaßen: quo quiäem tempore sme fHio ad friuinphaletu currnrn ni rirco prdes cnctirrif. Es handelt sich um den Circns Flaniinius, durch den sich der Triumph zu bewegen päegte^"). Marcus stieg also oü'enbar ab, um die Zu-

*») Hier n chron. a. Abi 2193 s= Orotius 7, 15, 12; vgl. Eoseb.

SjDcellos ehron. I 667 J}inäorf. **) Marc. 27, 8.

Das Wort imperaior wurde spftter erst von jemand beigetchrioben

and kam zuletzt durch irgend eine üngeschicklicbkcit an der verkehr- testen Stf'lle in den Text. Bei dieser Emendation schwinden alle Schwierigkeiten. Ich verdanke dieselbe der gütigen Mitteilung Herrn Prof. TonDomaitewski.

Plutarch. LacuU. 87. Vgl Marquardt, B.Str. II 2. Aufl. S. 383 AiUB. 4.

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Joseph II ichael Heer,

sebauer zu ehren, die dort Platz genommen Batten Gommodns

daii;« gen blieb auf dem Triumphwagen. Einer mußte schon wegen der Pferde darauf verbleiben. Die Stelle kann aber schon au und für sich nicht anders erklärt werden, weil sie mit dem vorausgehenden Paragraph 16, 1 zu einer Gedanken- einheit zasammengebört und dort steht ja ausdrtlcklich triump/u participationem

Die Inschrift sodann, die den Triumphbogen des Marcus schmückte, geht, wie der Lznu/r' Inhalt erkennen läüt, nur auf Marcus, dem durch Beschluü des jk q. 11. der Bogen votiert wird für die kriegerischen Erfolge des heUuin Germanicum ei Sarniaficum: Dessau 374 (=011 6, 1014): S. p. q. R, imp- (eratari) Caes(ari) dim Antonini fil(io) divi Veri Parth, max. fratri divi Hadriani nep(ati) divi Traiani Parth. lpro]mp(oti) divi Nerme afmcpfoti) M. Aurelio ÄnUmino Aug. Germ. Sarm, pontif. m<i.i 'n)>. infninic pot. XXX iwp. VIT! cos. III }k p., qnod omnts omuium ante se miumtordm impvratoi um glorios

siqMrgresstts bellkosissimis gentibits deieiis aut suhadis

Wenn darin Marcus erst die tr* p. XXX (10. Dec. 175— 9. Dec. 176) bekleidet, so beweist das nur, daß der Ehren- beschluß in dieser Zeit gefafit wurde, nicht aber, daß der Triumph selbst schon vor dem 10. Dec. 176 und nicht etwa erst am 2o. Dec. 17(i gemeinsam mit Commodus stattgefunden haben müsse, wie Kohden wollte ^^). Es liegt also kein Grund

^0 Piutarch. Aem. Pauli. 32. Joseph, bell. Jud. 7, 4. Vgl. Marquardt R.Stv. IP S. 583 Anm. *Da die Senatoren seit Glau* dius im Circus feste Sitze hatten ^Mommsen, St.-R. III S. 8J'4), so wiril der Kaiser gerade vor den ßünken der Senatoren abgestiegen «ein. Das stimmt su der aonitigeii Bebudluiig des Senate durch Hareat.^ Nach einer nacbtrftgticben gütigen Mitteilung des Herrn Professors A* von Domaszweski.

Deshalb ist die (Jonjectur von Klein unmöglich, welcher für stne voiöchlägt scdente impcrator filio. Wenn Commodus saü, so müÜte er ja unter die Zuschauer versetzt werden. Er war aber auf dem Triumph* wagen u. zw. «stehend* ! Die Conjectur des S a 1 m a s i u s : f^enex , acvurrit fflr f:ine ... cucurrif wart) dem Snine nach zu!ij«sig, doch ist die Wendung /<7fw ad tr. curntm peden accun ti zu uugewühniicii und ijarL

P. T o n Rohden bei Pauly-Wissoira I 2802. Meine Er- klftruDg erhält soeben eine gute Stütze und noch genauere Praecisie« rung durch den Nachweis von A. v o n Domaszweski, daß bei dem Traiansbogen in Benevent ,die Inschrift de^ Bogens auf die Zeit des Bescblufses der Errichtung geht und nkbt die Zeit der Vollendung des Bogeas bezeichnet" . A. vonDomaszewski, Der Traiansbogen TOB Benevent in Jahresbette des oesterr. archaeol. Instituts II le9d

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Der historische Wert der Tita CominodL

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Tor, SiLii in Gt|j;eii-atz zu stellen zu den oljen angefiihrien Belegen für die ^iemeinsamkeit des Triumphes und einen sonderteu Triumph des Marcus etwa schon am 27. November 176 und des Commodas am 23. December 176 anzanehmen.

Der Ehrenbeschlaß wird, da Gommodus in der Inschrift, 90 weii flie erhalten ist, nicht erwähnt ist und ee anch allem Anschein nach in dem yerlornen Teil nicht war, schon tot dem 27. November 176, d. h. vor Ernennung des Oommodus zum Mitherrscher und vor Zuerkennnng dos Triumphes an ihn erfolgt sein. Dies ist um so eher denkbar, als die Ab- sicht des Triumphes längst bestand, schon seit Annahme des Siegeititels Chrmanieus am 15. Octoher 172 und Sarmatieus im Sommer 175*^). Die Ansftthrung war nur zuerst durch den Sarroatenkrieg, dann wieder durch den Ausbruch des cas« «iani.^chen Aufstands hinausgeschoben worden. Nachdem aber tassius schon im isommer 175 gefallen war, wufäte man in Rom, Marens werde im Lauf des folgenden Jahres heimkehren und den Triumph feiern.

Endlieh wird Oomnu 2, 4 durch die zahlreichen Trium- phsImOnzeii bestätigt. Sie sind zum Teil schon vorher ge* schlagen , teils sind sie um die Zeit des Triumphes selbst oder naciili T ofeprägt ^-). Erst mit dem Auftreten der neuen Imperatorenacclamation des Jahres 177 bricht die Prägung

8. \Sh Änm. 79. Ed briuicht rUo auch in unserm Fall von der Zeit- Angabe iu der inechril't nicht eioiijal auf die Zeit der Vollendung deo Bofens i^eiehlofteii sa werden, geschweige auf das Datum dea Trininphes.

Comni. 11, 14; Anm. 18. Vgl. A. von D o m a b z e w s k i , Neue Heidelb. Jahrb. 5, 1895 S. 119 Anm. ?: , Die Victoria (jermanica de» Jahres 173 i Victoria auf dem Triumphwagen) Cohen 997 irflekt die Abeieht det Triumphe« aus , welcher wegen des Sarmaten* Ini^s unterblieb*.

*') Die Präfiunf^en des Marcus mit tr. i>. XXX h»p. VIII {10. Dea. 175—9. Dec. 176) und der Aufschrift Ue Gtnn[anis) : Cohen 154; 161; Ik Snntiatia): Cohen 164 165; und die Prägungen des Commodne miDe Germ.: Cohen 76—78 nnd TJ'- Sarm.: Cohen 98-94. die mit j>r.en gleichzeitig sein mllSMn, weil sie Commodiis noch nicht als imp. oder cos, bezeichnen.

Die Prägungen des Marcus mit tr.p. XXXI unp. Kii/(10. Dec. HB tief ins Jahr 177) und der Aufschrift De Genn. : Cohen 155— 163; De Samt.: Cohen \M 174; und die Münzen des Comraodus mit D^ Germ.: Cohen 79—92 und De Sarm.: Colien 95-103, die mit jenen gleichzeitig sind, weil sie bereiu imp. ir. p. II cos., zum Teil Mch schon Aug. p. schreiben, aber noch nicht imp* JL

Fflr Marcus imp. IX; ftlr Commodus imp. II.

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Joseph Michael Heer,

Ton TriompbalmQnseii ab, offenbar, weil mii den Vdlkem, über welcfae der Triumph gefeiert worden war, der Krieg anfs

neue entbrannte , auf dessen erste glänzende Waffeuthat sich die neue imperatoriscbe Bes^rüßnng bezieht. Die Gemein- samkeife des Triumphes führen offenbar jene Typen vor Augen, welche in der Prägung einen Triumphwagen zeigen, auf wel- chem MarcuB und Commodue nebeneinanderstehend einher* fahren, Ober ihnen schwebend eine Victoria*').

Die vita Commodi übergeht hier die Eieigniaae vom 23. December 170 bis 3. August 178, d. b. vom Triumph bis zur profectio Germanica sccunda. Doch ist es fdr den ganzen chronologischen Zusammenhang der Dinge nötig, hier wenig-^ atens die tribunicia potestas I und II des Oommodos, 7. Liberalität des Marcus und zweite de« Commodus; femer den Augnstnstitel und die YernAhlung des Commodus chrono- logisch festzulegen :

d) Die tnbtiitn'ia pofrsfns : Seit man weiß, daß seit Nerva der 10. December zam stehenden Neigahr des tribunicischen Kaiserjahres geworden ist ^^), ist es nicht mehr controTera, nach welchem System hier bei Commodua zu zählen ist Die tr. p, XVIII, die noch auf einer Reihe Yon Manzen und auf einigen Inschriften aus den letzten Tagen seines Lebens begegnet und die auch von Dio bezeugt ist ^'). ist zu setzen auf 10. 31. Dec. 192; mithin, theoretisch weni-Tstens. die erste vor 9. Dec. 176. Dagegen ist die Frage noch oüeu, wann Commodus die trib» potestas erhielt ; ja es ist noch keineswegs ausgemacht, trotz- dem es aus dem bertthrten Zählungssystem hervorzugehen scheint, dals er auch that^hlich schon ror 9. Dec. 176 im Besitz derselben war.

Einen sicheren terminnspost quau bildet der 27. Nov. 176 ; denn nichts spricht für eine Verleihung der trib. pot. vor üebertragang des iwpcrhnn pwroiisularc an Commodus. Die rita Cassii, die in den ActenstClcken, mit denen sie prunkt,

•♦) Dio 71, 33. Vgl. uuten zu Comm. 2. h.

Cohen Marc Aur. 162; 367. Cohen Coinm. 738. •*) M 0 m m 8 e n St-R. IP 799 ff.

Dio 72, 15. 5; CIL G. 992: Cohen 183— 185 ; 207—210; Rir.num. 1896 pag. 179 nr. Iö6. (K u g g i e r o, Dis. epigr. II 559).

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Der historiichd Wert der Tita Gommodi

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nicht mrerläflsig ist^-), fdlirt Aoelamationen des Senat» auf,

in denen für Commodus schon vor der Heimkehr aus Syrien mjKriKiK und trib.}X)t€stas rogiert werden ^^). Das beweist also Ülr beides nichts. Münzen mit tr*p* Tor dem 27. Nov. 176 sind nicht nachweisbar'*»).

Weiterhin ist beachtenswert, daß so gut wie keine Münzen mit Jffip. Goes* ohne tr. p, vorkommen ^^), was dafOr zu sprechen scheint, ir. jy(d. und impeHum seien gleichzeitig am 27. Nov. 176 öbertragrii wunien. Wenn dem nur nicht Marc. 27,5 ent- gegenstünde: ti'iKmphavit. exindc Lnrhiixni profrctifs est. OotM- tiiodiim demde sibi coUeyam in tribmäckim poteddtvm iunxU, Nach dieser Stelle erhielt Commodus erst einige Zeit nach dem 2^ Dec. 176, an welchem, wie oben gezeigt, der gemeinsame Triumph stattfand, die trih. potesias. Und es kommt dazu, daß schließlich die Prägungen mit imp. tr. f)ot., auf denen immer auch cos. steht '^), zu demselben Resultat drängen. Denn hätte Commodus tliatsächlich , wie Rohden'^) will, die tr. pot. schon am 27. Nov. 176 erhalten und vom 10. Dec. 176 ab bereits factisch die tr, pot. II gezählt, so müüte man sof jenen Münzen vielmehr tr^ p, II eos, erwarten, weil Com- modos erst am 1. Jan. 177 das Consulat antrat. Kohden sucht dem allerdings zu begeguen, indem er annimmt, auf den in Rede stehenden Münzen sei entweder die Iterationsziffer za tr. p. weggelassen, oder cos. stehe im Sinne von cos. dcsi^ qnatus. Für beide Eventualitäten bringt er Analogien bei.

^) C 2 w fi 1 i n f\ , Dp epistulnrnm actorinnqiie , quae a scripi. bist. Aog. proferuntur, tide atque auctontate, Diss. Bona 1870. Gründlicher Heb 8, Rhem. Mus. 4S, 1888 S. 321 ff. Vita Cassü 18, 8^.

■''t Die einzige Prägui^j^ ohne imp. mit tr. p. cos. bei Cohen 118: Cmunodo Cars. Aug, fil. Gcnn tr. ro«. Felidtati Caes. s c. die ftbrigeos auch 6ann{atico) ungehörigerweise weggelassen hat, muh wegen der unverkennbaren Gleichung mit Cohen Marc. Aar. 188 195 aus der- lelben Z-it sein (10. Dec. 176-9. Dec. 177). Vgl. Anra. 44. Die Be- zeichnung COS. spricht ciafür, daü der Typus erst vom 1. Jan. 177 ab geprägt seL Vgl. Anm. 49. Za demselben Resultat führen die oben sogleich vonobnsgenden GrQnde ffir Verleihung der tr. p. erst nach Ä Dec. 176.

*' Eine Ausnahme macht nur die einp Nummer Cohen 223, hp' welcher Vorder« und Bückaeite den gleichen Stempel zeigen. Der Kgilaairige Plate fSr tr. p. wftre aber ge^e die AüfiKsbrifl der Kflckseite.

^*)Cohea 118; 733-738; Riv. num. 1RS8 pai?. 179 nr. 137; CIL 8,9892. P. von Rohden bei Paaljr-Wiaaowa U 2467 f.

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Jotaph Michael Heer,

Aber er hat noch immer Marc. 27,5 gegen sich. Herzog^*) nimmt an, es sei die ir. p. jl], ilie er wie Rohden am

am 27. Nov. 17G übertragen werden läüt, zunächst für die Zeit vom 27. Nov. 17o 9. Dfo. 177 intendiert worden „als wenig übervolles Jahr*. Dann sei aber nachträglich eine iie- gnlierung vorgenommen worden, wobei mhn die ir. p, II schon anf 10. Dec. 176—9. Dec 177, die tr, p, I anf 27. Not. 9. Dec. 176 festgesetzt habe. Auf diese Weise w&ren die Münzen mit ir. p. cos. schon erklärt, aber Marc. 27,5 steht auch hier im Wege. Mommsen^^) planbt, die tr. pot. sei erst später an Commodus verlieben worden, nach dem 27. Nov. 17() und erst im Jahre 177. Währoiid man aber anfangs als Endtermin der ir, p, I den 9. Dec 177 ge- setzt, sei man bald davon abgekommen und habe «als äks imperü den 27. Nov. 176 und demnach als Endtermin der ir, p, I di^n 9. Dec. 176 fixiert." Er kann sich dabei berufen auf die Münzen mit p. cos', und auf den Umstand, daß Comm. 2,4 = 12,4 nichts von der tr, p. sagen. Vor allem aber ist diese Erklärung von M 0 m m s e n die einzige, welche der Stelle Marc. 27,5 gerecht wird. Diese Notiz gehdrt zum chronologischen Grundstock der Tita Marci und Terdient des* halb Tertrauen. Der Umstand, daß so gut wie keine Mdnzen mit Imp. (kies, ohne tr. pot. vorhanden sind, bildet kein hin- reichendes Gegengewicht; handelt us sich doch nur um kurze Fristen. Nach dem Wortlaut der btelie mutä mau aber doch jedenfalls noch die Zeit Ton 23. Dec. 176 bis 1. Jan. 177 frei lassen. Nichts dagegen steht im Weg, daß Commodus am Neujahrstag 177 selbst, an welchem er das erste Oonsulat feierlich antrat, auch die irtbunkia poiefitofi erhalten habe.

Die nachträgliche Regulierung der Zählung muß dann ziemlich bald im Lauf des Jalires 177 vorgenommen worden sein. Denn es sind noch vor 9. Dec. 177 Münzen des Com- modus mit tr. pot. II nachweisbar und zwar weit mehr als solche mit ir. pot. L Dabei giebt .den Ausschlag dafQr, daß wirklich all diese Prägungen mit tr. pot. II Tor 9. Dec. 177 gehören, die Annahme einer neuen Imperatorenacclamatioa

'*) Herzoi,' ?t.-Verv.-. II 1, 383 f. Mommsen St.-lt. 11^ 801 Anm. 2.

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I)er biötomche Wert der vita CommoJi. 29

gegen Eude des Jalires 177'*^). und die claiiurcli ermöglichte sichere Gieiciiuug der Müuzen des Commodus luit tr, poL II tMji. // bis tr, poi. Uli mp, II = jenen des Marcus mit /r. pot. XXXI imp. IX bis fr. pot. XXXIII imp, IX. und niÜuD der MflnzeD des Conunodns mit tr, poi, bezw, tr. pot. II {ohne int}*, II) = denen des Marens mit tr. pni. XXX T imp. VIII''). Aus der verliältnismälBig giüUereu Zahl von 'l'v|)eii des Marcus mit fr. }iof. XXXI ia/j). VIII und des Commo- dm mit tr» p. bezw. tr. p. II (ohne imjK II) gegenüber jenen Marcos mit tr, pol. XXXI imp, IX und des Commodus mit tr. p. II imp. II gebt herTor, dafi die neue imperatori- scbe Begrü&tiQg nicbt eben lange ror 9. Dec. 177 erfolgte. Die fragliche Regulierung in der Zählung der tr. pot. des Oomuuodus muü aber, da es ja sonst auch .Münzen mit tr. pU. I imp. II geben müßte, nicht nur au und für sicli vor fiiesem späten Termin stattgehabt haben, sondern geraume Zeit vorher, da die mit tr. pot. XXXI imp. VIII des Marcus geglichenen MOnzen des Commodus ireit häufiger tr. p. II (ohne imp. II) schreiben als tr. ;♦. [/J.

Eine damit übereinstimmende noch en<]^ere Begrenzung im tmmnxs mifr (jium ergiebt sich aus der auschiieiienden Dar- legung über den Augustustitel.

e) Der Name Angustus. Ueb^r die Verleihung des Ehrenbeinamens Augusts an Commodus haben wir yon

**) Für Murcnt imp. IX^ l&r Commoduft, nach der beksnnten Begel,

gleich imp. II.

Die tr. pot. XXXI des Marcus vom 10. Dec. 176—9. Dec. 177. Es sind zu gleichen . Cohen Gomm. 118; 733—788 Cohen Maro Aar. 155—180;

;iiit ^r. //o/. Uli 1 70 -92; 95— 103:) 4162-163; 106—174; 188—194; 295— 298: 739-760 mit tr.|W<.I/c = <36 >^368; 422—427; 436; 440— lobne mp. II) ^ '441; 462; 942—950 mit tr. pot.

XXXI imn. VIIL Cohen Comm. 270—271; 751 Cohen Alarc Aur. 869-370;

-7S8; 981 mit tr. p. Ilimp. Iii _ (»374: 378-379; 442; n04: 951-

i )952; 1026 mit tr. p. XXXI mp.

hx

Cohen Gomm. 830—888; 760\ / Cohen Marc Aur. 184; :>71 -765; 979— 9B0; 988 mit Ir. jp.J = )373 : 375-377 ; 953—961 ; 1027 f. /// <mp. Tl. S /^i^ P- XXXII imp. IX.

Cohen Comm. 224-230; 232 u ) Cohen Marc Aur. 105; 9C2— 384 ; 766-767 ; 977 mit <r. p. Ulli = )966 mit tr. p. XXXIIL imp. IX.

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J oseph Mich ael üeer,

litterarlsclieu Belegen nur Eusebius bei Hieronymus und Syn- ceilos Wie Hieronymus, giebt auch die versio Arwruhi das 19. d. b. letzte Hegierungsjahr des Marens, also 179/lBO dafür an. Aber diese Datieraog ist falsch. Wiesehon EckheF') gesehen, tritt der Name Äuguskts bereits auf Mflnzen des Jahres 177 nnd zwar immer zugleich mit dem Titel pater pnfr'mc erstmals auf. In diesem Jahre mui.} also Commodus beide Titel zugleich erhalten haben. Solches muß geschehen sein Yor der oben festgelegten neuen Imperatorenacclamation jenes Jahres. Denn Commodus ist auf einer Reihe Yon Prä- gungen bereits Aug(ustu$) p(<üer) jtfatriae)^ aber noch nicht imp. IL Da femer die Prägungen mit tr. pot. II nur zum Teil Auii. p. p. haben, muß es uaeh der oben vermuteten Re- gulierung der tribunicischen Jahre des Commodus gewesen sein ^®). Mögen in einzelnen Fällen beide Titel auch nur weg- geblieben sein, die Regel steht doch unverkennbar durch und bestätigt sich auch insofern, als auf Mflnzen und Inschriften aus der Zeit, da noch tr. p. I gezählt wurde, die Titel Aug, p. p. nirgends auftreten.

Damit ist zugleich für die Frage nach der Zeit der frag- lichen Regulierung der tribunicischen Jalire ein noch weiter zurückhegender Urmtuus ante quem gewonnen.

Jetzt erst, durch Verleihung der Angustuswflrde, war die Erhebung des Commodus zur Hit- und Samtherrschaft, wie sie schon zwischen Marcus und Yems bestanden, und wie sie Kaiser Marcus flberhanpt zuerst in die rdmisehe Geschichte eingeführt hat, staatsrechtlich abgeschlossen-^). Damit hatte

") Euseb.-Hieron. chrou. a. Ahr. 2lyü, Ii pag. 172. f. Schüae. Eckhel 7. 107.

Die Münzen des Commodus aus der Zeit der ir. pot. II ohne Aug, p.p. : Cohen 61— 82; 92; 97, 103; 295—298; 739; 741—742; 749 750. Tr. pot. II mit Aug. jp. p. aber noch ohne imp. II: Cohen 79-80 ; 8a-87; 89-91 ; 95-96; 98-102; 748-748. IV. pot. II mit Ang.p. p, mit twip. II: Cohen 270-271 ; 751—759; 961. (NB. Daß in den Nummern Cohen 295—298 die Formel Liberalitas Aita{usti) auf Kaiser Marcus geht, vgl. oben zu cp. 2, Ib Anm. 25V Damit f&lH demi aoeh die Annahme toh 8 t ebbe (im Philolog. 32. 1878 S. 47 t}r die Verleihung der Titel Aug. p. p. und die Regulittnmg der tribum- cißchen Zählang seien zugleich erfolgt, n&mlich aus Anlaß der Ver- mählung mit Crispina, etwa im März 177. Die Vermählung kann aber ToUenda nicht vor a. 178 angesetzt werden, wie nachher zu zeigen ist **) Daß Harci» anch den AugattiiniamcB durch düm Senat sner-

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Der historiacbe Wert der Tita Commodi. 31

Marcus das denkbar mögliche gethan, um Commodus den iiiroa XU sichern. Warum er ihm nicht schon am 27. J^ot. 176 lach diese Wärde gleich übertrug, oder besser, warum er die Verleihiiiig des imperum nicht bis zum Jahr 177 yerschob, mn ihn auf einmal zum Imperator und Äugustus za machen, ist unschwer zu erkennen. Commodus mu^te ordnungsgemäß zum Triumph, der am 23. Dec. ITG stattfand, vorläufig wenig- stens mit dem imperium malus ausgestattet sein ^*).

f) Die Vermählung: Sowohl nach Tita Marci 27,8» ab anch nach Bio 71, 83, 1 fand die Yermfthlang des Commo- di» mit Grispina, der Tochter des Bruttins Praesens, vor dem iufbmch beider AugusH zu dem neuentbrannten Marco« niannenkrieg itutt. Die vita Marci erwähnt das Ereip^nis un- miiieibar vor dem Aufbruch zwm Krieg, der mit der rartikel dem angereiht ist. Nach Dio war die Vermählung erst auf später projektiert, mußte aber gerade wegen der jetzt not- wendig gewordenen Anwesenheit des Marcus auf dem Kri^- •chauplatz besehleunigt werden. Beides weist darauf hin, daß die VermBiilung erst im Jahre 178 und zwar nicht lange vor dem August, dem Taj?e, an welchem Marcus nut Commo- dns Rom verließ ^^), gefeiert wurden sei. Der Krieg selbst war allerdings schon a. 177 ausgebrochen. Aber das Kriegs- ghick war suerst den Hörnern günstig gewesen, wie die vorhin besprochene neue Imperatorenacclamation vom Später 177 beweist, die schon deshalb auf einen Sieg vom Sa-iegsschau- platz an der Donau bezogen werden mu£, weil kurz zuTor die TriTiinphaliiiünzen De Gennnnis und De Sarninfis aiilirechen^*). ^Venn also trotz des Sieges Marcus im folgenden Jahre im Felde notwendig wurde, und zwar wie Dio ausdrücklich sagt, weil die beiden Quintilier dem Feind nicht stand zu halten fennochten« so muß offenbar diese Wendung zum Schlimmeren Ott in dem neuen Kriegs jähr 178 emgetreten sein. So fKhrt rf» auch diese Erwägung nur dazu, die Vermählung habe erst nach der 9. Imperatorenacclamation des Marcus, der zweiten

keDD^L lit ß. vi'e aus Eusebint a. a. 0. zu erschließen* ist ganz wahr« •eWnikh. Vgl. auch M o m m 8 e n St.-R. II ' 773 Anna. 4,

»-1 Vel M 0 m m 8 en St-R. P 126—136; ISl Anm. 2.

^ ) üaten zu cp. 2, 5 = 12, 6.

^) Anm. 63 f.; 79 f.

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Josepb Michael Heer,

des Commodus, d. h. nach SpUtjahr 177 und wahrscheinlich erst im Lauf des ersten Halbjahres von 178 stattgehabt. Dein stehen die Münzen wenigstens nicht entgegen. Man ersieht aus denselben nur, da& die Vermählung nach Verleihung des Namens Attgustus an Commodus und Tor dem Tod des Marcus erfolgt ist: Das Erstere, weil Crispina auf allen Priigungen iausnahmslos Amfusta ist, und weil auch Commodus, wo er in der Münzaufschrift neben Crispin ;i genannt wiid, immer Auffu- stus heißt. Das Letztere, weil auf den iVägungen, welche das Bildnis des Commodus und der Crispina zeigen, Commo- dus noch bartlos ist, was auf den stadtrömischen Münzen nach Antritt der Alleinherrschaft i. J. 180, so weit ich sehe, nicht mehr begegnet. Vielleicht darf mau aber noch ein weiteres Argument flQr die entwickelte Ansicht in dem Umstand finden, daü Briittius i^aeseus, der Vater Crispinas, erst im Jahre 180 das ordentliche Consulat bekleidete. Diese Eine wurde ihm doch jedenfalls mit Rücksicht auf die Erhebung »einer Tochter zur Gemahlin des Commodus zuteil^**). Daraus möchte ich aber schliessen, die Vermählung habe erst 178 stattgefunden und zwar erst, nachdem die Consuln fflr 179, Commodus und P. Martins Veras, bereits designiert waren. Sonst wäre doch Bruttius Praesens wahrscheinlich nicht erst für 180, sondern schon für 179 cos. onl. geworden. Man darf dieses Argument nicht urgieren, aber es vereinigt sich mit den früheren Be« weisen zu demselben Resultat.

Wenn dem entgegen seither die Vermählung in das Jahr 177 gesetzt zu werden pflegte, so ging es zurück auf Eckhel, der die 7. Liberalität des Marcus aus dem Jahr 177 auf das Congiaram bezog, welches Marcus nach vita Marci 27. 8 an- läßlich der Vermahlung seines Sohnes mit Crispina gab. Die Widerlegung dieser Annahme Eckh eis soll sich im nächsten Absatz ergeben.

g) Die 7*Liberalität des Marens, die zweite des Commodus: Die Tita Marci 27,8 kennt ein Cougiarium, welches Maicua aus Aulaü der Vermalilung des Commodus ausgeteilt habe. Schon vorher, 27, 5 , hatte sie , unmittelbar

Vgl. aach unten Anm. 169 und 190.

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Der hutoriaohe Wert der yita Commodi.

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nach der trib, poiestas des Gommodua, ein Congiarium erwühnt, daa nicht gerade in uraftcblichem Zusammenhang mit deren

Verleihung aufgefaßt zu werden braucht , aber doch damit lipmlich gleicbzeitiEf gewesen sein muß. Es ist nach dem gaiizen Context jedenfalls nach dem Triumph gegeben worden, samt den weiter genannten specktcida mirifka. Und dasselbe wird bei Enaebius-Hieronjmns gemeint sein, wo ebenfalls nach Erwähnung des Tnnmphes von Largitionen nnd Spieen die Bede ist^»).

Dem gegenüber kennt Dio-Xipliilinus nur ein Congiarium aus jener Zeit: und die Münzen melden nur eine neue Libe- rahtät, die siebente des Marcus und zweite des Commodus. Das Congiarinm bei Dio 71, 32, 1 ist unstreitig mit dem in der Tita Marci zoerst erwähnten zu identifieieren: es muß bald nach der Heimkehr ans dem Orient nnd kann nnmSglich erat bei der Vermählung gegeben worden sein. Denn die Vermah-» luüg erzählt Dio er^t nacliher 71,33, 1, oiiue irgend welche Erwähnung eines Cougiariums, und er brineft. wie wir oben sahen, dieselbe in so nahen Zusamiuenhang mit der im Sommer 178 erfolgten profecUo Germanica beider Kaiser, daß man sie erst diesem Jahre zuweisen mnß. Dagegen das bei Dio 71, 32, 1 genannte Congiarinm wird von Maiens in einer Rede YOr dem Volk zugesagt, in der er u. a. seiner langen Abwesenheit ge- denkt; der Zusammenhang ergiebt, daü sie bald nach der Heiiiik^lir gesprochen wurde, die Anspielung aut die aclit glück- hcben Kriegsjahre, denen die 8 aurei des Congiariums ent* sprechen sollten^), deutet an, es sei im Znsammenhang der Si^eafestlichkeiten, die am 23. Dec. 176 mit dem Triumph «rOffnet wurden, spätestens also in den ersten Monaten a. 177 ausgeteilt worden.

Hieron. chron. II pag. 173 Schöne: impenUorea muUis multa hrgiti sutif = Versio Armenia ibidem pag. 172i: imperatoirs (h>nn tri- ^^tcrunt {misa-uHtj et divtrsi generis apeckZula theatrorum exhibucrunt = ^nesUoi ehnm. 1 667, 4 Dindorf : *Avtwi^oc «at Kötioftog oC aftfcoxpdxopt; 9vx)Kj\MQ xol b-ixQ «avtoCa; r.apioyov. Daß die Notiz zum 18. Juir des Mirens s= 178/179 gestellt ist. darüber nachher Anm. 95.

••j IHO'Xiph. 71, 32, 1: ixvb ... xpo^ro^c ... dvi Öi*xooiouc Spayiii? «iX., wobei Dnchmen natQrlich ron Denaren gemeint sind. Vgl. aucU Petr. Patr. exe. Tat. des Dio vol. V pag. 207 Dindorf. Dazu jet«t auch BoisseTain, Can. Dion. yoI. I praef. pag. XVIU et IC and ▼Ol. III p. 272.

i^Uologo», SappUrattttbaad IX, «nu« fitft. 8

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Joeeph Michael Heer,

Genau in dieselbe Zeit gehört aber auch die neue Libe- ralität der Münsen: Die besQgUcheii Prigangen des Marcus^') schreiben alle dessen Mb. pol, XXXI mit imp. VIII, sind mitbin nacb 10. Dec. 176 und tot der oben (Anm. 76 f.) in

die zweiie Hälfte von 177 verwieseneu neuen Imperatoren- acclamatiüu ge.sculageii. Die entsprechenden Münzen des Com- modus^^) lassen sich noch genauer datieren. Bis auf einen TypnSf der tr. IIP^) zeigt, sind sie gleichzeitig mit jenen des Marens. Denn sie schreiben ir, pot. II cos, (ohne imp, 11)^ geheuren also ins Jahr 177 in die Zeit nach der Regulierung der tribunicischen Zählung und ebenfalls vor die neue impe- ratorische Begrübung. Den Namen Af((ii(.^tt(<i haben sie in der Titulatur an der später üblichen Stelle vor den Siegestiteln noch nicht. Aus der Aufschrift auf der Rückseite LihtraJUas Äug(usti) II kann nicht sicher geschlossen werden, daß er ihn trot^em schon gehabt habe, weil ja auch schon auf den Li- beralitatsmflttzen des Commodus aus dem Jahr 175 UheralUas Au(f(nsti) stand, lediglich mit Bezug auf Marcus, wie wir ge- sehen '^^). Immerhin setzt der eine Typus des Marcus mit LibcralUas Augustor(nmJ voraus, daü zwei ÄutjasU da waren, Marcus und CSommodus. Es ergiebt sich demnach : Die sämt- lichen genannten Prägungen des Marcus mit lAberalÜas VII und jene des Commodus mit tr, p, II Liberaläas II sind nach 10. Dec. 176 bezw. nach der yielleicht schon sehr bald im Jahr 177 eitol^ttMi litigulieiuiig der tribunicischen Jahre des Couiniodus gescliiagen, teils wohl schon vor Verleihung des Namens Äu^ustus an Commodus, teils auch erst nachher alle aber vor der neuen Imperatorenacclamation im Spätjahr 177. Und daß diese Prägungen beider Kaiser auf dasselbe Gongiarium gehen, ist, abgesehen Ton dieser Gleichzeitigkeit, aus dem Münzbild jener Typen ersichtlich, die beide Kaiser zeigen, wie sie genieinsam den Vorsitz bei der Verteilung führen '^), desgleichen aus der Aufschrift Liberaläas Äugustorum *^).

Cohen Marc Aur. 422—427. **) Cohen Comm. 295—298.

Cohen Comm. 299. Darüber weiter unten, »•l Cohen Comm. 291—294. Vgl. oben zu 2, Ib Anm. 25. •») Cohen Marc Aur. 423—424 ; 42t>; Cohen Comm. 295.

Cohen Marc Aur. 427.

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Der bittorische Wert der Tita Commodi

S5

Unter diesen Umständen, nnd bei Berücksichtigung der oben ffir eine spätere Datierung der Vermählung des Comnio- dujj Yüigebrachteu Gründe, ist es nicht mehr möglich, E ckh eP^) beizustimmen, der diese Münssen auf das nach Marc. 27, 8 an- Js61idi der VennählnDg gespendete CoDgiarium beziehen wollte md ans diesem einzigen, sicher hinfälligen Grand die Ver- mlblong ins Jabr 177 versetzte. Wenn es mit dem Gongia- rium bei der Vermahlung seine Richtigkeit hat. so geht aus den Münzen nur hervor, daß es nicht als neue Liberalitas gezahlt worden ist; man könnte den Typus des Commodus mit fr. p. III im}). (11)^*), der nach 10. Dec. 177 geprägt ist und ieicbt ins Frühjahr 178 in die Zeit der Yermählong ge- hSren kann, anf dieses fragliche spätere Congiarinm beziehen ^^).

Cap. 2, 5: Die ExpeditioGermanicasecnnda: Mit cp. 2, 5 verlaüt Commodus Rom zum zweitenmal und zieht mit dem Vater aus zum hrUttm (rpmiantt iini. Die Parallel- steile Comm. 12, 6, die noch genauer ist, giebt als Datum des Aufbruchs den 3. August 178 und deutet durch beigesetztes 'itnm, welches an Comm. 12, 2 anknOpft, an, dafi es die zweite Fahrt war, die Commodus m Germmam unternahm. Beide Stellen sind chronologisch an ihrem Platz und inhaltlich richtig:

Da& Marcus vor Annahme der 10. Imperatorenacclamation und erst nach der neunten sich auf den Kriegsschauplatz jen- seits der Donau begab, sieht man aus Dio. Seine Darstellung ist 71, SB chronologisch fortschreitend. Es wurde schon oben ersefakssen, da& die Notiz 71, 33, 1 erst nach der 9. Impera- torenacclamation des Marens und jedenfalls erst a. 178 anzu- setzen sei. Nach der Hochzeit zieht dann Marcus in den Krieg. Nach einem in li'-it^em Kampf errunk'enen euischei- denden Öieg des Paternus wird der Kaiser zum zehnteumal nun Imperator ausgerufen'^). Nach den Münzen mu£ diese

") Eckhel 7. öl.

**) Cohen Comm. 299.

Damit ist auch entacbieden , wie Eiiseb.-HieTOii. efaron. aafsa- fauen sind. In keiner der oben Anm. 85 vorgeführten Fassungen ist die Venn&blang erwähnt. Sie decken sich inhaltlich mit Marc. 27, 5, denn hier wie dort folgen sich die drei Dinse: largitümesi sj^ctaaäa; km. Baß das 18. Jahr des Marens , zu welehem sowohl Huronjmus als aijcb die armenisebe Uebersetzung die Notiz gesetzt babeUi aicbt klappt, ködert daran nichts. Dio 71, 33» a

3*

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3G Joteph Michael H«er,

Begrüüang, die für Commodus als dritte zählt, im Jahr 179 stattgehabt haben und zwar, wenn man aus dem Zahlen Ver- hältnis der Typen des Marcus und Commodus mit imp. IX bezw. inip. TT zu jenen mit imp, X bezw. imp, III einen ungefähren Schluß ziehen darf, etwa um die Mitte des Jahres 179'^). Das harmoniert alles aufs beste mit dem Datam des 9. Anguat 178 als Tag des Aufbruchs von Rom.

Eine weitere Bestätigung liegt in Marc. 27, lU: ii^ntnio bciluin pädia fffif. Hiernach stand Marcu-? noch drpi Jahre im Feld. Das 2>oska ist gemeint, „uaxih dem im vorhergehen- den Satz erwähnten Aufbruch zum Krieg*. Da Marcus nach Dio am 17. Mftn 180 starb, so kommt man mit dem triemium, mit welchem natflrlich nicht drei volle Jahre, sondern die drei Kriegsjahre 178 , 179 und 180 gemeint sind, für den Aufbnicli eben ins Jahr 178*®).

Cap. 3: Erste Regierungszeit vor der\ er- schwöruugderLucilla: Nach Ausscheidung der Sitten- schildenmg des Jünglings cp. 2, 6 9 aas dem chronologischen Bestand folgt rilumlicb znnilchst auf cp. 2,5 nunmehr 3,1, welches denn auch die sachliche und chronologische Fortftth- runfic der Notiz von der profedio Germanica semnda bildet. \\ a.> allerdings vom August 178 bis ins Jahr 180 hinein geschehen ist, wird mit Stillschweigen übergangen, sogar der

£s stehen die Münaen des Marcus mit tr.pot. XXXIII imp. IX bei Cohen 185; 982—966 und die entsprechenden des Commodos mit

tr.pot IV imp. J/bei Cohen 224-230: 232; 334 ; 766—767; 977 geoen- über denen des Marcus mit tr. poi XXXIII imp. X bei Cohen 3ö0 äbl; 385; 967—971 und denen des Commodus mit tr. pot. IV imp. III bei Cohen 284—287; 202; 619: 768—776. Die Nomsier Cohen Hwe Aur. 1002 mit tr. p. XXXII imp. X ist nicht in Ordnang« entweder maßte tr. }> XXXTIT iiv^i^i/A \'.er len, Ofler iwp IX.

•*) in diesem Zusammenhaug gesehen, liegt kein Grund vor, mit Peter die Stelle 27, 10 einzuklammern. Es entspricht nur der Art des TerdQnnten Excerpts, wenn 27, 9 , wo Marcus sich dem Krieg erst zuwendet, gleich die Gedmilcrn hineilen zu dem betrübenden Ausjjan^, zum Tod des KaiBer«. In der i^ueüf war die Er/ählun^j aber damit noch nicht beim Tode selbst angelangt, sondern stand erst am Anfang der drei Kriegsjahre von 178—180. Deshalb der 8ats 27, 10. Mit 27, 11 gelangen wir dann wirklich beim Tode an. Auch die concveten und zuverlässigen Völkernamen in 27, 10 (v^l. Dio 72, 2; Marc. 24, 5) sind ein Zeichen dafür, daß hier dieselbe Quelle flieüt, aus welcher jene YOIkerliste stammt, die sich Marc. 22, 1 findet, deren Wert A. TonDomaszewski. De: Völkerbund des Marcomannenkriegs in 8erta HatteUiana, Wien im S. 8 ff. klargelegt hat.

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Der hifttomcbe Wert der Vita CommodL

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Tod des Marcus, der am 17. März 180 in Pannonien erfolgte. Diese auflfaUende Erschdnnng dürfte ihren Grund doch nicht anseehließlich in der Flflehtigkeit des Excerpts allein haben.

Sie wird sich später aus dem engen Verhältnis erklären lassen in welchem der chionologische Bestand der vita Commodi zum chronologischen Ürundstock der vita Marci steht, und woraus auf eine gemeinsame Vorlage zu schlie&en ist, die bereits dort den Tod des Marens berichtet hatte und ihn hier, beim Re- giemngaaniritt des Oommodas, deshalb nicht noch eininal er- wähnte.

Wir finden mit cap. o Comiiiodns bereits in der Ii olle des Alleinherrschers. Er setzt die Räte aus des \ iitcrs Zeit hintan, steht aber noch im Feld, der Marcomauuenkrieg ist nucii nicht zam Abschluß gelangt. £s kann also noch nicht viel Zeit seit dem Tod des Marens verstrichen sein. Der Inhalt ent- wickelt sich in chronologisch fortschreitender Weise: 3, 1 4: Verfaslten des Commodns gegen die ümgebnng ; 3, 5 : Er schließt Friedeil und kehrt nach Rom zurück; 3,6: Triumph; 3,7: Zütrelloses Leben in Rom; 8,8: Mißwirtschaft in Verwaltung des Reiches; 3,9; £r überwirft sich immer mehr mit dem Senat So kann es nicht wunder nehmen, wenn nach weni- gen Jahren im Schoos des Senats jene Yerschwömng entsteht, die im folgenden Oapitel erzählt wird.

Im ganzen ist die Schilderung der ersten Regierungsjahre etwas düster gehalten. Es mag aber sein, daiä der Epitoma- tor. der auch sonst das Scandalöse gern hervorkehrt, seine Qaeüe zu sehr unter diesem Gesichtspunkt ausgezogen hat. hn einzelnen ist trotzdem nichts zu beanstanden, ein Beweis, dssB die Quelle kein tendensidses Pamphlet war:

€ap. Sf 1 : üeber das Verhalten gegen die Rate aus des Vaters Zeit sprechen sich auch Diu und Herodian aus. Letz- terer berichtet aber (1, 8, 1), Commodus habe einige Jahre die väterlichen Freunde in allen Ehren gehalten und sich ihres Kates bedient; erst nach der Erhebung des Perennis sei es anders geworden. Allein Herodian darf bei seiner Wohlreden- heit nicht zu sehr beim Wort genommen werden. Trotz jener Behauptung hatte eryorher (1, G, 1) bezeugt, Commodus habe ichon Tor der Heimkehr nach Uum dich den Schmeichlern zu*

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Joseph Michael Heer,

gäoglich gezeigt, trotz der eiudnuglichen Mahnung des greiseu Pompeianus habe er den Krieg abgebrochen, um sich den Freu- den der Hauptstadt zuzuwenden. Hier stimmt er also mit der ▼ita überein. Und ähnlich bezeugt Dio (72, 1), der Vater habe Commodns Tiefe ansgesseichnete Ratgeber hinterlassen, er habe aber ihre Ermahnungen in den Wind ge«chla^^en, habe rasch den Frieden mit den P'einden uemaclit iind ^ei heim<:^ekehrt.

Cap. 3y 2: Das Kinzel Vorkommnis mit dem Sohn des Salrina Julianus muü noch vor der erst 3, 5 berichteten Heim- kehr spielen. Man erkennt den chronologischen Charakter der Notiz aus dem Zusatz atque exinde Jnliano tetendU insidicis, wo- mit der später (4, 8) berichteten Hinrichtung des Julianus vor- gearbeitet wird. Darin, daL^ cap. 3,2 und 4,8 beidemal Sal- vius Julianus und sein Solm erwähnt sind, und in der beob- achteten Beziehung beider Stellen zu einander liegt ein Beweis f&r die Identität der Quelle der beiden Gapitel 3 und 4, die eine chronologische gewesen sein muß. Man sähe ja sonst keinen Grund ein, warum beide Notizen auseinander gerissen sind. Beide Ereignisse werden eben em jedeä an der chrono- logisch zutreffenden Stelle erzählt. Dies ergiebt sich ftlr 3. 2 auch aus dem Relativsatz qui eaenUibun praeerat. Gemeint ist der Vater SalTius Julianus den Kamen des Sohnes kennen wir nicht weiter. Denn nach Dio (72, 5, 2) stand Salrius Juli- anus zur Zeit, ab Marcus starb, an der Spitze eines großen Heeres und zwar offenbar auf dem Kriegsschauplatz. Man er- kennt es zumal aus dem Ausdruck der vita : crcrcUihus prae^ erat, der dasselbe besagt, was Dio mit aipaiiav [it'^'iXry ir.i- icxpapnievo; wiedergiebt, der aber terminologisch viel feiner ist. Nach dem Sprachgebrauch, der sich erst seit Oaracalla ändern mufite, bezeichnete;rerri^fi« jedesselbständige Heeresoommando*^). Die Tita spricht also mit dem Plural aus, Julian habe mehrere Heerescommanden unter seinem Obercommando vereinigt. Er muß also, da zu dem gegenwärtigen Krieg Streitkräfte aus Terschiedeuen Provinzen herangezogen gewesen sein müssen, auf dem Kriegsschauplatz bezw. in der bedrängten Provinz Pannonien gestanden sein und die Stelle eines ühx im Marco-

'••)A. von Domaszewski, in Neue Heideib. Jb. iV 1894 S. IM Anm. U und in Westd. Zeitachr. XIV 1893 S. 5 Anm. 12.

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Per histontolie Wort der Tita Commodi. 39

BuimeDkrieg bekleidet habon^^^). Daraus erklärt rieb daim toch, wamm sieb Gommodus mit ibm bezw. seinem Sobne, der offenbar den Vater ins Feld begleitet batte, za scbaffen macht.

Cap. 3, 3 4: Ob der folgende Satz lediglich eine all- gemeine Bemerkung zu dem Vorhergehenden ist, oder ob in Quelle noch anderweitiges Detail stand, das der £pitoma« tor nur knrs snsammenfassen wollte, kann nicbt mebr ent* schieden werden. Dagegen die Notiz von den Mimen muß durch irgend welches coucrete Ereignis aus jener Zeit veran- iaüt worden sein. Daß Spottverse anf Comniodus gemacht wurden, besagt der biographische Bestand (13,2), ohne daß sich dort erkennen lie&e, daß solches etwa auch schon im An- fing der Begiemng gescbeben sei. Aber die Art der Be- strafung dieser Ifimen: eosäemqite Ua, t4 ntm apparerenif subüo iiipöfifwH, spricbt ffir die erste Zeit. Sp&ter bfttte Commodns ohi-e weitere Umstände die sofortige Hinrichtung verfügt, wie man beispielsweise aus Comm. 10,2: !'>, 6 und besonders aus Dio 72. 21 genngsam ersehen kann. Der Sinn ist gewiß auch hier, daß die Mimen getötet wurden; aber die Sache wurde noch etwas rerdeckt ansgefttbrt, wie die ganze Ausdrueksweise erkennen laßt

Cap. 3, 5 : Der Friedensschluß und die Heimkehr nach Rom lassen sich genau r datieren. Sie gehören noch ins Jahr 180, denn nach Comm. 12, 7 bezog Commodus bereits am 22. October ISO den Kaiserpalast auf dem Palati tmd die HOnaen der tr, pot V des Commodus (10. Dec. 179—9. Dea 180) bestätigen diese an sieb yertrauenerweckende Notiz. Die* sdben scbeiden sieb durch die neue Imperatorenaoclamation, die Oonnnodus bald nacli des Vaters Tod annahm, und durch die wieder später erfolgte Aenderung des Namens Luvius in

Die Feldherrn dea Marcomannenkriegs führen den Titel eines diizss Ro/.4jiapx.oi. Vgl. A. ¥0u Domuszewski, in Westd. Ztachr. XIV 1895 8. 6 Mm, 21. Salviat Julianus ist wabncbeinlich identisch mit dem cos. ord. a. 175, dessen voller Name nnrli CIL 10, 7457 P. ISainus JuitauHs lautet Vgl. Pro.sopogr. Korn. III S nr. i04. Ob der in der Inschrift von Weseling l>ei Bonn (ClHheu. 449) genannte Sal» villi JnUflBDs TOB OverbeeK, Katalog d. Bonn. Mut. 8.9» mit Reobt lU kgatuH Germaniae inferioris bezeichnet and mit unserm SalTim Ja* liaoos ideaUfieiert worden ist, l&Qt sich nicbt entscheiden.

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Joieph Michael Heer,

Marcus in drei Gruppen: a) Solche mit L. Äur. Comm. etc. tr,p, V tfftp. Ulf mit denen größtenteils noch gleich- zeitig Bind die letzten Prägungen des MarcDs mit tr, p, XXXIII imp. X***). Wegen der fast dnrch gangigen Analogie der Prä- gungen des Commodus und IMarciis in dieser Gruppe ist es wahrscheinlich, daü die neue inipeiatorische Begrünung, weltlie die zweite Gruppe beherrscht, nicht lange nach dem Tod dea Marens erfolgte. Man bezieht sie in der Regel auf den Frie- densschluß selbst. Möglich, dafi aber anch noch irgend ein Erfolg im Felde errnngen wnrde. Yielleicht ist das Mfinzbild der Prägung Cohen Marc Anr. 384, welches einen Flußgott mit Kahn und darüber eine Brücke zeifft, und das Cohen wohl mit Lnrecht aut den Tiber deutet, ein Zeuge dafür, daiä noch vor dem 17. März im Frühjahr 180 eine neue Expedition jen- seits der Donau durch einen Feldherrn unternommen war, wenn auch Marcos selbst noch auf dem Boden der Provinz stand, b) Solche mit L. Äur. Comm. etc. tr> p. V imp. IUI ^02). c) Solche mit M. Äur, Comm. etc. ~ tr. p. V imp. JTII" ).

Die Münzen der zweiten Gruppe mit Fo)i(unarj Red(nci) und Adventus Aug(nsti) gehen auf die Heimkehr. Es wurde aber schon frQher bei anderer Gelegenheit gezeigt, daß der- artige Pi^gungen nicht gerade erst nach der wirklich erfolgten Ankunft geschlagen sein mflssen^^). So mögen sie schon

einige Zeit vorher geprägt sein. Denn es sclieint mir nicht unwahrscheinlich, daii die Namensänderung eben bei der An- kunft in Horn bzw. dem Einzug in den Kaiserpalast vorge- nommen wurde. Wenigstens finden sich die Münzen der neuen Liberalität, die auf ein Gongiarium gehen mttssen, welches offenbar ebenso wie jenes bei dem Triumph vom 23. Dec. 176

Cohen Comm. 223 (Rv. : xmp, IJJ); 263—265 (Rt.: Jovi Vic- tort); 777—782 (Kv.: tr. p. 7); 960—962 (Rv.: Virtus Aug,). Cohen Marc Aar. 882-884 (Rv.: imp. X); 972—^77 (Rt.: Ir. p, XXXIIII); 1008 f. (Rt.; Virtus Aug.), Es haben aemit nur die Manzen des Gotn- modas mit Jori Virfori kein Analoj»on unter den MQnzen des Marcm und werden deshalb nach dessen Tode geschlagen sein.

Cohen 8 (Adventus Aug.); 165 (Fort. red{uci)); 788 n. 788 (Rt.: ir.p. V); 963 {Virtus Aug.).

Cohen 272 f .Iuppiter conservator) ; 300—306 (Liberaliku Atig,); 623—625 (Prov. deor.ji 784-787 u. 7b9— 794 (Rv.: tr. p. V).

Anm. 41.

«

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Der hutoriiche Wert der Tita Gonunodi.

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im Anscklofi an die nach der Heimkehr Yeranetalteten Sieges* fesilichkeiten gegeben wurde, bereite alle in der dritten (Smppe. Auch die Prägung derselben Gruppe mit Juppiter conservaior wird iu die" Zelt des 22. October 180 gehören, da sie sehr an die Xotiz Comm. 12, 7 erinnert : (hifas tu perpdnum ah ex- enttu et semtu in domo Falatina Conimodiana conservafidus. Die Senatoren werden in der ersten Sitzung Commodus ebenso mgerafen haben, wie später seinem Nachfolger Pertinax: JvfpUer opiime nummey serm nehis Pertinacem (Comm. 18, 7).

Auch Dio und Herodian berichten über den Abschluß des Friedens und die Heimkehr. Aus Dio (72, 3—4) sind interes- sante Einzelheiten über die den Marcomannen, Quaden und Baren auferlegten Friedensbedingungen erhalten. Merkwür- digerweise sagt er aosdrückliGh nichts von Zahlungen an den Feind, während Herodian (1, 5, 8 9) den Frieden geradeso erkanlt werden lafit Letzteres pafit za der Stelle der Tita: heÜHm . . . leffibus hostium addidus rcmisU. Uebrigens weiß dann Dio später (73, 6, 1), daß Commodus noch kurz vor semem Tod einer Gesandtschaft von Barbaren Geld ausbezahlt hatte, damit sie Frieden liielten : und es handelt sich dort um eine Völkerschaft jenseits der Donau, denn sie kennen Per- tuax von den FeldzSgen des Marcus her. Man begreift aber die Sprache der vita aueh schon, wenn man bedenkt, daß Marcus sich bereits mit der Hoffnung getragen, in Jahresfrist den Krieg zu beendigen und Provinzpu in Feindesland einzu- richten ^^^') , und wenn man sich erinnert, wie die Feldherm gegen den Friedensschluß Einsprache erhoben ^^^),

€ap. 6: Der Triumph, über den Dio und Herodian idiwsigen, ist noch bezeugt durch Euseb.-ffieron. chron. o. Ahr. 2196: Commodus de Germanis iriumphamt^^^). Die of- ticielle Bezeichnuni»^ als triumphal Germaniais sectindus giebt die Inschrift bei Wiimans 1273 (CIL 14,2922): T. Flano T, fCdio) Germano curatori trmmphi fdicissimi secumli Gernianici

Seit dem ersten Uwm^hus de Germams am 23. Dec. 176

***) Hare. 27, 10.

Herod. 1, 6, 4-9; Dio 72, 1. 2; Comm. 8, 1.

£Qieb.-Hieron. chron. II 172 f. Schöne « STncellot I 667

Düidorf.

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42 Joieph Michael Heer,

hatte Commodus nicht weniger als drei neue Impenitoren- acclftmationen angenommen ^^^), und schon eine Prägung mit imp, //'^'), ftiflo der ersten daron, drückt durch die Victoria mit dem Viergespann auf dem MOnzbild die Absicht des

Tiiüü){)hes aus.

Der GüiistÜMi^ Saoterus begeirnet nochmals cp. 4, 5 f. ; dort sind beiiüuüg seine Gärten erwähnt, hr wird seinen Reichtum eben seiner Günstlingsstellung verdankt haben ^^^). Seine Persönlichkeit steht auch fest aus Dio-Xiphilinus (72, 12f 2), wo er als icpcxotxo^ des Commodus bezeichnet wird, gebürtig aus Nicomedia, ebenfalls des größten Einflusses am Hofe sich erfreuend. Auch die durch die Excerpta Val. zu Dio 77, 21, 2 erhaltene Notiz paüt zu den Nachrichten der vita '"). Daß er mit dem Aelius Saoterus , der in der Inschrift CIL 6, 2010, a, 2B unter den clarissimi viri des crdo saceuhhim domus Äugustae Falai. genannt wird, identisch ist, ist leicht möglich. DafOr spricht, dai drei andere der dort aufgeführten dar. viri wohl decken mit uns bekannten Trägem jener Namen aus Jer Zeit des Marcus und Commodua (CIL a. a. 0.); ferner, dal» er nach Comm. 4. 5 : nrhane Sad^^rtmi edudnm a pcUatio san'orfon causa in der That ein wichtigeres Priester- tum bekleidet haben muß.

Die Erwähnung an zwei Stellen beweist wieder für die chronologische Anlage. Die Scandalscene aber ist dnrchatis glaubhaft. Man dait hier und in dem Folgenden nicht uns dem Auge verlieren, dais wir » s ujit einem Commodus zu thun haben. Aehnliches erlaubte er sich auch sonst, wie man aus Dio 72. 14. !, zusammengehalten mit Comm. 10, 3 erschließen darf. Freilich gehört jenes in die letzte Zeit Allein wir haben die Gewahr fttr die Zuverlässigkeit in der Stelle selbst. Denn wenn es heißt: Sao^ero po/tf in ewro hcnto, so ent- spricht dies einer auch audtiu hts belegten Sitte: Saoterus hielt oäenbar den schweren goldenen Kranz über dem Haupt

imp. IJ a. 177 = Marcui imp, IX (oben Anni. 76 f.); imp. III s:s Marcus imp. X a. 17^> (Anm. 97); imp. IUI a. I«0 (Anm. 102).

Cohen 226. Vgl. Anm. 60.

Vgl. ähnlich 10,9: quem ei äitavit; 11, S: eosdemque statim promont ac ditaiHt.

''M Dio TQl V 757 Dind.; vgl.ztiDio 77, 21, 2ed. Boiasevatn III p. 400.

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Der hiBtoriiohe Wert der Tita Commodi.

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d«t TriumphatOTg So ist vollends kein Grund vorhanden, mitDnncker anzunehmen, einzig weil ee eich um eine ecan*

dalöse Sache handelt, Lampridiiis müsse die Notiz aus Junius Coriju-s hergeholt haben "^). Sie gehört dem chronologischea Bestand zu, wie das ganze cap. 3.

Cap. 3, 7 : Die Worte helh(nrf tnrque virihus liomani im" pem bezieht Eck hei auf das bereits erwähnte Congiarium des Jahres 180 ^^*). Freilich empfiehlt das vorausgehende Wort fftm pdarH, und das nachfolgende vespern etiam fier täbemas sqij. einen diesen Bet^^riÖen näher stehenden Sinn fUr hr(l}((tri. Anszusciilieüen braucht man aber Eckhels ErlcUirung doch nicht. Es werden dem ganzen Paragraph concrete Dinge aus der Zeit jener Siegesfestlichkeiten zu Grunde liegen. Später steigerte sich das Uebel, wie man aus späteren Stellen des chronologischen Bestandes (7, 8; 9, 1) wahrnehmen kann. Ge> rede solche in ganz concretem Zusammenhang wiederkehrende Terwandte Bemerkunpren aber zeigen am besten die chrono- logische Art ; biograpiusch wäre es, solche Züge aus der ganzen Lebenszeit herauszuziehen und an einem Ort vorzubringen. Man beachte auch den verwandten Ausdruck 3, 7: tntibm Bomoni imperii etc. = vires Bomani imperü etc., der sich aus der Identität der Quelle an beiden Stellen erklärt: Und cap. 7 gehört üicher zum chronologischen Bestand.

Cap. 3, 8 9 : Die zwei letzten Satze des Capitels 3 müssen ebenfalls auf concreten Thatsachen aus der Zeit vor der im nächsten Capitel erzälilten Verschwörung Lucillas be- niheo. Schon der Ausdruck in senaius odium renU weist auf die erste Zeit hin, in welcher das Hißverhältnis zum Senat erst im Entstehen war. Nach Dio 72, 4 machte sich Gom- modus schon in der ersten Sitzung durch eine lii|ij)ii3clie Rede lächerlich. Aehnlich wirkte der Aufzug mit Saoterus u. a. Dazu kamen aber die Zurücksetzungen, das GünstUngswesen und all die Dinge aus cap. 3* Die Notiz von Verleihung der begehrten Provinzialäroter an mminum soäas vel a eriminosis

"*) Marquardt St.-Verw. II* 587 ein Gesichtspunkt, den ich einer Anre^^un^ von Herrn Prof von Domaszewtki verdaoke. «") D u n c k e r, im PhiloL 33, 1874 S. 160. »*) Eckhol 7. 109.

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Joseph Michael üeer,

comniefidatos j wobei übrigens der Vorwurf' der Unfähigkeit nicht einbegriffen m sein braucht thatsächlich sind später sowohl im ebronologiscben aU im biographischen Bestand mannigfache Erfolge ans den Provinzen berichtet , mnfi ganz besonders anf bestimmte Personen und Einzelfalle znrflek- gehen. Es ist sehr glaubhaft, dai^ Commodus -schon in d«-r ersten Zeit auch hierin sich durch Gunst und <iiiiistlii]L;;c leiten lidi. Damit war aber dann ein Hauptgrund zur \ ( rstimmung g^eben. So begreift man den Zuraf des Attentäters im fol- genden Capitel: hune täd pugimem senatus mt^t^, der ancb bei Bio nnd Herodian überliefert ist

Mit et ipse in tmüi ordhiis pemiciem saevird eröffnet sieb der Ausblick anf die /nhlreichen Hinrichtungen von Se- natoren in den folgenden Jahren. Das cap. 3 erfüllt von An- fang bis zum Ende die Function, die ihm gemäß der chrono- logischen Anlage zukommen mußte.

€ap« 4 : Das Capitel 4 bat zum Inhalt die VeraobwOrang der Lucilla (4, 1 4); den Sturz des Saotems (4, 5--6); den Stüiz des Paternus (4, 7 8) und weitere Hinrichtungen (4, 9 11). Schon die Zeitbestimmungen 4, 4: jmt haec . . .prinio . . . dein; 4, 5; ium\ 4, 8: post paucos dies; 5, 1: jjoä^ äocc Terraten die chronologische Anlage; und der Inhalt ist zu* verlässig :

Cap. 4^ 1—4: Die VerscbwÖrung Lucillas: Zur Datierung haben wir eine directe Angabe nirgends. Ein ne- gatives Arguiiunt sieht Rohden ^^'') in den Arvalacten des Jahres 183, die nidits von einer Errettung des Commodus aus Lebensgefahr wissen, und schließt daraus, die Verschwö- rung müsse bereits im Vorjahre gespielt haben. Jedenfalla fällt sie Tor den Sturz des Gardepräfecten Patemus, bei dessen Besprechung irir deshalb auf die Sache znrQckzukommen baben (Anm. 119).

Als Häupter der Verschwörung nennt die vita {hfaclrafn.^ und Lucilla. Letztere ist auch nach Die und Herodian die Seele des Unternehmens. Quadratus ist nach Herodian Mit- verscbwomer, nach Dio wird er unter denen genannt, die

P. Ton Rohden bei Paoly-Winowa II 2473.

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Der bittoriiclie Wert der Tita Gommodi.

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Dsdiher die Todesstrafe traf ^^'). Der junge Hann, in dessen

lliiüd die Ausführung gelegt war, hieü nach vita und Dio (Iffwims J'otnpt tnuHs , Herodian nennt ihn QnhtiiauHS. Mau nimmt allgemein, offenbar mit liechtf an, er habe Cl, J:*om- pmmis QuirdiaTMS geheißen. Die UebeieinBttmmiing der yita mit Dio beweist, daß sie den Namen richtig wiedergiebt. Herodian .dagegen hat das Gcgnomen wie auch sonst allein gegeben ; ich sehe hierin einen Hinweis , daß er einem Ton Dio und der Qi-^^'l^^ ^i^a unabhängigen Berichte folgt, der die volle Nameureihe Cl. Pompeiaiius Quintianus enthielt, während er, nach griechischer Art nar einen Namen ver* wendend, das Cognomen herausgriff. Wenn Dio sodann bezeugt, er habe Lucillas Tochter zur Gemahlin gehabt, so ist hinreichend erklärt, warum ihn die vita mit dem Zusatz pro- pinqtms auszeichnet. Denn man hat hier nicht etwa eine Ver- wandtschaft zu Commodus oder zum Kaiserhaus überhaupt her- auszulesen, souderu es ist lediglich zu verstehen propitmuus waL Lucillae, wie der Context schon ergiebt*^^).

Das Mißlingen des Unternehmens und die Bestrafung der Yeischworeoen ist auch aus Dio und Herodian bekannt. Dio berichtet wie die Tita die Verbannung und Hmrichtung Ln- cillas über den Vorzug der vita iu cluunologischer Hin- sicht später , ferner die Hinrichtung des Cl. Pompeianus «od des Quadratus. Es liegt kein Grund vor, die weiteren Namen der vita, die anderweitig nicht belegt werden können : Nerbana, Korbanus, Paralius und dessen Mutter, in Zweifel tu riehen.

Als Ursache der Verschwörnng bezeichnet die yita das (schlechte) Leben des Commodus. Daß man dabei nicht an moralische Verkommenheit zu denken hat, ersieht man aus Dio (72, 4, 4 5), der CL Pompeianus als einen Genossen der Lflderiichkeiten des Conunodns, Lucilla aber als um kein Haar beiser als ihren Bruder schildert. Es ist vielmehr sein Offent>

reber die von der vita berichtete Hitwissenschaft des Patemiu ▼gl. unten zu cap. 4, 7—8.

sein Vater nicht der bekannte Feldherr des Marcomannen* ^fiegf, der sweit« Gemahl Lucillas, war, sondern ein anderer Senator dines Namens, vgl. miten sa Comm. 5, 12.

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Joseph Michael Heer,

lieh anstößiges Verhalten gemeint, wie es in cap. 3 gezeichnet ist, besonders daa Gfinstlingswesen nnd die ZnrGcksetznng des Senats. Deshalb erklärt ja Gl. Pompeianns, im Namen des

Senats zn handeln.

Ob die Verschwörer sich klar bewußt waren, wer im Falle des Gelingens den Thron besteigen solle? Man mag Herodian zugeben, daß Lucilla darnach strebte, am künftigen Hof wie» der die erste Dame zn sein. Dann mußten sie darauf gerechnet haben, daß Ladllas Gemahl, der greise Gl. Pompeianns, der bei seiner Treue gegen das Andenken Kaisers Marens nicht für einen hochverräterischen Plan zu haben war (Herod. 1, 8, 4), nach geschehener That sicli doch bestimmen lasse, Kaiser zu werden. Im übrigen freilich ist Herodians Darstellung, wo- nach der ganze Handel zu sehr auf eine Rivalität der beiden Frauen Lucilla und Grispina hinauslauft, schon deshalb ver- dächtig, weil dieser Schriftsteller nicht einmal eine klare Auf- fassung darttber hat, wann Gommodus sich Terrnfthlte. Er scheint sich die Vermählung erst nach der Throubesteiguiig zu denken !

Cap. 4, 5 6 : Der Sturz des Saoterus. Die vita läßt sofort, mit tum angereiht, den Sturz des Saoterus folgen. Dio trägt die Sache erst 72,12 vor, wo er den Gleander in seine mächtige Stellung einrficken läßt. Während aber die

vita nachher den Sturz des Paternus ursächlich damit in Zu- saramenhang bringt und so keinen Zweifel übrig lälät, Saoterus müsse kurz vor Paternus aus dem Weg geräumt worden sein, wird man aus der Darstellung Dios für die Datierung des Er- eignisses nicht klug. Er stimmt mit der vita insofern Ober- ein, als er den großen Einfluß des Saoterus betont. Wenn er aber sagt, Saoterus sei von Gleander, vor dem er des Kaisers Kämmerer gewesen, gutötet worden wie viele andre auch, trotz der grolBen Gunst, die er bei Gommodus genossen, so ist das mindestens schief von Xiphilinus wiedergegeben , wenn nicht schon Dio selbst die Schuld daran trägt. Die vita verdient entschieden Glauben mit ihrem viel wahrscheinlicheren Detail und mit der Auffassung, durch eine geheime Gonspiration der Gardepvftfecten und wider den Willen nnd das Wissen des Gommodus sei Saoterus heimlich aus dem Weg geräumt wur-

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Der liistoriiche Wert der vita Commodi.

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ka. Wenn es nach Dio den AnacHein bat, als sei Saoterus erst nach Pefennis beseitigt worden, so ist es Tielleicbt nur

die Folge davon, daß er ähnlich wie Herodian au der Stelle, wo er au die Macht periode des Oleander kcinmt, einen Rück- blick auf dessen früheres Leben wirft. Dann wlirde ein Teil der Verwirrung in dem dioniachen Bericht doch auf Kosten dei Xifihilinns zn setzen sein. Man könnte mit Beimarus (an Dio 72, 12) den Berieht bei Dio-Xiph« nnd den der Tita dann etwa so TeiBSbnen, dai Oleander vor dem Sturz des Patemos »chon Bedeutung genug gehabt habe, um. in seiner Rivalität u'egen Saoterus, mit den Comm. 4, 5 genannt ea Uaideprätecten vereint gegen den GUnstling zu wirken. Aber auch so muü die Darstellung der vita die Grundlage bleiben, nach der er. Dio za interpretieren, nnd es hält noch schwer genng, den Anadnick des Dio, Oleander habe den Saoterus getötet: npbq «oUot< x«i dXXot;, xahoi xoti ixelvog fieytcjTOv ib\)wi^%^r], in hiüklantr zu bringen mit dem unmittelbar verständlichen Meuchelmord der vita, der so anschaulich erzählt ist, mit allen Nebenumstanden der Ausführung, wie sich der Vorgang offen- bar in Wirklichkeit auch ToUzogen hat. Die Notiz Ton den Oirten des Saotems, yon den zum Yorwand genommenen ssera, von der Ermordung durch die frumentarüf die ja that- Ächlich unter dem Commando der praefecti fjradorio standen und gerade für die Hinrichtung von Hochverrätern verwendet wurden ^^^), solch vorzügliches Detail ist nicht erfunden.

Cap. 4^ 7 12: Der Stnrz des G ardepr äfecten Paternus. Auf die Frage, wann Paternus gestürzt worden Mi, lassen sich ans der späteren Untersuchung Aber die Zeit des Perennis zwei ungefähre Anhaltspunkte gewinnen. Da Dämlich die Conun. ^i, 1 ausdrücklich in die Zeit des Perennis Ter^^i^^eaeu barmatenkämpfe wahrscheinlich mit der 6. Im- peratorenacdamation des Commodus zu combin leren sind, so wird Patemus vor Ausbrach dieses Krieges gestürzt worden rä. Die Kimpfe mflssen aber in den ersten Monaten des Jahns 183 ihren Anfang genommen haben. Ferner wurde PsHioax, den Perennis nach Ligurien verbannt, nach vita Peri

omaszewski'Marqaardt St.*Yerw. ii- 491.

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Joseph Michael Heer,

3, 2 5 nach dem Tod des Perennis von Commodus nach Bri- tannien geschickt, um dort die meatemden Truppen zu beru- higen. Wie gezeigt werden soll, wurde Perennis wohl in der

ersten Hälfte a. 185 getötet, und tun jene Zeit meuterten die Truppen in Britannien bereits. Pertinax wird also noch iui Lauf des Jahres 18ä dorthin gegangen sein"'"*). Das frifu- ttini», das er in Ligurien als Verbannter zubrachte, führte also, wenn man den Ausdruck per trknnmm urgieren will, ins Jahr 182. Vielleicht hat man aber hier so wenig wie Marc 27, 10 drei volle Jahre, sondern nur die Jahre 188, 184 und 185 zu verstellen. Wie dem aber sei, hiernach würde Pertinax Ende 182 oder im Lauf des Jahres 18.3 in die Verbannung geschickt worden sein. Das statim in der Stelle Pert. 3, 3 geht zwar nicht auf den Anfang der Machtperiode des Perennis, sondern auf die vorher erwähnte Ettckkehr des Pertinax aus der Pro- Tins und seinen erstmaligen Eintritt in die Curie. Jedenfalls ist aber die Sache dann daftlr beweisend, dass damab Perennis die Macht schon in lliuideu luitte, und Paternus wird nicht mehr gelebt iiaben. So erhielten wir auf di^se Weise einen ungefähren tcrminus ante quem für dessen Sturz, der spätestens in den ersten Monaten 18S anzusetzen wäre^^^).

Auf keinen Fall ist an der Abfolge der Ereignisse, wie sie die vita giebt, etwas auszusetzen. Eine innere Bestätigung trägt der Bericht in sich, indem Patemus mit der zuerst er- zählten Verschwörung und noch mit dem Sturz des Saoterui in Zusammenhang gebracht wird.

Die vita bringt deutlich zum Ausdruck, dass der Sturz des Patemus das Werk einer Intrigne war, bei der Tigidius die Hauptrolle spielte. Bereits 0. Hirschfeld '^^) hat die- sen Tigidius mit Perennis, dem andern Gardeprifecten, der nach des Paternus Tod das Amt allein bekleidete, indentificiert. Dio (72, 10, i), obsrleich er sonst günstig über Perennis urteilt, bestätigt, dass er am bturz seines CoUegen die Hauptschuld trug.

Bezüglich der Schuldfrage nennt die vita zuerst cap. 7

Vpl. unten S. 73.

Die Verschwörung der Lucilla kann alio auch aua diesen Gründen kaum später aU 182 gewesen sein. 0. Hiriohfeld» Yenrg. I 228.

Der bisiomclie Wert der Tita Commodi

49

die schon erwähnten GrOnde, infolge deren Paternus in Un- gnade gefallen und seines Amtes entsetzt worden sei. Dann giebt sie als weitere Motivierung der Hinrichtung an: m.<?t-

mulari* rum coninrationis. cum ilirrrrt oh hoc prowf^stnn Ja» Iniii/ jilii) fUiam Pnffnff. uf m Ji''i<min)i fransferretnr ttnprrifim. Hier taucht also bereits wieder eine Verscbworung auf, die angeblich zwischen Paternus utd Saivius Julianus bestanden haben soll. Dieselbe ist nicht zusammenzuwerfen mit der Ver- schwörung Lucillas, denn es ist auch anderweitig bezeugt, dass ein solcher Vorwurf gt iren beide Männer erhoben worden sein muss. Nach vita Diilii Juliaui 2, 1 entrinnt Didins mit knapper Kot ronmnüionis cum Salrio contra ('inHinodn)u ; das ist offen- bar unser Fall. Aus keinem andern Grund bemüht sich des- halb Dio (72, 5), den JuUanus und dann auch den Pa- terons durch einen historischen RQckblick auf ihre frOhere mSchÜge Stellung, in der ihnen ein Staatsstreich leicht ge- wesen wäre, wenn sie thatsUchlich solches im Scliiid geführt, von (inni Vorwurt" des Hochverrats zu reinigen. Dio hält sie also für unschuldig, und die vita stimmt mit ihm übereiu; denn auch sie giebt 4, 8 durch die Worte infthiifJarit und rttm dkeret zu ▼erstehen, dass diese Anschuldigung far eine Mache ZQ halten sei.

Anders liegt die Sache bei den zwei ersten Vorwürfen ^ und hier hat man einen Gegensatz zwischen vita 4, 1 und Dio 72, 5, 2 sehen wollen, bei welcliem Dio im Vorteil »ei. Solches ist keineswegs der Fall. Ob Paternus um die Ver- achwdrnng des Quadratns und der Lucilla gewusst habe oder nicht, darttber steht bei Dio Oberhaupt nichts. Es ist nur die Gfleichung berechtigt Dio 72, 5, 2 = Comm. 4, 8, und hierin herrscht ia beiden Uebereinstimmunu", wie vorhin dargethan wurde. Dagegen mit der Notiz 1, 1 stellt die vita vollkommen allein da und ist lediglich aus inneren Grdnden zu beurteilen. Sie sagt 4, 1: nm sine prw f. jrraet, Tan tduii Fatcrni ronsifio. Das ist eine ziemlich yorsichtige Ansdrucksweise. Nachher nimmt sie den Gedanken nochmals auf 4^7: et quantum vide- hatitr^ paratae necis Commodi conscium. Hier ist die Sprache Doch reservierter. An eine Interpolation ist weder 4, 1 noch

Phiiulogus, Siippl«ni«otb»od IX, er»t«« üeft. 4

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Joseph Michael Heer,

4, 7 zu denken. Beide Stelleu siud so mit dem Gontext ver- wachsen, dass sie aus derselben Quelle mit ausgezogen sein mflssen. Beide Stellen sind deshalb auch einheitlich zu inter- pretieren) d. h. es ist zu dem wohl infolge der starken Ver- kürzung etwas gezwängten Satz 4, 1, damit nicht ein falscher Sinn herauskumine, aus 4, 7 dieselhe Einschränkung {'d rtdf - hatnr) zu macheu. Ferner ist zu beachten, dass Paternus nicht etwa beschuldigt wird, thätigen Anteil an jener ersten Ver- schwörnng genommen zu haben, sondern nur non sine coiUüio und comeiim wird gesagt, also er habe, wie man geglaubt, darum gewnsst und es geschehen lassen, ohne etwas dagegen zu Lhun. Weiter nichts. Ob man aber solches unter keinen Umständen als vereinbar mit dem Charakter des i'aieruus be- zeichnen darf, können wir nicht behaupten, dazu haben wir ja viel zu wenig genaue Kenntnisse über den Mann. Jeden- falls war er mit dem neuen Missregimeut so wenig einver- standen, wie die andern Einsichtigen auch. Sehr glaubhaft ist, dass er sich bemOht habe, ne coniurath lathts jmniretur. Daraus ab« r konnten seine Gegner, vor allem Tic^idius Peren- nis, sein lierrsciisüchti^er College, sehr leicht Material schlagen. Ob sie es zu Kecht oder ganz mit Unrecht thaten, wird schoD damals nicht leicht einer haben entscheiden können. Psycho- logisch ist also die ganze Intrigue, wie sie die Tita er^hlt, so TorzUglich entwickelt, wie sie nur ein guter Beobachter, der die Dinge miterlebt, dargelegt haben kann. Solche An- schuldigungen aber niussten damals, unmittelbar nach dem Attentat, bei Commodus durchschlagen.

Die vorläufige Enthebung vom Amt eines praef. prad. durch Erhebung in den Senatorenstand bestätigt Dio 72, 5, 1, der insofern hier genauer als die yita ist, als er nicht blosa wie diese die Verleihung des latus elavus^ sondern die adlectm hUer cotimlans bezeugt •^^). Da nach dieser Amtsentsetzung nur noch wenige Tage (pod pauajis dks) vergingen, wie die

^•M l>ab ,m späterer Zeit bei deu Prätorianeruräfecten die Ertei- lan^ des latus elavus in der Regel verbanden mit der adkctio inier consulares Form des ehrenvollen Abschieds Sitte geworden*, vgl. O. Hirsch fei d. Verwg. 246 Ami 2. \<i}. auch M o m m s e n St.-R, IP 86S. Die ornamenia conaulana erhieltea die /iraefeeii prtbU, er8tmal& schon unter Nero. Mommsen St.-H. P 40o Anni. 4.

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Der lüstoriscbe Wert der vita Commodi.

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Tita besagt, so war die Hinrichtung schon natürlich von vorn- herein beabsichtigte

Ob nun anch alle weiteren in cap. 4, 7 11 genannten Penonen ans dem Gnind hingerichtet bzw. exiliert wurden, dass sie an den angebliehen hochTerräterischen Plänen des

Paternus beteiligt gewesen? Ausdrücklicli sagt es die vita nur von Juliainis und Vitruvius Secundus. Dio (72, 5) bringt ebea£ftlls die Hinrichtung des Saivius Juliauus in Zusammen- haog mit dem Sturz des Patemus und fügt bei: dcXAou^te |tei' «Ot^v xaC xtva xa2 Yuvalxa £&napC$a dicea^ a^s. In der Dame möchte man leicht die in der vita 4, 10 erwähnte Yitrasia Faustina und »in den andern" die übrigen in der vita aufjretührten Xamen erkennen (Anm. 128). Vielleicht sind aber die Oomm. 4, 9 11 stehenden Notizen doch nur synchronisti- sche Dinge, ohne ursächlich zum vorhergehenden zu geht^ren. Wenigstens ist 4, 9 für die Hinrichtung der Quintilier ein spe- eieüer Grand angegeben, der mit dem Gardepräfecten nichts zu thun zu haben braucht.

Die Hinrichtung des Salvius Julianus kennt ausser Dio auch Eusebius *^^), nur dass er ihn mit dem bekannten Ju- risten verwechselt. Die Verlobung des Sohnes des Julianus mit des Patemus Tochter, woraus die Intriguanten einen neuen Yerdachtsgrand gegen Patemus zu machen Terstanden, klingt an sich sehr glaubhaft. Gerade in solchen concreten Fein- heiten des Berichtes tritt der Wert der chronologischen Quelle glänzend hervor**''^).

Vitiuvius Secundus ist nur aus der vita bekannt. Die sprachliche Umschreibung seines Amtes: qui epistul'^ hupcni- Mas eurarat lehnt sich in corcecter Weise an an den technischen Amtstitel des procurator ah epistulis. Auch der Zusatz Po- kern/ fainUiarissimus dient zur Empfehlung der Notiz, weil sich daraus seine Erhebung zu dem hohen Amt ab epistulis, das

Eusebius bei Syncelloi chron. 668, 10 D i n 1 o r f.

Herodian nennt Pnteniua Oberhaupt nirij^ends. Mötzlich ist nur, daß er 1 , 8. 8 : (TT s p s w i c ;) ä x y. ö - - s : v y i p äst v. a i v. o o ') z : v « 4 1 ^ a 'j V 6 (i o •> Ä e !j 6 i o j j •* z 6 p i / o v; a { Dinge meint, w ie die in ^ Vita 4, 7—11 berichteten.

4*

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52 Joseph Michael H^er,

Paternus früher Belbet bekleidet hatte ^'^), und dann das ge- meinsame Geschick mit dem befreundeten prm f. jjraetorio er- klären.

Cap. 4, t): Die Stelle wird iu chronologischer Hinsicht bestätigt durch Dio (72, 5, Sss.), der ebenfalls unmittelbar nach der Hinrichtung des Patemus und Julianus die der Quintilier Bchilderi Er betont zwar als den wahren Grund ihrer Hin- richtung mehr den ungeheuren Reichtum, läset aber doch in dem Ausdruck: e: /,xl jtr^OEv vswTcpov evevoGuv noch durch- blicken, daas auch dieser Vorwurf gesren sie erhoben worden war. Dann erzählt er mit grosser Breite das Schicksal des aextm Conäianus Maximi ßius^*% wobei zur Bestätigung der Tita dient, dass derselbe sich nur scheinbar tötet und einen Widder statt seiner verbrennen laset (= Gonun. 4, 9: sjjccui motiis); dass dann das Gerücht sich erhalt, er lebe noch (= Comiu. -1, V): iiitrfifKr rrirsisisr): lind dass der Vorjrane: in Syrien .spielt, deuu die vita ^etzt den technischen Ausdruck für Abfall in der Provinz (wl defedionem) *^*^). Dabei kann

Dio 71, 12, 3. Da«u A. von Domaazewski, IMe tfarcu«- tättle, S. 113 Aniu. 4.

*-^) Dit* Handschrift der vita hat Se.ctui> ('o)idiciani fH. Kellerbauer will nach Dio herstellen Se^tits CHnffiamts Muj hin' fil. Ea haudeit «ich unzweifelhati uiu den cos. ord. a. 180 ^vgl. Pro^opogr. Rom. Q nr. 20 und den Stammbaam der Quintilier. ebenda HI pag. 117). Sein Vater muG wohl der cos. ord. a. 151 sein (ebenda nr. 24), der nach CIL 14, 2tj09 Sf.rtn^ <^iiitiliu.H Valeritcf Madimus hieß. Daf5 er mich den Namen Con- (/<anu.s>'gehabt und daß man deshalb in der vita mit 0a«aubonu8 heratellea dfirfe (Smdiwii fii, ist «war nicht su belegen, aber doch nicht undenkbar.

Diese Beobachtung Tcrdanke ich der Güte Herrn Prof. A von I) Om a§z e w 9 k i , der mich auch auf die beweisende Inschrift auf- merksam gemacht. Ks ist CIL 3,10471/3 SuppL A<iuincum: C Jul{ius) Sept(imius) Cafitinus sqq. dux ve3kl{laHonum quattuor) G-erm{<t' uicarum) VIII Augustae) fXA//J prin^igeniae) I Mi^erviae) XX2C ^' iiu) ({dver{üus) ilcfrcinres H rehellr^ sqq. Die defetinres et rebetleg Huui. wie von Doraaszewski nu Korre:*pondenzbl. zur Westd. Ztächr. ibüO S. 9 geaeigt, »die beiden Gegner desi beptimius Severus im Kampf um das Principat, Pescennius Niger und Clodius Albinos*. Nach Dessau, inscr. sei. I 1153 handelt es sich möglicherweise um einen uns unbekannten tumultu^ , way auch Herr von Domaszewski, wie er mir mitteilt, zuzugeben bereit ist. Wir hnden den correcten Ausdruck noehmals in der vita Gommodi 8, 3 , wo sich coHiuraHo und deftdio : der Geheimbund gegen des Leben des Kaisers und der offene Abfall in der Provinz einander gegenüberstehen Richtitr steht auch Marc. 24, 8: äefectwne Cassüi 2s, 5: coiisdos dcfectionia; Cass. 12,3: defectio Cassiana, Der verbale Be<2rriff dasu ist äesciBcere. So Cornm* 2, 2: Casnm a Marco descivit. Vgl. Mon. Ancyr. 5, 27 : Et eandem ^tUem (gemeint ist Armmia maiar) postea deiiciscentem et rebeüantem sqq.

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Der historische Wert der vita Commodi

53

doch die vita nicht aus Dio geschöpft haben, denn nach ihr gab die aogebliche defedio des Sohnes den Grand ab fCir die Venirteilang der ganzen üomus Qtuntütorum, nach Dio da- gegen werden zuerst die älteren Quintilier Maximns und Con-

dianus getötet, während der in Syrien weilende .Sohn erst, wo er merkt, dass „anch ihn das Todesurteil tretien soll", sich durch jene Unterschiebung des Widders und durch die Flucht xa retten suchL

Eine inschriftliche Bestätigung der ganzen Notiz liegt endlich vor CIL 14, 2393 = 6,1991 und in der Jnschrift«»»^) Comiu. l'J, 7. wo der Name des Sextus Quintilius Condianus CHS. ord. a. ISO weffgela 'ti ist. Die Quintilier waren also dtmnaliu mnr'un, so lange Commodus noch regierte.

Cap. 4,10 11: Vitrasia Faustina, die auch in der In- schrift Dessau 1115 (CIL 10, 4635) genannt ist, erkennt Bo is- ieTain bei Dio 72, 5, 1: yuvalxa sÖRatptSa iirecr^oe^ev^'^). Von Velins Rufas wissen wir jetzt erst aus der lex in Ephem. epiijr. 4 8. 504 ti'.. wie ^lomiiisen anmerkt, dass er der College des Orfitus im Jahr 178 war und nicht identisch ist mit dem Coosnl des Jahres 1 82. Ein Egnatins Capito sodann ist auf einem nicht datierbaren Fragment der Arvalacten (CIL 6, 2095) magistitr der Brüderschaft. Das Oomm. 4, 10 beigesetzte eomti^ hris ist jetzt sicher im Plural zu fassen und trifft jedenfalls auch für Egnatins Capito zu, nachdem es sich für den vorgenannten Velins Kufiis hewahrheitet hat^^"). Ja es crewiniif dadurch auch lie gleich tiaciiiier 4, 11 beigesetzte Bezeichnung (vnsuks Glaub- würdigkeit. Es wird sich in cap. 7 neuerdings ergeben, dass der chronologische Bestand die Begriffe cofmi(<, pro fWtsuJf* und eoHstdaris in klarer und, so weit es controllierbar ist, auch richtiger TJnterscheidnng handhabt. Aemilius Jnncus und Ätilius .Severus müssen demnach wirklich in dem Jahre, in welchem sie exiliert wurden, ot/s/ths snfj'xff j^ewesen sein. AVelches dieses Jahr war, wissen wir nicht. Denn die Ver- Unten Anm. 377.

Dio 72,5, 1 ed. Boissevain (iUp. 286). Vgl. Proaopogr. III p. 456 n. 525 u. p. 8.

Die VermntHDg M a r t n i (Atti Anr. 492) , das Fragment ge-

l>öre ins Jahr 182, steht in <ler Luft, da, wie oben zu zeigen, dae Con- Bulat der 4, 11 «renaTiTiten Aemiliui JuDCas und Atilius Severus noch ü^mer nicht zu datieren ist.

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Joäepli Michael Heer,

mutung von Marini^***), für Af/li/fs luln hin AiiI ins zu lesen sein und dieser Cüusul scheine dann der Vater des vfunilitis dieses Namens in den Arvalacteu a. 183 zu sein, ist hinfällig geworden, seit an der via Labicana eine Inschrift zu Tage ge- treten ist, die einen M, AUVms T, Serems coft, patronvs der soäales Herculanl yerzeichnet ^'^). Dessau bemerkt dazu, daß sodales Himtfarfl nur noch aus CLL G, 1339 bekannt f^ind, und daß das coUegium vielleicht der Vorliebe des Conimodus für den Herculescult erst seine Gründung verdanke. Der Stein CIL 6, 13311 ist sicher aus der Zeit des Comniodus, der Kaiser führt darauf schon die Namen ji/^ ffelJiciSt so dai die Inschrift a. 185 oder später gesetzt sein muß Unter diesen Um- ständen konnte leicht M. AtUim T. f. Serents cos, ehenfalla der conimodianischen Zeit ani^rfhüren und, zumal ei cos. ist, mit dem Afffhts: Sn-rrus cos. der vita identiscii sein. Es würde niclus im \\ ege stehen, sein Consnlat, wie man nach der vita wohl auch muß, im Jahr 1S3 oder früher anzusetzen, da Gommodus zwar erst gegen das £nde seines Lebens in den förmlichen Herculeswahn Terfiel, wie sjSter zu cap. 8 zu zeigen sein wird, da er aber den Herculescnlt schon viel früher liebte, wie man u. a, sclii>n aus der Erziililunn^ des Dio (72, 7, 2) über die Hiurichtunj^ der (^lintilier ersieht, die in der Zeit spielt, in der wir liier stehen. Auch hat Bormann ^'^) wahr- scheinlich gemacht, daß Gommodus in seinen ersten Jahren das Amphitheater in Carnuntum, das a. 73 erbaut, aber wieder zer- fallen war, wieder herstellte: und dort finden sich unter den statuarischen Weihgeschenken des Heiligtums, das den Haupt- eiugang scliiniickte, zwei Darstelhinii;en des Hercules, für den Commouus eine solche Vorliebe hatte ^ ^). Auch sonst in den Provinzen gelangte der Herculescnlt gleich nach dem Ret^ie- rungsantritt des Gommodus zu erhöhter Geltung. Das CoUe-

'•'^) Marin i, Atti Arv. pag. 391.

Ephera. epigr. 7, 189, 3»4 (Dessau). Unten zu Comm. 8, 1 b.

Bor mann, Arch -epipr. Mitth. a. Oesterr. XX 189 S. 244 f. "*) Auch der jugendliche Kopf mit dem Löwenteil, bei Matz- Duhn, Antike Bildwerke in Rom 1 504 ur. 1923, Jei Conimo.lns in noch jujreiKllichem Alter darstellt «eit 180 ist er auf den Münzen immer bärtig dargesteUt , wird nicht später gefertigt sein, sondern ein Porträt aus der Jugendzeit darstellen.

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Der bistoiiscbe Wert der vita Commodi.

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giam der sodaic^ HvrcaUmt , welches, wie oben l)emerkt, nur in commodiaTiidcher Zeit nachzuweisen ist, wird also, da die loschhftb des Atilins Severua tot der Verbannung des Mannes gesetzt sein muß, schon am Anfang der Regierung des Kaisers eotstanden «ein

Cap. 5: Die Zeit des Perenuis. Der A bschiiitt Ton cap. 5, 1 6, 2 ist durch pod Inur (5, 1) und durch j^mt mterfninui P* rrvnem (6. 4) nach beiden Seiten hin chronolo- ^sch abgesteckt. Auch die innere Anordnung ist die chrono- logische. An Zeitbestimmungen begegnen 5: inter ha£c; 5,6: tmc; 5, 8: dein; 5, 9: postca; 5, 12: eo tempore; 6, 1: to tempore. Obwohl die Darstelluns^, infolge der Absicht, Pe- rennis zu characterisieren und das wüste Privatleben des Com- modus in dieser Zeit zu schildern, weniger Kuizeiheiten ent- halt wie das vorhergehende, ist der Abschnitt doch durchaus dem chronologischen Bestand zuzuteilen:

Perennis wird sogleich, obwohl er dem Leser mit diesem Namen Torber nicht vorgestellt war, wie eine bekannte Person behandelt. Erst nach seinem Tode (6, G) ist wie zufällig seine amtliche Stellung, die Gardepräfectur, zum Ausdruck gebracht. Nun wissen wir aus Dio (72, 10), daß er schon College des Patemus in diesem Amte war, und aus Comm. 14, 8 erkennt uuui w^en der Oegenfiberstellung der Ton Gommodus selbst ernannten Gardepräfecten, daß Patemus und Perennis nicht ▼on Comraodus, sondern schon von Marcus ihr Amt erhalten liiibon mtissen. Beide sind also bereits ohen cap. 4, T) mit jVnen prnefedi praetorio gemeint, die den baoterus töten liefen, und in der ausführlicheren Quelle war Perennis jeden

Nach der Andelit dei Herrn Prof. vonDomaszewski, der mich auch aofmerkiam macht auf den F^tein in A])ulum, Dacia, CIL

7751: [H^frnili Aftfj ic^to) .. Hef/iniis ' ( | ^ ' f< \ i'')i[sf]^fi'!>t:< ah Hei- {ti'A Periinatt [c]o{n)fi{ulari). Pertinax ciuuunte diesen Kofjiuua wahr- •cbeinlich zum sacerdos provinciae {vgl. Marquardt, epb. epigr. I 210). 'Pertinax verwaltete Dacia sicher noch a. 180 beim Regierangsantritt de» Commodus. «la er erst Ende 176, Cassiano motu romponito, an die Donau kam und S^-rien erat nach Marcus Tod übenialnn. Vgl. vit;i 2, 10;

1. Beide Moesiae hat er vor Dacieu u. zw. uacheinander verwaltet t Coedierter Grensstein warn Hoetia inferior und vita 8, 2'. mst quattuor proriucia» COMUlare9f wie die Handschrift richtig giebt. Das Wort ist Adjectiv zu consuhirift , wie in der Inschrift Westd. Ztschr. 14 S. 101 &r. 207, trotz Mommsen, Hermes '6b ä. 438. Vgl. schon Cic. ad Att. St 1, 5 : cmntlare dictum* So auch Sneton Aug. : feminam «www- ^ofm und Tib. 61: vir eanwlaris v. 5.* A. von Domassewski

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Joseph Michael Heer,

falls sflion an einer fiühereu JSt*.*lle eini^eführt gewesen '^^).

Anflällig ist die verschiedenartige Auilassuug Uber die Per- son des Perennis bei Dio einerseits, und in der Tita und bei Herodian andererseits. Daß Perennis nach des Patemus Tod alle Gewalt in Händen hatte, bestätigen alle drei ^^*). Aber wäh- rend nach der vit« und Herodian Perennis voller Ehrgeiz, Un- gerechtigkeit Ull i Habsucht ist, nennt ihn Dio den Unbestech- lichsten und Uneigennützigsten (72, 10, 1), dem die ganze Last der Regierungsgeschäfte nur autgezwungen worden sei infolge der Sorglosigkeit des Commodus.

Schon Herzog ^'^) hat mit Recht darauf hingewiesen, Dio mttsse durch Wohltfaaten veranlaßt worden sein, so ten- denziös günstig über Perennis zu schreiben. Denn er hebt seinen iMann mit unverkennbarer Absiclitiiciikeit heraus, seine Lobeserhebungen sind eine Apologie auf Perennis, der von anderer Seite gerade in der Richtung Tadel gefunden haben muß, in der ihn Dio erhebt. So hatte er schon den Paternus in Schutz genommen (72, 5, 2), jenen zwar mit mehr Recht, wie wir sahen, als Perennis. Er verdankt ohne Zweifel bei- den Gardepräfecten sein erstes Eniporsteigeu , denn er mnl3, nacb 72, 4, 2 zu schiieiäeu, um das Jahr 180 in Korn einge- führt worden sein.

Die vita verdient hier entschieden den Vorzug vor Dio, gegen den sie durch den von ihr unabhängigen Bericht Herodians un- terstGtzt wird^'^). Denn Perennis war sicher ein ehrgeiziger

Unrichtig ist demgemäß, dab Herod. 1,8, 1 sagt: SKtcTr/aac xolQ o'paToicidot; Ilepivviov. Herodian muß, wie auch aus anderen Gründen erbellt (oben S. 45 ii. ö.), bereit« nach Quellea ßearUeitet hiiVien, durch dio er zu seini-in Irrtum verleitet wurdo Die Quelle besa^tf», <]n(> narli Paternus Perennis alle Maciit an sn Ii i^e- ri«»8en habe, uml Herodian mißverstund dies »o, er sei damuld eist Gardeprftfect geworden. So sagt z. ß. gerade Dio 72, 10, 1 : Ilspiwtov töv bopwf6p(ti'* [isiä TÖv nätspviv apj^ovT». Aber 72, 1), 1 : z<]i Jlatepvw Ttj» auvdpx^'^'' '^^^^ V einen Fall kann also Herodian hier ala Quelle der ?ita in Betracht kommen.

Ueber die Erw«itemng der JnriBdietion der jtnu f. pract. , spe* ciell des Perennis vgl. Mom rasen St-H. IP 1120 Anm. 5.

Herzog, Gesrhir I ro und S'ystem der rr.m, Staat-^verf. II S. 410.

Zwischen vita un<l lieicdian besteht nirgends, auch hier nicht irgend 'welches Abhäii-^'i^^keitsverhältnis. Mit Unrecht wollte Zürcher, in Büdin^'t rs Unteres. I S. '225 Comm. 5, 1 von Berod. 1. 11 un<l Conun. ^1, ?> von Herod. 1. Ö ableiten. Kr wurde schon von Müller elenda Iii S. 6'J Anm. 4 7)irürk£:ewi(»«en. Die .Ansicht i-'t pchon deshalb un- möglich, weil die vila utienuar ein eiuiieitliches Kxcerpt darstellt, das

Der hUtoriache Wert der vita Commodi. 57

Mann. Selbst Dio (72, 10, 1) muß einräumen, daß er o : a Ty/ '^lAap/iav att ü) t a i g ^ ~ (p llaiipvm xrT) auvap- ysvt: ToO oXeO-pou EYevsto. Daß er auch Tipö? t:Xoö- Tov nicht 60 selbstlos gewesen, wie Dio (72, lü, 1) glauben madien will, sondern dass er, wie Herodian berichtet, sich un- geheuer bereicherte, liegt sehr nahe. Sein strammes Spar* svstem steht nicht nur durch die Tita fest, sondern auch durch die Xotiz l*ert. 9, 3 von der Eiiizieluini' der AliiiKutarsHf- tunL^eii. l)»'Dri \vt*iiii diesf Stiftiinf{en b*^im Tode des Com- modus seit neun Jahren uicht mehr ausbezahlt worden waren, 10 massen, wie Mommsen geschlossen hat ^^'^), die Stiftangs- kapitalien Ton den Hypothekenschuldnem vorher eingefordert und die j&brliche Zinszahlung anf die Staatskasse übernommen gewesen sein. Perennis aber war es dann erst, der im Jahre 184 die Zinszalihing ganz si.stierte ""). Zu demselben Urteil über Perennis kommt man durch die Beobachtung, dass, wäh- rend Commodus nach den Münzen in den Jahren 180 182, also noch in seinen besten Jahren, jährlich ein neues Congi- arium gegeben hatte, erst wieder im Jahre 186, also nach dem Shnz des Perennis, eine neue Liberalttas anf den Manzen ver- zeichnet ist. Durch diese an sich weniger zu tadelnde, aber, Wie der Eri'oig lehrte, übel anfrebrachte Sparsamkeit muß sich der allmächtige Minister in Horn und auch beim Heere, dem g^enüber er nicht freigebiger gewesen sein wird, den Uafi zugezogen haben, der, wie wir sehen werden, zu seinem Sturz gefbhrt hat. Er wird auch nicht einzig ftlr den Staatshaushalt gespsart, sondern dabei den eigenen Nutzen gefunden haben. Den Niederschlaf^ von dem ungünstigen Urteil der Zeitgenossen über ihn haben wir, wie mir deshalb scheint, vor alleui in der vita und soch bei Herodian. Dio muss mit Absicht schön gefärbt haben.

Was nun zur Charakteristik des Commodus im cap. 5 ge- sagt wird , ist nicht von jener zusammenfassenden Art, wie sie in den Biographien sonst Üblich ist, sondern es ist chrono-

das viel detailliertere (Quelle voraussetzt, als Herodian es ist. Und dann tteht Corom. 4, 5 -|- 5, 1 gegen Herod. 1,8, 1. Vgl. Anm. 185.

Mommsen St. R. IP UjÖO Anm. 3. Aebnlich Kubitschek bei Paaly - Wiuow« I 1487. Anders H e n s e n , Ännali dell istituto

im. 48.

"*) Diesen GeeicUtspuukt verdanke ich der Ciute Herrn I'rol. von Doms tsewski.

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Joaepb Michael Heer,

logisch gedacht und gehört in die Zeit, in der wir hier stehen.

Denientsprecliend wird an den Inliah des cap. 4 angeknüpft, und es erbcheint nur als eine Folge jener Erei<_jnisse. besonders der Verstlnvr»rung gegen des Leben des Kaisers, wenn er sich nach cap. 5, 1 von jetzt an unzugänglich macht und alle Re- gierungsgeschäfte durch die Hände seines Ministers gehen lässt, der es yerstanden, in jenen Wirren sein ganzes Vertrauen zu erwerben. Anch Dio 72, 9, 1 berichtet hinsichtlich des Pri- vatlebens des Conunodus gerade in dieser Periode, er habe sich, während i'erennis die Staatsgescliäl'te besorgt, äpiiarr^- Xaoiat; xal dozkysioLi^ hingegeben; und Herodian (1, 8, 1) redet im selben Zusammenhang Yon Tpn^al^ und xpoiicsiXai;, womit er seine Zeit ausgefflllt Speciell für den Satz: qtws vi pre- tUsque sqq. haben wir sodann als Beleg die Schilderung jener Versteigerung commodianischen Hausrats in der vita Pert. 7, 8, wo diejenigen wieder frei entlassen werden, (pf* per vim Fa/atio videhnnfur ttisaii. Zieht man dabei in Be- tracht, was eines der Endergebnisse dieser Unter>5uchung sein soll, dass die vita Pertinacis die Fortsetzung desselben chrono* logischen Excerptes darstellt, das ich in der vita Gommodi hier nachzuweisen im Begriffe stehe, so Tersteht man erst recht das wörtliche Aiikluigen der AN'orte, die ich aus Pert. 7. 8 ausgeliobej], an Connu. T).-! und es niuss ('omni. ■"), 4. worauf die echt chronologische Notiz der vita Pert. oüenbar zurück- greift, ebenfalls zum chronologischen Bestand gehören. Dazu kommt schliesslich als innerer Grund, dass die Kotiz, Commo* dus habe in der arma noch mit stumpfen, daheim wohl auch schon mit scharfen Waffen gekämpft, die auch durch Dio (72, 17, -) ))e.stätigt wird, eben wegen dieser Zurücklialtnng, die sich Commudus hier noch auferlegt, auf die frühere Zeit hin- weist, in der wir noch befinden.

Cap» 5, 7 11: In echt annalistischer Weise hatte der chronologische Bestand cap. 4, 4 nur die Verbannung Lucillas ▼erzeichnet und meldet nun cap. 5, 7, mit dem Plusquamper- fect (( ((}){ Capmis wifti<isrf) darauf zurückgreifend, die erst jetzt erfolgte Hinrichtung derselben. Sehr lange Zeit wird seit damals nuck niclit einmal vertlosseu sein. Dio 72. 4, 5 und Herodian 1, 8, S kennen die Hinrichtung Lucillas infolge der

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Der historische Wert der vita Commodi.

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Veischwöruug ebenfalls ; bei Herodiaa führt Ferenuis die Un- iersaehung; Die 72, 4, 6 weiss, dass Lucilla zuvor nach Ca- preae yerbannt wurde.

Bas Ende Crispinas: Zur richtigen chonologiscfaen Wer-

tiuii; der an Lucillas Hinrichtunoj aiijrereihten weiteren Frevel ist hier ein Excurs erforderlich: Dio 72, 4, ü berichtet un- mittelltfir p.af'h der Hinrichtung Lucillas : aTisy.teiVc oe */.al tijv Kf> LG ;;:Lvav 6 Kd(i|xo&o5, iKl [ioi'^ticL 5ifj tiv: op^cad-e^C aiiz^, npb de toO dvaipeihfjvac %al d|A<p6- lepai Bli vijaov x^v Koeicpcav öfcepcdp Cad-i^oav. Es fällt tun so mehr auf, dass die vita nichts von Crispinas Einrichtung wistjen soll, weil sie hier die Frevel des Com modus ^egen seine Familie geradezu zu häufen scheint. Die Sache steckt aber doch in dem etwas verderbten Text. Vor allem ist die Coniectui* des Salmasius, der Peter Aufnahme ge- ivährt hat« als ganz unhegrQndet zu entfernen. Die Hand- Bchrifb liest: uni etiam ex concuhinis matris nomen inpostiU nxom qtiam deprehensam in aänlterh exerfit emdmn relcffavit H posfi'a ücrulif. Der Sinn ist klar bis hrf.osu'd : Commodus ent-vvc'ihte ia dieser pietätlosen Weise den Namen seiner Mutter fausüna. Das Wort uxoris alsdann, das sich mit dem Yor- auBgeh enden nicht zu einem guten Sinn vereinigen läüt, ge* hört offenbar zum Folgenden: Dass es sich in dem Satz mit qfnam nicht um eine Goncnbine handeln kann, sieht man schon ans dem crimm aäitlferü. Auch hätte Gommodus mit einer solchen nicht su viele Umstände «ijemacht. Hier ist das Scliick- sal Crispinas erzählt in all deji wesenilitiu n Momenten, wie sie Dio auch bezeugt. £s ist also mit einer leichten Aeuderuug

herzustellen: inpomit «j;or[m], qtmm dcpreJiemam

in aduHerio ejcegit^ cxactam relegavit et postea oecidit.

Und nun erhellt der Vorzug der Vita, die das Geschick Lücillas und Crispinas vollständig auseinanderhält, indem sie dazvvibthen eine dritte und vierte Notiz mit der Zeitpartikel (kln eingestellt und noch überdies den Tod Crispinas durch pf'Stcn in spätere Zeit verwiesen hat, vor Dio-Xiphilinus, wel- cher beide Ereignisse so miteinander verquickt, da& man seit- her durch ihn allgemein irregeleitet wurde, Crispina müsse gleichzeitig mit Lucilla, etwa im Jahr 183, vom Schicksal er-

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Joseph Michael Heer,

eilt worden sein. Denn aua neu Steinen wissen wir jetzt, daU Crispiua a. 187 noch gelebt hat. Erst kürzlich ist iu Istro« polis ein Altar mit einer datierten Inschrift zu Ta^re getreten, die dem Jahre 187 angehört und nun keinen Zweifel mehr bestehen lässt, dass Crispina damals noch in Ehren stand. Sie lautet

4{uC(ß oiittduii) nUii l iiHo) rt JnnoHt n-'iOi'tic) pro sauilcni (sie!) /nijifciator/s) M{(in'fj Änr(rl't) jA liitoiünji Co/rnftnodf) Aug(uaiiJ p(iij lf(dids)l et Crislpijnac Aalg(astacjJ Mdxi" mu[8 . . ./ muj(ister) v[ijc[ij ex viso ((ibeiisj m(erUo) posuit Crispino et AvU[anoj cos. (a. IST).

Dazu kam kürzlich ein weiterer Stein ans Theveste CIL 8, 11)530 , der von Dessau also gelesen wird:

CuikhukH Antomnl pu f('ßiic(U)J Äu(j{UiiÜ) et (JnapitULn Aluy(iitac)J,

Von dem für die Datierung entscheidenden Ehrennamen [FEJLI[C(IS)] sind allerdings nnr die oberen Bruchstücke der senkrechten Hasten von LI erhalten. Unmittelbar vor

Ati(j(((.s(fJ ist ai)er t'olicis an seinem I'latz, nnd nach dem oben Dargelef^ten ist nichts dno-ei>*en vorzubringen^*^).

Damit ist mm, uui zum frühereu Thema zurückzukehren, der Charakter des Passus Comm. 5, 7 11 enthüllt. £s liegt hier eine Zusammenstellung der Frevel des Oommodns gegen seine Familie vor. Wir lesen der Reihe nach LairÜlam sarorem sororihus suis ceteriH consobrmapafrijf^*^) matris nomet%

Zuerst publiciert A'. luieol. epipr. ISIitth. ;ius Oesterreich Bd. XVll S. 86 n. lU, jeUt CiL o, \2'J6l. Herr Professor von Dorna- z e w e k i hatte die Güte* mich auf dieses fQr die Qeachiebte des Gom- modus und für meine Arbeit hochwichtige Denkmal aufmerksam zu machen. Ks enthält die Bestätigung meiner Emendatiori ziiComm. 5, 9 und bildet einen Beweis f(ir den Vorzug des chronologischen Bestands vor Dio«XipliiliiiQS !

'^M Mit diesem Resultat, daG Crispina thatsächlich a. 187 noch geleht hat, ist nun auch die Annahme, iler co?«. ord. a. IST Crispinus möchte ein Bruder der Kaiserin Crispina gewesen sein, gesicherter. Henz e, bei Paulv-Wisnowa III 913 ff. nr. 6: C. Bruttius Praesens nnd nr. 11: Brutiia Orispina, hoito dies vermutet nnd auch schon daran gedacht, es müs-e dann daraus zw schließen sein, daü Crispina noch bis zmu CoDsulat iines; Bnuler.i gelebt habe. Im Uebrigea vgl. auch S. 31 i': Die Vermahlung mit Crispina.

Wohl Faustina Annia. Vgl. cap. 7, 7 und unten S. 87 f.

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D«r liittomche Weit der Tita Commodi.

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fU!orem. Aber es ist doch nicht eine Gruppe in biogra- phischem Sinn. Ein Biograph hätte die Dinge sachlich ge- ordnet, (las Gewichtis^ere Termutlich voran und jedenfalls das Gleichartige zusammen, so daß wir die Notiz über Crispina ähnlich wie bei Bio gleich neben jener über Lucilla Toründen mfiiien. So aber haben wir zwar einen Excnrs, der über die Bormale chronologiache Reihe heranaragt^ aber er ist in eich «elbfit chronologisch angelegt, ein Beweis, daß die Notizen aus einer chronologischen Quelle zusammen gesucht sind.

Der Excurs umfasst noch die 8ätze cap. 5, 10 11. Man «ieht noch deutlich aus dem betonten ijKsas, womit 5, 10 an- hebt, in welchem Zusammenhang in der Quelle die folgende Notix mm Vorausgehenden stand: Der Sinn ist ein antithe* tiseheri etwa so : Grispina ließ er hinrichten wegen des mmen adidterii; er selbst aber erlaubte sich die mailosesten ünsitt- lichkeiten. in dem an die Spitze gestellten ijßsna steckt i.v.cn ein h)s*-. das beide Paragiai i en 5. 10 11 beherrscht. Tliat- ^hli^li gehören denn auch diese Dinge besonders in die spä- teren Jahre. Eine direkte Bestätigung aus der Zeit des Ole- ander, also gerade der Zeit, in der Grispina getötet worden sein muß, haben wir nachher cap. 7, 3.

Oip. 5, 12 IS: Mit 5, 12 befinden wir uns wieder in der ZiMt des Perennis. Doch sei, bevor dies erhärtet wird, zuerst die Echtheit der Stelle 5, 12 überiiaupt dargethan:

Die ^'otiz 5, 12 über Claudius, den Vater jenes Claudius Pompeianus Quintianns, der in der Yerschwörnng Lucillas seine EoUe so schlecht yersah, wird ganz mit ünrecht ziemlich all- gemein angezweifelt. Der Gfrund liegt teils in einer Verwir- rung, welche durch die Aehnlichkeit der Namen der verschie- deneu Claudii Ponipeiani entstanden ist; teils in der schein- baren Doppelnachricht der vita Caracalli 8, 8. Hinsi( litlich der Personen, die in Betracht kommen, hat schon Reiinarus "-inzig richtig folgende drei Pompeiani unterschieden: 1) den Ti Claudius Pompeianus, den berühmten Feldherm aus dem Maroomannenkrieg, denselben, der auf der Marcuss&ule immer neben dem Kaiser steht, Lacilias zweiten Gatten, der hier Cumm. 5, 12 nicht gemeint sein kann, da er noch unter Per- tinax lebL 2) Hier unser Claudius, von dem wir nur wissen,

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Joseph Michael Heer,

daß er aenatorischen Standes war (ans muUiqm alii srnafores läßt sichs erschließen) und daß er, und nicht der sab. 1) Ge- nannte der Vater ist, euius films cum pitgione qiiandam ad Contnmlum iw^esms esi, 3) Sein Sohn Claudius Pompeianus

Quintianns, der, \m\ Comin. 4. Ii als prophiffnas Lucillas be- zeiclinet zu werdeu, nicht ihr Stiefsohn zu sein brauchte, son- dern nur ihr Tochtermann, der er nach Die 72, 4, 4 gewesen ist. 4) Dem läist sich noch hinzufügen ein wirklicher Sohn jenes ersten GL Pompeianus, der vita Garac S, B genannt ist und, weil er aus der Ehe mit Lucilla entsproßte, als nepas Marci bezeichnet wird. Dieser Pompeianus war zur Zeit des Atten- tats auf CoiiiiiHMliis noch ein Ivniiblein.

Was sodann die Aehnlichkeit der Stelle Comm. 5, 12 mit Carac. 3, 8 betrifft, so ist die Person, um die es ^kh jeweils handelt, hier und dort eine verschiedene. Hier wird der sub 2, dort der sub 4 genannte Pompeianus aus dem Weg gei^umi Wenn es allerdings hier heisst : ocehfi.9 est eo tentfwre etiam Glau- dius quasi a hifronihns; und wenn aucli dort der iirpos JLtrci den Tod lindet: (( iftt quiihia. »f r'dhrrtjw a hif r'<i-/'htis rulcr- cmißli(s, so ist klar, dass eine der beiden Stellen hinsichtlich der Todesart nach der andern copicrt ist. Dann hat aber die Stelle aus dem Torzflglichen chronologischen Bestand der vita Gommodi yon Tomherein die grössere Wahrscheinlichkeit für sich, das Original zu sein. Dazu kommt, daß der ganze Satz- bau Carac. 3, 8 verrät, dal'; dort eine Interpolation vorliegt. Zuerst steht die einfache Tliatsache, die richtig sein wird: occuid diam Fompciamim, Daran sind mit vielen Worten die Personalien und weiteres Wissenswerte über die Eltern dieses ivepos Marci angefügt, besonders über den Vater, der zweimal Gonsul gewesen und das ganze Kriegswesen unter sieh gehabt Man hat das Verbum des Hauptsatzes, das ganz an der ►Spitze dieser langen Reihe steht, längst aus der Vorstellung verloren, und doch wird jetzt, ohne dasselbe aufzufrischen, als nähere Specificierong des Verbums ocridit die fragliche Notiz an den Schluss gesetzt: et ita quidenif ttt vhkretttr a latmiibus hüer* emptus. Hier muss einer, der sich dieser Todesart unklar ans der vorhergehenden Lektüre des vita Gommodt 5, 12 erinnerte, den erklärenden Zusatz, der dann in den Text gelangte, an den

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Der historiacfae Wert der Tita Commodi.

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Kand geschrieben und auf diese Weise das Unheil angerichtet

Ii&ben.

Nachdem in dieser Weise die Echtheit der Stelle Comiu. 5, 12 sichergestellt sein dürfte, seien die Gründe aut- gezeigt, daß die Notis nicht mehr zu dem Excurs gehört, den wir oben mit 5, 11 endigen ließen, sondern daß wir uns hier wieder im normalen Gang der chronologischen Erzählung be** finden: Einmal ist dies markiert durch die 2^itbestimmung eo t'uiftore; dann ist Perennis im folgenden Paragraph 5, 13 ge- nannt und jeuer Satz hängt mit 5, 12 zusammen durch die gleichartigen Begriffe hitcnmpti dkites: und ob äivUias insi- mkäi; zudem beherrscht die Zeitbestimmung eo teinpore das ganze Satzgefüge 5, 12 13 wegen der durchgehenden Goor- dination durch -que, et und autetn. Schliesslich wird der Zu« ntz cu/us filins cum puij'tone quotulani ad Commoduni hifjrcs- -<ifs r.st. nicht lediglich den Zweck haben, uns die Person des Claudius dadurch näher zu beschreiben, sondern er wird auch den tieferen Grund enthalten, warum der Mann beseitigt wurde. Dann ist es aber klar« da& die Sache zeitlich etwa zusammen** fallen wird mit der Notiz, an welche jener Excurs sich anlehnte und auf die nun wieder zurückgekommen wird, nSmlich mit der Hinrichtung Lucillas. Cl. Pompeianus (Quintianus) und die andern wirkliclien oder angeblichen Mitverschworenen hatte mau gleich mit dem Tod bestraft. Nur Lucilla, weil sie die Schwester war, war vorderhand nur nach Capri Terbannt wor- den. Jetzt aber werden die Sparen der Verschwörung vollends getilgt: Lucilla wird getötet. Sogar der gewiß unschuldige Vater jenes GL Pompeianus Quintianus mnss sterben. Da ihm nicht mit einer ehrlichen Justiz beizukommen ist, inscenieit man eine Ermordung durch , Räuber". Die Sache klinqt an sich sehr wahrscheinlich und zeigt, da^ die Vorwürfe der vita gegen Perennis wegen der weiterhin angedeuteten Justizmorde nickt aus der Luft gegriffen sein werden. Die Einzelheiten kennen wir zwar nicht. lieber die avarUia des Mannes wurde schon früher das Nötige beigebracht.

Cap. 6, 1 2 : Der Sturz des 1* e r e n n i s : Der Krieg in Britannien wird cap. 6, 2 nur deshalb erwähnt, weil er mit dem Sturz des Perennis in Zusammenhang steht. Auch

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ß4 Joseph Michael Heer,

cap. 6, 1 sagt die yita ia erster Linie doch eigentlich nicht, daß unter Perennis Barmatenkämpfe stattgefunden, sondern

die Tendenz des Satzes ist zu sagen, Perennis habe jene Er- folge seinem Solin ziigesclirieben, ein Umstand, der, wie sich ergeben wird, dann ebenfalls für den Miichtipfen (fjui tauf um patuU) TcrhängoisvoU wurde. Die Quelle berichtete beide Kriege offenbar als solche und chronologisch eingeordnet^ der Epitomator, der vorwärts eilte, hat nur das herausgenommen, was zum Sturz des Perennis beitrug.

Wenn es (>, 1 noch lieil.U-: co f empöre^ so will das nach den seitherigen Darlegungen bedeuten , um die Zeit , da Lu- cilla hint^erielitet (cap. 5, 7) und Cl. Pompeianus getötet wurde (cap. 5, 12), also im Jahr 183, hätten erfolgreiche Kampfe in Sarmatien stattgefunden. Sowohl die Thatsache als die Zeit lilßt sich bestätigen:

Zuniicbst bezeucrt Dio, nachdem er die Verschwörung Lu- cilhis und den Sturz den Paternus berichtet, und bevor er un den Sturz des Perennis kommt, 72, 8,1: iyivovro ok xai 7i6a€- |io{ Ttve^ icpö; To jc 07:ep xijv Aaxi'av papßapouj. Das sind Sarmatenkampfe. Und wenn dabei Niger und Albinns, die nachmaligen Praetendenten, sich Ruhm erwerben, so haben wir hier offenbar die res hene gestas per aJios dnees der Tita, die Perennis für seineu Sohn in Anspruch nahm'"). Zwar sagt

Da es bei diesen Erfolgen niciit ohne Imperatorenacclauiatiou abgegangen «ein kann , wird man unter den in die Zeit dea Perennif gehönsnden Acclamationen auch nach einem cbronologiechen Anhalts- punkt suchen dürfen. In Betracht können nur kommen imp. Fa. 182; flfip. VI a. 183 und imp. VII a. 184. Denn imp. VIII a. Ib6 ist schon zu spät, weil Perennis, wie nachher zu zeigen, schon ISh getötet wurde. Yoi\ diesen imperatorischen Begrüssungen haben wir nachher (Anui. 156) imj). VII a 184 sicher filr einen !^if\i: i;n htllum Britannicinn in An- spruch zu nehmen. Die Saniialenkiiinijfe müssen also im Jahr lö* oder 183 staligefuuden haben. Dieäum Resultat reiht sich auch gut an, was uns die Inschrift ans Ifatrica, bei Dessau 395 (CIL 8, $8ti5) lehrt. Jener Stein, zu welchem durch weiter südlicli «lefundeno Frag- mente zwei weitere crleichlautende Exemplare nachgewif'^f^n sind (A. von Domaszewski, in Archaeol.-epigr. Mitteilungen nua Oe&terr. 13, 1890 S. 141 and jetzt CIL 3, 10812 sq.) besagt. daU Commodus im Jahr der <r. p. X(lO. Dec. 184/5) das ganze Fluüufer durch eine Kette von Imrffi et prae'^-idia schützte, .die, wie die Inschrift selber ^^gi, nicht dem Zweck der Grenzverteidigung diente» sondern eine Grenz- sperre bildete, welche die Verletzung der Grense in Friedensteiten Ter- nindem sollte" (d e r s e 1 b e a. a. O. S. 142). Es macht sich vorzOg- lieh, da die Anlage a. 185 fertig wurde, sie mit den Sarmatenkämpfen

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Der birtorisebe Wert der Yita Commodi

65

Dio nichts davon, daü ein Sohn des Perennis an diesen Sar- matenkümpfen teil genommen habe. Aber hier tritt glaub- würdig Herodiaa ein, um wenigstens indirekt die Notiz der Tita za beefötigen. Nach ihm (1, 9, 7—10) steht beim Tod des Perennifl ein Sohn desselbea an der Spitie des illTrischen Heeres; vorher (1, 9, 1) hatte er von swei Söhnen ^**) des Pe- rennis gesprochen, denen Gomnodas anf Betreiben ihres Vaters die illyrischen Heere anTertiaut habe. Nun ist aber offenbar eben der Sohn, der bei des Vaters Tod in Illyrien stebt, iden- tilch mit dem in der vita genannten, dem Perennis die Er- folge des Niger und Albinus ge^en die Sarmaten zuschrieb. Da Herodian mit niyrieam immer Pannonien bezeichnet, so empfiehlt sich in diesem Zusammenhang auch sehr die Ver- m tung Ton Borghesi, der in der erwähnten Inschrift Dessau S95 (Aum. 143), gerade weil der Nume des Legaten gedlgt ist, an einen Sohn des Perennis denkt. Es ist chro- nologisch wenigstens sehr zutreffend, daß sich Commodus daraof noch nidit fdix nennt, was er nach Comm. 8, 1 erst nach dem Tod des Perennis that ^^}.

a) Die Ursachen desStarzes: Es ist nun ftasserst schwierij^, bei der rossen Verschiedenheit in den Angaben Dios, Herodians und der vita. über die wahren Ursachen des Sturzes des Perennis ins Reine zu kommen bzw. zu entscbei- den, welcher der drei Autoren das grössere Vertrauen verdiene.

Sicher ist, dafi Perennis, ähnlich wie vor ihm Patemns,

in Verbindang zu bringen, diese a. 183 ansasetBen nnd den Ban Ende Ida oder 184 beginnen zu lassen.

«*») Vgl. S i e V e r B, Der Hiatonker Herodiauoa, im Fbilol. 26, 18d7 8. 40 f. Zwei Söhne des Perennis werden anch nach Dio 78, 8, 4

«□gleich mit dem Vater getötet. Dageo;en ist nur von einem Sohn die Hede vita 6. 1 und 6, 4; Dio 72. 9, 3; Herod. 1. 9. 7. Perennis muß demnach in der That zwei Söhne gehabt haben, aber nur einer wird besonders hervorgetreten sein. , « , , «

'Die Vermutong Borghesi' s, daß der legatu» Pannoniae inferioria deesen Name auf der Inschrift getil^rt ist der Sohn des Pe- rennis war. friebt. wenn sie richtig ist, den Worten der vita res bme if€4las per cUiofi duces einen trefflichen Smn. Denn die eigentliGlien 8wger tm Sarmatenkrieg konnten nnr die oonmtlanschen Legaten der vier großen Donaucommanden gewesen sein nicht aber der praeto mcbe OoniTnundant dps nipderpannoniachen Heeres. Uebrigens stimmt aoch die Bemerkung Herodiana 1, 9, 1 : tolc utöl« feauioö veavioic oSaiv daß der Sohn des Perennii ent dne praetoritohe Prolins inne B^biH* A. Ton Domaisewski

nilolof«, Sm^pltniAlbrad IX, «rtlM Htll. *'

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66 Joseph Michael Heer,

sa Fall gebncht wurde, weil et seinen Gegnern m Hofe go- Isng, Commodos durch geschickte Denontiationen zn tlherzeugen, der Gardepräfect strebe, u. zw. für seinen in Illyrien stehenden Sohn, nach dem Throne. Schon bei Paternufi liatte der Kaiser bei der Denuntiation wegen hoohTorräterischer Pläne eine nach dem dtmals kan ▼oniai^egB]^ene& Attentat nu sn begreif- liche Schw&che an den Tag gelegt. Daß jetit eine gani ähn- liehe Intrigne in Scene gesetzt wurde, sieht man ans Herodian. Muü mau bei ihm vielleicht auch einiges in Abrechnang bringen, weil er Perennis fUr schuldig hält und deshalb ihn zuerst li 9, 1 seine hochverräterischen Pläne grundlegen, dann 1, 9, 2 bis 10 dieselben entdeckt und bestraft werden l&fit Die An- klage wurde sicher gegen Perenms erhoben^ und sie drang durch. Man erkennt es auch aus Dio 72, 9, 3, wo genau der* selbe Vorwurf, nur auf andere Weise, gegen Perennis ge- schleudert wird Dabei verrat Dio durch die Bemerkung, Comnioduö habe sich überzeugen lassen: aX^.u); te %al xoO KXcivSpou ^vayovxo;, daß kein anderer als Oleander, der nachmalige Erbe der Macht des Perennis, hinter der Sache stand; und Herodian weifi (1, 9,6), wie die Höflinge (oC ^ leepl tbv K6(ifio8ov), «die längst Ton Hass gegen den durch seine Ueberhebuiig uiitl seinen Stolz lästigen und imer- träglichen Perennis erfüllt waren", die Gelegenheit walinieliineu, ihn bei Commodus anzuschwärzen. Auch den leider über- mässig verkOrzten Sätzen Comm. 6, 1 2 liegen ganz ähn- liche Gedanken zu Grunde, so wenn dort Perennis sich her- ausnimmt, den Ruhm, der andern gebührt, seinem Sohn zuzu- erkennen ; und wenn er dann, ebenfalls infolge einer De- nuutiaüon, pnxfifa rc per ler/atos cj-crcitus hostis appellatus. ge- tötet wird. Endlich spiegelt sich noch in dem Verhalteu des

Dio 72, 9, 3: ijxontv üspiwiog y^P 4tiißottX«u5t, fva «uTOxpäxopa x6v u£6v &:todt(g{] = Berod. 1* 9, 1 : ö d i nit^ivvioc ... int^eOXtottt äpxi^»...oE dkicatetc«AxeS ... 6( äv toO ütptvvio'j xaTtpY«9ft}iivot> xöv K6|i)ioeev

^sTvTo "c^ apxt}' (Von 1,9,7 ab ist es auch bei Herodian nur mehr ein Sohn des Perennii, um den «ich handelt. Vgl. Anm. 144.) Ungenau ist es also, wenn Stro u tuiann a. a. 0. S. G55 meint, Herodian gei es allein, der Perennis nach dem Purpur streben lasse. Er allein hält iha dieses Yerbreehens fOr s^uldig, den Yorwnrf aber kennt auch Dio.

Der historische Wert der vita Commodi.

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Commodns nach dem Sturz des Perennis und in der Taktik des Cleauder deutlich ab, warimi Perennis fiel. Herodian 1, 9, 10 sskgt gerade heraus, und dies ist nicht die einzig« f oiHlgliGhe Notixi die er zur gegenwärtigen ganaEen Frage hei^ tiigt, Oommodiie habe jeM wieder zwei Oardeprftfeetea befldlt, weil er diee für eicherer hielt, als einem Manne ebe io Terführefische Macht iu die Künde zn LCeben. In der Vita wechseln jetzt die Gardepräfecteu rkwürdig rasch, so daß m selbst es ausspricht: 6, 7 : mutahmdur mim praef. praet. per koras ac dm* Oleander aber, der kluge, läfit sich zasaehst pt nieht wom GardeprSfecten machen ; erst spftter, wo er offen-* bir einaiebt, daß ihm diese« Ami fClr seine einflafireiehe Stel-» lüug anf die Dauer nnentbehrHch ist, läßt er sich, was bis dahin unerhört war, gleich zwei CoUegen an die Seite geben« Das waren natürlich Schattenmänner. Aber der Zweck war obne Zweifel, sich dem Kaiser gegenüber vor jedem Verdacht zu sehfttaen. Bei Dio-Xiphilinns sind, beilän% bemerkt, diese Feubeilen des btstotisclien Berichts ganz Terwiscbt.

Weicher der Antoren berichtet mm aber Uber die Art, wie Perennis denuntiert wurde, und überhaupt über den con- creten \ erlauf der Katastrophe die Wahrheit? Nichts als eine ContusioQ des Xipbilinus muiä es sein, was in dessen J^oex- cerpt 72, 9 zu lesen ist: Aus ikche dafür, daß PerenniB die Initannischen Trappen wegen ihrer Meaterei gerttgt, bitten &idben eine Abordnung Ton IdOO Speerwerfern nach Rom geschiekt, nm ihn zn demnitiereB, er sinne anf Hochverrat und woUf ^^einen Sohn zinii Kaiser ausrufen lassen. Demere- genüber ist es viel wahrscheinlicher, nach Herodiaa

1, 9, 1 die Söhne des Perennis an die Spitze des illjrischen Heeres treten, md da nach nta 6, 1 der Sohn desselben in Sar- matien mitkämpft, daß, wie es Herodian 1, d, 7-— 8 darstellt, der fragliche Sohn beim Tod des Perennie noch in Illyrien steht, nnd daß mithin illyrische Soldaten es waren, welche die Denun- tiaiion hinterbrachten, wie Herodian will, und nicht britan- nische , wie Dio sagt. Ferner , dai3 es nur wenige gewesen •bd, die heimlich kamen, Xad'ovxe^ t6v toO ^6pevv^ou 7:zl8oe, and nnbemerkt von Perennis, Xad'ovtac %»lxot l^capXov ÖvTa x6v Ilepivvtov, vor Commodns traten

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Joseph Michael Heer,

man bedenke, daü die gauze Gesaudtachaft dieser illyrischen Soldaten vielleicht nur von Oleander und den Seinen in Scene gesetzt war^^') , als gleich 1500, die in pompöser Weise vor den Thoren Roms von Gommodus begrüßt, ihre Anklage Torbiingen. Es werden fhmeniarH, die regelmäßigen De- peecbenreiter , gewesen sein, die dem Gardeprfifecien unter- standen, was auch das xxixoi ^Tiap^ov Svxde ins Licht rflcken würde. Es ergiebt sich aber auch aus den thats'ächlichen Zuständen im britannischen Heer, daü die Erzählung des Dio- excerjites entstellt ist : Aus der sniverlässigen Tita Pert. 3, 6 erfshien wir, daM jene Truppen meuterten, was ja auch Dio 72, 9, 2 bestätigt und dafi es erst Pertinax nach des Perennis Tod mit schwerer Mtlhe gelang, die Ruhe wieder her- zustellen. Die Meuterei tobte also schon unter Perennis und dauerte über seinen Tod limaus fort! Wenn also überhaupt eine Abordnung britannischer Soldaten nach Rom ging, so hätten sie ganz andere Wünsche vorzubringen gehabt, als den Perennis wegen HochTenrats.zn dennntieren, zumal dann durch die angebliche Auslieferung des Gardeprofecten an diese Sol- daten die Ruhe in Britannien doch nicht eintrat. Die Dar- stellung des Dio-Xi[)]i)IniUö wird nicht rein aus der Luft üfe- grilien sem, aber sie luuß auf einer falschen Combination bzw. Vermengung von nicht in diesen Zusammenhang gehörenden Thatsachen beruhen. Da& Britannien allerdings in unsere Frage hereinspielt, sieht man ans der Tita. Aber hier handelt es sich um etwas ganz anderes und offenbar richtiges. Qanz mit Unrecht hat man yita 6, 2 als eine Bestati srung Bios an- gesehen '). Hier ist sowohl der Anlaiä, weshalb Perennis de-

Daraus würde sich manches erklären. So haben es Stroot- lu u u u a. a. 0. ä. 655 u. a. mit Recht als unmöglich bezeichnet, dab, wie Heiodiaa 1,9, 7 berichtet, der Sohn des Pera&nii ia IHyrien be> reits Münzen mit seinem Bildnis geprägt habe. Aber ob jene Soldaten nicht solche «lern Commodus denn doch vorgezeigt haben? Nichts war leichter für Uieander, als ein paar solcher Münzen zu besorgen. 'Wenn Borghetrs Termntnng richtig iit, daß des Peteania Sohn Statt- balter von Niederpannonien war(A. 145). so war sein Heer riel zu ■ehwach, um einen Aufstand zu versuchen.' A. vonDomaszewski.

^*^) Vgl. auch Comm. 8,4: cum Britanni etiam imperatorem contra eum diligere voluerint. Vgl. unten zu Comm. 8, 4.

Sievers a. a.0. meint geradezu, und er hat tarn YorgftDger bexeifts Casauboaoi, daß Comm. 6, 2 der Ansdrack per legaiaa wJeht

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Der hütoriscbe Wert der Tita Commodi. ß9

nuntiert wird , als auch der Gegenstand der Denuntiation ein grundverschiedener. Von der Meuterei im britauniacheu Heer «od der tqh Perennis erteilten Rüge ist hier gar nicht die ilede, loadem: Perennis habe im beUum BrUanmcum an die Stelle Ten senatoriachen OMcieren Leute Ton Rittenrang gesetzt. In dieser Sache haben doch die Soldaten keinen Anlaß, 1500 Mann nach Korn zu schicken und darüber Beschwerde zu führen, sondern nur die zurückgesetzten senatorischen Officiere Die iegati exercUus der vita sind also keine andern als die nach fiom heimkehrenden aenatorischen Legaten, nnd sie klagen Per* ennia nicht an, er wolle aeinen Sohn seam Kaiaer aoamfen, sondern proäUa re besagt znnSchat nur, sie hinterbringen die Kunde von der vorher genannten hochverräterischen Neuerung des Perennis. Dabei werden sie nicht unterlassen haben, auch die Absicht zu verraten , die Perennis damit bezweckt habe, nämlich bei dem Patsch durch die ihm ergebenen Officiere aus dem Bitterstand, die ihm zudem ihre Stelle verdankten, die Legionen auf seine Seite zu ziehen***^). Unschuldig aeheint mir aber Perennis in dieser Saehe gewesen zu smn. Er wurde das Opfer der Intrigue, hinter welcher Cleauder stand. Aber

Ton Ltgati (sie), d. h. nicht von Officieren, sondern von den 1500 Speer* Werfern des Dio-Xiphilinus zu verstehen sei.

*^^) 'Das Eintreffen der I5u0 Speerwerfer in Bom läßt sich ans den Hecre-einrichtungen jener Zeit nur so erklären, daß die*?e Trnppe eine Vexillation orientalischer Heere war, die im britannischen Km gefocbten und auf dem iiückmarsch in ihre Standquartiere Kum uaü- lierte, wie es auch tonst seechah. Vffl. Taeit. hiii. 1,6; 1,81. Solche Contb^nte gingen Aber Rom nach Ostia, wo die leeren Schiffe der aeprptischen Getreideflotte zur Heimkehr bereit lagen und dieselben nach Alexandrien mitnahmen. Von dort traten sie den Wez in ihre Stmdlager an. Einen Rest des Richtigen hat Xiphiliniit 72, 9, 2 noch in dem Anidrnck dnoXigavTsg bewahrt, der im Passiv die richtige lieber« <'.f'*7nr\>z von dcdi ist, eines Begriffs, dessen sich z. B. j?erade Tacitos in den angeführten Stellen bedient und der eine specifische Bezeich« Bssg ist für vexiUarii. Auch die Zahl 1 500 stimmt dazu , da Vexilla- tionea in der Stftrke einer oder mehrerer taktischer GefechtBeinheiten (Coborten von 1000 oder 500 Mann ) pobiMct wurden. Vj^l. meine Schrift: IMe Fahnen S. 24 An m. ^' A. von I> o m a s z e w s k i.

Einen Beleg dafür giebt die Inschrift Dessau 1^27, wonach der tpStere Gardeprttfeet Jnliuioe (Comm. 7, 4). also ein Hann TOn Ritter« rang, [proc."] Aug. ei pra^. t^l[la]tion. t^pore belli [Brttannict] war, wenn die Ergänzung richtig ist. Denn wie Herr Prof. von Domai« z e w 8 k i mir bemerkt, hat dieser ^ae^sitm rcxilL nach der Stellung det Amtes swiidien procitraUn' LimtamM und pra^echu daaais prae- toriae den Rnng einea Legionecommandnnten.

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das Spiel gelang. Der Senat erklärte ihn zum Hochverräter, Iwstis publicuSj wie es wieder nur die vita 6, 2 ebenso staats- rechtlich oorrsct ^'^'') als hiitoriBch richtig wiedergiebt : hosUs

Welliger Geiricht möchte darauf za legen eein, daß die dxei Autoren dem Wortlaut nach in der Art« wie Perennis getötet wurde, in etwa auaeinander gehen. Nach Herodian 1,

9, 8 laüt Commodus noch in der Kadit den ahnungslosen Gardepräfe* ten enthaupten , seinen Sohn ^hev durch falsche Vorspiegeiuxig vom lilynscben Heere weg nach Italien locken und unterwegs töten. Nach vita 6, 2 heisst es: lacerandus- que müäibus ed dMius. Nach Dio 72, 9, 4 wird er den 1500 Speerwerfern preisgegeben, diese schSnden und töten ihn. Ifit ihm kommen um seine Frau, seme Schwester und seine zwei Söhne. Vielleicht ist auch hier das richtigere, Herodian mit der Vitu zu comhinieren. So wurde auch später Oleander nach üerodian 1, 13^ 4 und Dio 72, 13, 6 auf Befehl des Com* modus getötet und dann erst sein Leib der Wut des Volkes preisgegeben, geschleift, der Kopf an einen Speer gesteckt und herumgetragen; und vorher sagt Dio 72, 13, 1 : den Oleander töteten nicht die Soldaten, wie den Perennis, sondern das Volk. Und vita 7, 2 sagt: p/chi poenani donaius est Beides ist natürlich richtig. Gerade so wird aber auch hei Perennis das, was die vita sagt, die Nachricht Herodiaos nicht ausschliessen ^^^).

b) Die Zeit des Sturses: Weniger Schwierigkeit macht die Frage, wann Perennis gestQnt worden sei. Die vita 8, 1 bezeugt: cum oceidissei Peremmn, appdJalkis est fdix. Da Commodus diesen Titel nicht vor Mitte 185 führt ' '^), m\iü Perennis nach dieser Stelle um die Mitte des Jahres getötet wiHrden sein. Die Notiz ist nach der chronologischen Seite sicher in Ordnung, wie sich aus anderen Gründen erhärten läfit:

Vor kuraem hat Arthur Stein ^^'j aus einem Papyras den

M o m m e n. 8t*R. III* 1050 Änm. 4.

Ich glaube nicht. daÜ man mit Duruy, Hist, des Rom. VI pag. 20 . die beiddn B«hchte vita 6, 2 oad Herod. l, 9 einander eat* gegensteilen darf.

***) Unten m Ck>mm. 8, 1 b Anm. fiOfi f.

^**) A r t h u r g t e i n. Das Tode^abr des OardeprftfMtsn Perensli, im Herme« 35. 1900 8. 528 f.

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i>er bxatonäcae Wert der viLa Cümmodi. 71

Berliner Museums"*) den Nachweis geführt, dass T. Longaius Huf HS pracf. Aey, , ptaef, praet, in der Alexandriner Inschrift QL 3, 14137 SuppL, den er mit Recht mit dem Longaeus ÜU" fns Papyroi identificieii» nicbt in die Zeit Gordians, son- dern des Cammodai gehört Da seine Statthaltenohaft in Aegypten in das 24. Jahr des Commodas (=: a. 188/184) flUU, und da der Papyrus, der vom November 185 datiert, be- reits Y) y e p, 0 V £ 6 a a c schreibt, m war Kuins damals bereits zum praef, praet. avanciert. Ferennis, der seit des Patemas Tod immer allein dieses Amt innegehabte^), muß also im No- vember 185 bereits beseitigt gewesen sem«

Zn dieeer Datierung stimmt» dass das heOmm BrUamkum in der Tita 6, 2 im Plusqnamperfeet behandelt ist und nrsäch- lich mit dem Sturz des Perennis verknüpft wird. Das legt nahe, der GarJepräfect sei bald nach dem Kripfj; zu Fall ge- kommen. Nun können wir aus dem Siegesnameu Britmnicus und aas den Mttnxen« welche auf die Siege im britannischen Krieg Besag nehmen, erschließen , daß derselbe wahrschein* Uefa noch a. 184 seinen Absehlufi fand'^). Dasu kommt als

Aegvptiicbe Ürkaaden aus dem kgl. Mnt. Berlio, (kriech.

ürk III 807.

«••) Herod. 1,9, 10. Vffl. oben S. 67.

Der britamiuelie Krieg, den Die 72, 8 ab iUy'-^^^C beseiehaet, brachte Commodos noch im Jahr 184 den Siegesnamen Brikamicus ein. Vgl. die Münzen mit tr. p. VII7! iwp. 17/ bei Cohen 17; ^6; 116; 266 ; 457; 459; 460; 462; 463 ; 4Ü7 ; 4B0 ; 471; 658 ; 659; 660; 682; 683 i 945 ; 988 ; 1002 f. Nicht lange vorher, auch schon tief im Jahr 184, hatte er die 7. Iniperatoreoaoolamation erhalten, die offenbar einen entscheidenden Sie^^ in diesem Kriege verewigt. Vgl. die Münzen mit (r. p- yJIU imp. VJl (ohne JBtit.) bei Cohen 35; 4^8: 4^1; 464; 405; 466; 4G8 ; 470 (989?): 1004, denen noch eine anselmlxche Beihe TOB Prägungen mit Ir. p. Villi imp, VI Toransgeht Nun deutet gerade der Siegesname nrittannicus darauf hin, daß der Krieg im Jahr 184 noch beendifft worden sei. Wenigstens muß man es aus den ana- logen Füllen schließen. So nahmen Marcus und Commodus auch die Siegesnamen Omnamciu (Herbit 178) und 8aimaHcu$ (Hochsommer 175) erst nach Beendigung deB beUum Germaniewn bzw. SarSHiftcum an, wie früher gezeigt wurae. Vgl. auch A. von Domaszewaki, Die Chronologie des bellum Gennauivwn et ^armcUicumt in Neu« Heidelb. Jahrb. 5, 1895 8. 119 Anm. 2. Die Mfinxen mit der Aufschrift Vki{ona) Srü{annica) bei Cohen 945—947 und mit Briiannia bei Cohen 8"' 37. von beiden Arten je eine FrSgung nns dem Jahr 1S4, 185 und löH wollen meines Erachtens nicht besagen, als hätten in diesen Jahren neue Öiege in iiritannien stattgefunden, sondern sie feiern die sieg« nkbe Besodigung das Xrieget in Britanniea. Dann dnd aber chto-

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72 J OBep b Mi c hael Heer,

verstärkendes Moment die Notiz der vita Periinacis 3,5: Daß das Heer in Britannien schon vor dem Tod des Perennis meu- terte, wurde bereits festgestellt. Den Grund kennen wir nicht. Es ist aber nicht ninvahrscheinÜch , bei der Geldnot unter CommodnSf dafi die Trappen nach ihren Siegen sich in der Hoffnoiig auf ein glänzendee Donatiy getänsdifc sahen; auch Unzufriedenheit über m lange Diensieit mag mitgespielt haben. Nach dem pranzen Zusammenhang der Dinge zu schließen^ muiä die Meuterei alsbald nach Beendigung des Krieges zum Ausbrach gekommen sein. Auch haben wir noch in deo Mfiozen aus den Jahren 185—187 mit der Aufschrift: conh c(€rdiae) mU(Uum); fid(ei) mÜ(Uum); und fid(ei) €X€rc(Uuum) den Reflex jener ganzen Bewegung^'')- den früheren Re- gierungsjahren des Commodus finden wir solche Aufschritten nicht; und nacli 187 veis( Ii winden sie wieder und haben nur noch eine Fortsetzung m den Prägungen mit fidei cohoriium^ die sich auf die Garde beziehen ^^). £& mu£ demnach der Versuch, die Trappen zu berahigen, im Jahr 185 begonnen haben und a. 187, wo wir nur noch den einen Typus mit fidei exercitimm haben, müssen die Proytnzialheere , so auch das britannische, zufriedengestellt gewesen sein^''^'). Dem-

no!o<Ti'^cli gerade die frühesten Typen ans dem Jalir 184 die wertvoll' Ulan. Andere P. von Rohdeu bei Pauly-Wtggowa 1 2475.

"») Cohen 49-52; 139-142; 145: a. 185. Nr. 53-60; 181— 188; US: a. 186. Nr. 144 a. 187. So rief man ancb toatt die fidts und concordia der Soldaten gerade dann aus, wenn man um sie be- sorgen mnf'te, wie bei^^juelsweise unter Pertiuax ; ofl«»r wenn alles da- von ubLiiig, wie in der ersten Zeit des Septimius ::;cveruä. Vgl. die Aeelamationen des Senats Tom Jan. 198 sngniitten des Pertinax in der vita Comm. 18,8: fidei praetorianorum feliciteru. s. f.\ EckhelT, 145 (fehlt bei Cohen). - Severus setzte den Leg-ionen. tlie auf seiner Seite standen, nicht nur insgesamt die Mänzauldcbrift jidei lajwnum ibei Eekbel 7, 167 ad a. 198.)« sondern feierte noch jede einselne Legioa besonders. Ygl. Eckhel 7, 1G8. Ael nlich die Px^tendenten aus dem- selben Grunde : Cohen Pesc. Niger 19 20 (fhlci excrcj. Cohen Albin 21—25 fßdes kgion.J, Vgl. auch Cohen Dide Julien 1—6 (concordia müitumj.

*^') Die Münzen mit fUIci tohortiton: Cohen 124—125 a. 187; Nr. 126 a. 190; Nr. 127-129 a. 191 : Nr. 130 a. 192.

andere Concession . ebenfalls zum Zweck der Bern- iiiguüg der l'rovmzialiieere, betrachtet Herr Frof. von D o m asz e w ski, wie er mir bier mitteilt, die Einfflhmng der LaadesgOiter in den Heeres- cult. So wurde eben damals, 183/185. der große Altar des Liber pater (CIL 3, 1092) ,an der er8t«n Cultstelle der dacischen Lager*, zu Apa- lum, errichtet. YgL Dessen Heligion des rOm. Heeres, West. Ztschr. * 14, 1805 S. 54.

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Der historische Wert der vita Commodi. 73

gemäß muij TtTtinax, der nach dem Tod des Perennis ans seiner Verbannunpr in Li^mrien von Coniniodus hervorge- holt wurde, um nach Britannien zu geheSt und dem die Be- mhigung der Soldaten auch gelang, wenn auch nur, um sich penÖnHch bei den Trappen so Terhafit zu machen, da£ er nm Enihebang Ton seinem Posten einkommen mnfite, seine Aufgabe der Hauptsache nach im Jahr 186 gelöst haben, noch im Lauf des Jahres 185 und kaum erst Anfang 186 muß er mitbin nach Britannien abgegangen sein, das er dann späte- stens Anfang 187 wieder verliels ^^^). Man sieht, auch diese Berechnung harmoniert Tonsfiglich mit der Ansetanmg des Stnziee des Perennis etwa am die Mitte 185.

Endlieh hat Hommsen das von A. M 0 1 1 e r entdeckte Galenfragment, das Bruchstück einer arabischen Uebersetzung, am den Sturz des Perennis bezogen ^^"). Das Datum des

*^ Vgl. auch unten sn eap. 6, 11 (vgl. Pert. 8, 7} S. 81.

'«^) A. Maller, Hermes 18, 1883 S. 62;^ ff. V^zn äußert sich Herr Prof. Nöldeke in einem Brief an Ilenn Prof. A. von D o- maäzewski, dessen Gttte ich diese Corresponaeu^ verdanke; ,,Dab man bei einem Datum, da« ans dem Kaiterjahr und dem Jahr einer Alexanderära besteht, unter den daneben genannten „beiden Veziren" die Con?uln verstehen muß, ist auch mir durchaus wahrscheinlich. Naiurlich auf den Aasdruck »Vezir* ist an sich kein Gewicht sa legen. Den hat der arabische TJebenetxer, der natürlich keine Tontellmiff Ten den römischen Staatseinrichtungen haben konnte, fflr den Ausdruck der griechischen Vorlage gewählt Diese wird aber 'iTraTc^ gehabt haben ; den alt«jrischen Schriftstellern war dieser Ausdruck geläufig. Nun passen auch die arabischen Formen für Maternus und Bradnas

•ehr gnt In ^^Ja\jt ist, wie Mllller mit Recht sagt, nur ein Zftek-

chen zu ergänzen: ^^j-j^LL*, und in j^jjjil ist ohne jede Schwierigkeit

w.^^' 711 erkfnnen. Eine Aera Alexanders <lr-s Großen ist he\ d^n

Orientalen, namentlich den Syrern, durchaus gebräuchlich, aber das ist einfach die Seleucidenftra, welche sie entweder «die Alexanders* oder .die der Griechen* nennen. Davon kann hier, wie schon MQller sag^ keine Rede 9.pAr\. Also niuT^ wohl, wie Sie [d. i. Herr Prof. von Domas- zewski] annehmen, die Zeit gemeint sein, wo Alexander Konifr von Babylon wurde. (Wenn em Orientale damit den Tod des Danus ver- veehaelt, so hat das nichts auf sich.) Diese Aera ist rein gelehrt, hat nie im Leben existiert, aber bei einem Gelehrten wie Galen ist sie pnz am Platz. Ks wäre aber gar nicht so auffallend, wenn er sich da- bei um ein Jahr verrechnet hätte.**

Naeh dieser Annahme des Herrn Prof. voaDomassewski macht das fragliche Datum Galens keine Schwierigkeit mehr. Man hat in dem Canon regum (= Laterculi regum et imperatorum et'\ ed. Usener, in Moonm. Germ. bist. XllI, Chron. min. III 438 ss. Mommsen) zu der Summe der Selencidenjahre noch die dort fehlenden 8 Jahre Ale- landers ansufthlen ond erhält so die Gleichmig : Marei €t Commoäi

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74

Jotepli Micliael H«er,

Fragments ftihrt auf die Zeit vom 1. Janutr bia 1. Thoth'®^*) des .Jahres 185. Hiemach mütäte Perennia noch in der ersten Haltte dieses Jahres getötet worden »ein, was nach dem Gesagten durchana angeht. Merkwürdig ist nur, daß sowohl dia vita, wie auch Dio und Herodian toU- •ttndig darüber schweigen, daß der Stun dee PereDnia weitere Kreise gesogen habe, was man doch naeh dem Fragment, in ■welchem nach dem Tod jenes» fraglichen IMaunes peinliche Uo- tersnchnngen angestellt werden, erwarten sollte. Bei der Verschwörung Lucillas und bei Paternus hatten die vita und Dio darauf hingewiesen, daß solches geschehen. Andererseita ist es innerlich aber doch wahrseheittlieh, da Perennia ja eben- falls wegen HochTemis gestürzt wurde, daß man nach seinen Anhängern fahndete und, da wenig dabei herauskommen mochte, Perennis war ja dieser Sache nicht schuldig, daü man in der im Fragment geschilderten Weise die Nachforsch- ungen urgierte. Die Erfolglosigkeit aber wird die Ursache aein, daß wir bei den drei Antoren wdter nichts davon erfahren.

Gegen diese Datäemng pflegt man s«t Tillemont Herod. 1, 9,2 6 anzurufen^*'), jene theatralische Dennntiation des Perennis bei Gelegenheit des capitolinischen Agon. Da dieser, von Domitian a. 8G als ji- zitaeterisclior Acren gestiftet^"), unter Commodus a. 182 und a. Idü geleiert worden sein muß, glaubte man, hier könne nur das Jahr 186 in Betracht kommen« £inag richtig hat Sievers gesehen^**), der den Voigiag ohne Bedenken ins Jahr 182 Terweist Seine Ansicht steht

Ot 39 SB o. 515 Säleueidamm » a.ifi^S Alernndri. Da ferner naeh der vim Ideler^ Chronologie I pag. III eDtwickelten Regel die aegypti*

sehen Kaiserjahre den 1. Thotn zum Neujahrstag haben, da«? er^te Kaiterjabr jeweiU schon von dem der Prociamation vorausgebemh n 1. Thoth an gerechnet, so ist das erste Jahr dea Marcus 1. Tbotii 160/161 ; das des Commodus = 1. Thoth 176/177; das SsTtnu 1. Tliotfa 192/193. ^^ ithin ist Mani et Commodi a. 33 = Afexandri a. 523 = 1. Thoth lyi lOJ; und Bowohl das 5i6. Jahr Alexanders als das 9. Jahr des Commodus ist = 1. Thoth 184/185. Das fragliche Datum Galens »a. 9 Commodi a. 516 Atexandri MaUmo •«# Brtmta cob.* besieht Bich •omit auf die Zeit vom 1. Januar bis 1. Thoth des Jahres ISS. ««••) 1. Thoth 20 Aug. Vgl. Tdeler a. a. 0. I 157.

ZuleUt Sti ootmann, Tleckeis. Jahrb. 155 S. 655.

Sneton Domtt 4; Centorin, Da die aatali 18; vgl. Paulj-WiiK lowa III 8. T. Capitolia.

>•*} Sievers, a. a. 0. S. 39.

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Der lüstorücbe Wert der vita Commodi.

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im Einklang mit der ganzen obigen Auseinandersetzung : Der Sohn des Perennis muü doch, da er nach Tita 6, 1 im Jahr 182 od0r 183 in Sarmatien kämpft, n. zw. wohl als Legat von Paaaonia inferior an der Spitse einer Legion« dieee Stel« long schon spiteetens a. 182 angetreten haben t vidleieht Boeh froher. War doch sein Vater schon von Marens mm Gaidepiätectüu geiu;iclit würden, so daü er noch bei Lebzeiten des Paternus, seines früheren Cöllegen, die Betörderunor seines Sohnes von Commodus erwirkt haben kann. Aber es stellte sieh oben als ganz wahrscheinlich heraus, daß Paternus schon a. 182 gestQnt worden sei. Mithin sieht nichts im Wege, des, was Herodian 1, 9, 1 erz&hlt, vor den capitolinischen Spie* len des Jahres 182 anzusetzen, und an diesen selbst wird be- reits jene G< ^( hichte in Scene gegangen sein. Perennis ließ den Mann eiotacb ergreifen und verbrennen: Sievers bemerkt mit Recht, daü die Sache zunächst ohne weitere Folgen ge- wesen seL Das sagt aach Herodian 1, 9, 5 ansdrOcklich : infierlich hliten alle dergleichen gethan, sie glaubten es nicht, ianerfich aber sei der einmal waehgemfene Verdacht hingen geblieben. Jetzt babr auch die ilofpartei, die Perennis haßte, ancretVinL''eii . ilm zu verdächt i^^^i. Auch darin iiat Sievers üerodiau riditi«^ beurteilt, wenn er die nun folgende Zeitbe« Stimmung 1, 9, 7: \ux* o6 icoXi» von den Jahren 182—185 Ter* steht. Solche Zeitbestimmungen können bei Herodian ebenso gut einige Tage, als einige Jahre bedeuten. Sein Zweck ist nicht chronologische Genanigkdt, und seine Darstellung ist nicht die annalistische, wie in der Vita, sondern er entwickelt ««ine Gesiciitsjnmkte in psycliolorri.scher, künstlerischer Weise. Denn er ist vor allem darauf aus, anschaulich, überraschend, ■agenehm zu enählen. Es ist bezeichnend, daß er allein die- ses historisch liemlich belanglose Ereignis zum Ausgangspunkt des Stonee des Perennis nimmt. Aber es empfahl sich ihm 7zaLpal6^(^ Tporcp, so charakterisiert er das Vorkommnis selber.

Up. 6,3—79 3: Die Zeit des Oleander. Ghro- noloffisch richtig folgen von 6, 3 7, 3 die Ereignisse aus der Machtperiode des Oleander. Mit 6, 3 Übernimmt derselbe die Macht des Perennis, ohne sich Torderhand das Amt der Garde-

uiLjuizi^ü Oy VjQOgle

Joseph UichAel Heer,

präfectur übertragen zu lassen. In der concreten und zeitlich fortschreitenden Art des chronologischen Bestandes werden die neuen Verhältnisse entwickelt. Cap. 6, 9 ist, ähnlich wie oben in Cap. 5, einiges zur Characterisierung des jetzt leiten- den Mannes gesagt. Dabei war es allerdings nötig, Dinge TonregEonelimen, wie die Notiz Ton den 25 Ck>nsQln, die erst später an der Reihe gewesen wftrmi. Indem aber diese der Scliilderaiig dieueudea Bemerkungen an die laufenden EinzeU thatsacben des chronologischen Berichtes ankoüplen . weiden sie nicht als Yerstoä gegen die chronologische Eigenart em- pfanden, zumal sie auch durch den concreten Inhalt sich als verwandt erweisen : So die Notiz 6, 9; aucli 6, 10 wird in der Qaelle noch detailliert ansgeschant haben. Cap. 6, 11 tritt wieder in die chronologische Weitererzahlung ein.

Den Anfang der Machtperiode Oleanders bezeichnet der Tod des Perennis. Das Ende pflegt man ins Jahr 189 zu setzen , u. zw. auf Grund der Notiz Comm. 14, 8. Oleander, der, wie wir sehen werden ^*^), unter allen Ton Commodns selbst ernannten Gardeprafecten jener ist, der es am längsten war und der mithin dem Comm. 14, 8 genannten triemmim am nächsten gekommen sein maü, werde, so schlieüt man, nicht gar lange gewartet haben, sich das Amt eines pmcf. praet, denn doch übertragen zu lassen, wohl schon a. 186; mithin werde er a. 189 gestürzt worden sein, wo das triemkm^ das man ihm annähernd zuzumessen habe, abgelaufen s«L Sicher ist natürlich dieses Resultat nicht. Es steht nichts entgegen, wenn andre Gründe es fordern, ihn erst 187 Garde- präfect werden zu hissen und sein Ende ins Jalir 190 zu setzen. Ich halte dies in der That für das Wahrscheinlichere:

Man wird zu dieser späteren Ansetzung des Todes des Oleander, wie mir scheint, durch die Notiz von den 25 Consuln gedrängt, die Oleander nach Oomm. 6, 9; Dio 72, 12, 4; vita Sereri 4, 4 für ein Jahr designieren ließ. Nach Dio und vita Severi war Septimius Severus einer dieser 25 Consuln und er- hielt dann, nachdem er nach dem Consulat cum um fernir otio- sus gewesen, Laeio suffrayante eine Statthalterschaft. Laetus

Unten tu cap. 6, 11 Anm. 170.

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Der hiAtorisohe Wert der Tita Commodi.

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muE also inzwischen GardeprUfect geworden sein, und Olean- der, der die Deeignation der 25 Consuln noch Teranlafit hatte, mvM im Laufe jenes Jahres noch gesitlrzt worden sein, da nach ihm erst noch, wie Gomm. 7,4 hezeogt ist, Julianns

und Regillus die Gardepräfectur bekleideten, so daß erst nach diesen beiden der Platz für Laetus offen ^vurde. Nun erhielt Severus , wie aus andern Gründen wahrscheinlich ist, damals Oberpannonien und, wie spLter weiter besprochen werden soU^^*), war es mit dieser Statthalterschaft an der {Schwelle Italiens eine zwischen Severus und Laetus abgekartete Ge* schichte, die darauf angelegt war, Seyerus den Weg zum Thron zu bahnen. Und dock kam, als die Verschworenen sich plötz- lich lütülge jener unten zu schildernden Laune des Coniinodiis am 31. Dez. 192 zum Handeln gezwungen sahen, die Sache XU früh. Sonst hatten sie nicht nötig gehabt, erst in der £ile nach Pertinaz zu greifen. Daraus geht aber hervor, dafi die Plane des Laetus und Sererus noch nicht alt waren : ScTerus kann hiernach Pannonien kaum schon im Jahr 190 erhalten haben. Man muL\ mindestens bis zum Jalir 191 vorrücken und deaientspreciiend als Jahr der 25 Consuln und zugleich als Todesjahr des Oleander das Jahr 190 festhaltend^).

Unten zu cap. 9, 3 Anm. 252.

Man bat unter Annahme einer bandschriftlicben Gorruptel den ViteUins in Get. 3, 1 geglichen mit Apuleius Rufinus in v. SeT. 4, 4,

so daß das erste Consulat des Sept. Severus (vita 4. i) in die Zeit des 27. Mai (V. Get. 8. 1) des Jahres 189 (Dio 77, 2) fiele. Ob dann aber Tita Getae uicbt geschrieben hätte, Geta sei unter dem Cousulat des Vaten geboren ? Ich halte jene Gleichung fOr Terfehli. Da der Name Severtj? in jener Zeit so häufig ist. li-^f^t nichts nilber, ala den Severus. d^T a. 1*^9 College des Vitellius war. als einen andern zu betrachten. iitvitmius Sevtru« aber war mit A})ukim liutmus erst im folgenden Jahr 009. 9uffi Diese Ansieht wird aach dnreh Dio 78, 6 und Tita Se- veri 8 lt. gestfltst. Naeh Dio 78, 6 war Garacalla am 4. April 188 geboren u.zw. in Lyon, wie Vict. ep. 21 und vita Severi 3, 8 sq. lehren. Aber nicht nur der Tag ist gesichert (Prosopogr. III p. 203), sondern aneh daa Oebnrtsjabr, wie ichon der treffliche Tülemont gesehen (Note TI snr Tempereur S^T^re). Dio muß doch das richtige gewußt haben, un-^ im ^lechiechen Text konnte die Zahl 81 nicht zu 29 verderbt werden, während der schlechten Ceberliefening in vita 8ev. 16. 3 und Diad. (i. ä leicht ein Irrtum zuzutrauen ist. Die Geburt Getas am S7. Kai 189 steht auch nicht entgegen. Dann war aber Severus nach der vita S ss., die in jenem chronologischen Teil gut ist. am 4. April \f^B noch in Lyon. Z. Zt. der Geburt Getas in Rom (nicht in Meaio- iaoium, wie v. Get. 3, l wül) war er in der Hauptstadt, wo er um das piMtorilclM Proconsolat von Sicilien looite. Xir kam dann nach Si-

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Joseph Michael Heer»

Andererseits wird mau aber auch nicht über diese Zeit- greiize hiiiausgehen dürfen. Ein Argument dafür möchte ich in dem Cougiarium de« Jahres 190 finden. Wir hatten früher bemerkt, daß in der ganzen Zeit des Perennis kein solches gegeben wurde. Bald nach eeinem Tod, sehon im daraaffoi- genden Jahre 186, melden die Hunzen eine neue IdberaUtaa« und dann wieder keine mehr bie znm Jalur 190 ^*'). Ob da« nicht damit zusammenhängt, daß Oleander in den Quellen als nicht mmder habsüchtig geschildert wird, wie sein Vorgänger ? Aemter, Würden, richterliehe Urteile, alles sei am Geld bei ihm ZQ haben gewesen (vita 6, 9 f.; 14,4—7; Dio 72, 12, 3 5; Berod; 1, 12, 3—5), keiner der kakerlichen Kimmerer habe je grUfiere Reichtllmer geh&nft (Dio 72, 12, 5). Zwar weiß Dio, daß er vieles davon in gemeinnütziger Weise ver- wendet, , aber ein Cougiarium nennt er nicht. Dies ist auch nicht wahrscheinlich, weil er ja nach Tita 1, 1 ; Dio 72, 13, 1 ; Herod. 1, 12, 5 der Wut der pkbs zum Opfer fieL Vielmehr wild jenee Congiacium a. 190 ziemlich nanittelbar nach dem Stota dea Geander gegeben worden sein, mn beruhigend auf die 'ÜMBBm zu wirken und zugleich der damals herrachendeii Not zu steuern.

Damit ist ein vvrwiuidtes Argument zu verbinden, das zum gleichen Resultat tührt. Aus Dio 72, 13, 1; vita 14, 1 13; Herodian 1, 12, 14 ist sieher, daß um die Zeit , da Oleander gestOrzt wurde, große Getreidenot herrschte. Nach Gomm. 14, 1 3, einer Stelle, die im Abschnitt ttber den Sturz des Oleander (zu cap. 7, 1 3) näher zu besprechen sein wird^ wurde t>ie von den leitenden Männern künstlich hervorgerufen, nach der concreteren und richtigeren Darstellung Dios nur kflnstlich gesteigert, u.zw. durch den praefedus mmome Par pirins Dionysius, den Feind Oleanders, der, wie wir aus AeBaa

cilien nicht vor Hochsommer 189, kann mitiim nicht schon am 27. Mai 189 COS. 8uf. geweseu bein, souderu erst im Lauf des Jahres IdO. Daxm war er emnum funm oOmus, vm etwa im Hoehiommer 191 Latta mffrcujante Oberpannonien zu erbaltaii.

Die Münzen der Liberalitas Aurf. VII bei Cohen 320-323. Die Nr. 322» bei der tr. p, XV weggelassen ist, wiid von Cohen unrichtig ins Jahr 189 geietct, Sie iit natOrlieh in das gleiche Jahr iii MtMos, is weichet die Tjpen mit Lib0niiUia$ VJI mit tr* p, XV gdidrea.

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Der historische Wert der viU Commodi.

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Wissen, den Gardepräfecten haßte, weil er ihn als jtraf'fcctus Aegypii abgerufen und zum praeftdus annotuw degradiert baite^^'). £r suchte die Schuld des Mangels auf Oleander za tefageben und diesen dadurch verhafit sa maehen. Nach Comm. U, 2 iOtate Gommodos dann diejenigen , qid omma vastaboMt das ist natfirlieh in erster Reihe Oleander nnd bemühte äich, durch Herabsetzung der Getreidepreise der Not abzuiiei- fen. Hierher also möchte ich u. a. auch das Congiarium a. 19(} beziehen und so einen chronologischen Anhaltspunkt ftlr diese gMuen Ereignisse gewinnen. Auch die Notiz Comm. 17, 7 moft hierher gehlVren: dassem Aflrkamm tnsUkiUj guae sv^ Mo essHt H forte Älexandrma frumemta cessasaeni. Und such diese muß im Jahr 190 eingerichtet worden sein, wie später m aiiderni Zusuininenhang aus den Münzen und andern Umständen erschlossen werden soll*^'**).

Mit dieser späteren Ansetzung von Oleanders Sturz har« aMBiert endlich der chronologiache Bestand der Tita, indem die Comm. 7, 4 8 berichteten Hinrichtungen mit grosser Wahncheinlichkeit schon in £e spateste Zeit des Gommodns, zum grüßten Teil wohl öchon ins Ende des Jahres 192, werden verwiesen werden müssen.

Es erübrigt , die Zuverlässigkeit im einzelnen zu prüfen :

CSap. 3: Dais Oleander a cuhictdo imp» Commodi AU' fnäi war, bestätigen die Inschrift BuUettino comonale 2887 p. 828; Dio 72, 10, 2; 12, 1 ; 12, 5; Berod. 1, 12, 8.

Csp. 69 4: Der Satz ist nur verwandt, nicht identisch mit 10. Denn hier handelt es sich um die Annullierung von V erfügungen des Ferennis unmittelbar nach dessen* Sturz, post interfedum Permnem eimquc ßium, dort aber wird die Ptexia das Oleander Überhaupt characterisieri Dia zwei S&tae riad also heine Dabletten, sondern beide an ihrem Plata.

Gap. 6, 5: Wenn schon hier Oleander als schlimmer er* »ciitint. denn Perennis, so kommt er natürlich um so schlech- ter u t^i,' y>ei Dio, der Perennis gewogen ist.

Cap» tf> 6 8 ; Die praef. praä. Niger und Marcius Quar-

Sie vers a. a. 0. S. 42 f. Vgl. unten zu cap. 7, 1—8 S. 81. Unten zu Comm. 8, 5 ff.: Die Immgen der leüten Zeit

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Joaepli Michael Heer,

tu8 sind nur hier bezeugt Das ganze Detail fehlt bei Dio und Herodiau"®).

Cap. 6, 9: Nach yita Pert. 6, 10 wurden bei den zahl« losen Adlectionen unter Gommodus solche, die mit dem Rang eines Pnetorien in den Senat aufgenommen wurden, den ge- wesenen Praetoren gleichgestellt Dio 72, 12, 8 bestätigt, dafi unter Oleander auch die Niedersten die Anfbahme in den Se- nat für Geld erlangen konnten.

Cap. 6, 10: revorafos de cxiJio cJhpiifaubKs onuthat: Hier wird man sehr au Pertiuax erinnert. Vgl. vita Pert. 3, 5 ff. Ohne gut mit Oleander zu stehen, hätte Pertinax jedenfalls die glfiazende Garri^re in jenen Jahren nicht gemacht. Em weiteres Anxeichen ffir dieses gute Einyemehmen beider Män- ner gleich im folgenden Paragraph.

Cap. (), 11: (d Bj/rnim ocdderef : Dieser Byrrus ist sicher ideniisch mit Antistius Burrus, der nach vita Pert. 3, 7 von Pertinax, als er in Britannien war {tunc f)^ bei Commodos w^en hochTerräterisch«r Absichten rerdächtigt wurde. Schon die Gleichung Comm, 6, 11: regm adfectaÜ = Pert 8, 7: ad- fcdaH imperii, deren auffallende üebereinstimmung ein neuer Beleg dafQr ist , daß im chronologischen Bestand der vita Commodi und in der vita Pert. dasselbe Excerpt vor uns liegt, ist ein vollgültiger Beweis dafür. Es ist L. Antistius Burrus, der COS. ord. a. 181. Daß er damals die Ehre gehabt, zu- gleich mit Gommodus das ordentliche Gonsnlat zu bekleiden, wird als eine Bestätigung der vita gelten dOrfen, die ibn ^- roris Ccmmoäi virum nennt. Die Yermählnng mit der Schwe- ster des CoiuLQüdus, die Borghesi mit iadilla identificiert, weil diese beim Sturz Oleanders nach Herod. 1, 13 noch lebte die Prosopographie denkt mit ebensoviel Eecht an Vibia Aurelia Sfibina , wird nicht lange vor 181 erfolgt sein nnd ihm die Designation zum cos. ord. a. 181 eingebracht haben"»).

Da Herodian 1, 9. 10 nach des Perennis Tod wieder zwei jc^raef. praet. eruannt werden läßt , wird Arthur Stein a. a. O. mit Recht in dem praef. praet. der huohrift CIL 3, 14187 Sappl. 31 LongtUua Rufus bzw. Longaeus Rufus, wie er in dem Berliner Pa- pyrus heißt (Anm. U4), dan CoUegen des Qardepräfecten Niger erkannt haben.

Prosopogr. Rom. A nr. 591. Aus ähnlicher Ursache war

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Der historische Wert der vita Commodi.

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Die Hinrichtun£( des Bprntfi fällt nach dem gauzeu Coii- iext in die Zeifc unmittelbar vor Uebernahnie der Gardepra- {Bciur durch Oleander. Denn unter den Freunden . die mit Sun getötet werden, »t Aebatianos« der unmittelbare Vor- f^biger Gleanders in diesem Amte. Da wir den Sturz des Oleander (S. 75 ff.) ins Jahr 190 setzen mußten, und da er der- jenige zu sein scheint, der nach Comm. 14, 8 fast ein tnm" rmm Gardepräfect war, so wird Byrrus a. 187 getötet wor- den sein. Zu demselben Datum führt die erwähnte Stelle Pert. 3, 7 : tunc Feriinax m€Uivoieniiae notam mbU^ quod diO' du est msimdasse apitd Conmodum adfeckUi imperü AntisHum Bwrrum H Armm AnUmmm. Ueber Arriua Antoninns osehher (sn Oomm. 7, 1). Nach dem Oontezt berieht sich tuw aui die Zeit, da Pertinax in Britannien war. Denn Pert. 3. 8 folgt jene .^i^l>fio Icqioiiis, bei der Pertinax fast sein Leben eiübüiäte und infolge deren er Britannien Terlie^. Leicht mdchte man rerrnnten, es habe ursprünglich auch ein ursäch- licher Znsamwienbang beider Notizen bestanden, der nur in dem Terdttnnten Ezcerpt sich ▼erflachtigt habe; man braucht nur anzunehmen, Burrus habe vor Pertinax ein Commando in Britannien gehabt und sei beliebter bei den Truppen gewesen &lä Pertinax mit seiner eisernen Disciplin; oder es seien noch Freonde des Burrus dort gewesen und hätten die Soldaten gegen Petünaz aufgestachelt , dem sie den Sturz des Bnnns schuld gaben. Wie dem aber sei, jedenfalls trifft nach Pert S, 7 der fragliche Vorwarf Pertinax erst kurz Tor seinem Weg- gang aus Britannien. Und da wir oben (S. 72 f.) im Zusam- meniiang mit der Finge nach dem Sturz des Perennis und auf Gruud der Münzen den Aufenthalt des Pertinax in Britannien von der zweiten Hälfte 185 bis 187 zu erstrecken hatten, so ist die Hinriefatong des AntisÜns Bnrros aucb ans diesem 6^nnd ins Jahr 187 zn verlegen

Bnitiias i'raeseas, der Vater Crispinas, wie oben Azun. 84 a vermutet vQide, fOr das Jahr 180 zum ordentlichen Consnlat gelaofft üsd satsa EU cap. 7,5 Anm. 187—101 haben wir einen aadem Schwager des Commodus in M. Petronius Sura Mamertinas, der ein Jahr spüter

Antistim Burrus cos. ord. warde , der sich also um dieselbe Zeit, vielleicht ein weniges später, vermählt haben wird. Vgl. auch v. Sev. 8, 2.

"*) IHi dieie letztere Berechnung unabhängig von der erateren ist, w linebtet ein« daß aie einen Beweis für die tticbtigkeit der Stelle

nitotofvti SupptomMttbud IZ, trsUi Hsft. 0

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82 Jotepb Michael Heer,

Cap. 69 13: Der Gardepräfect Aebuiiaiius ist nur hier

bezeugt. Auch die Notiz von den drei praeff. praet. steht nur hier^^*). Daß Oleander ein Freigelassener war, bestätigen Dio 72, 12, 1 und Herod. 1, 12, 3. M 0 mm s e n vermutet^^*), gestutzt auf analoge Fälle, dafi ihm jetst durch Privileg In- genuitat und Bitterxang verliehen worden aei. Die Beceidmung des Mannes als UberHnus a pugione ist natOrlicli ein spitziges Wort^^^) der Zeitgenossen, das uns das chronologische Excerpt der vita autl)ewahrt hat. Audi son^^t hat der chronologische Bestand solchen zeitgenössischen barkasmen Aufnahme ge- währt^''). Das Wort ist doppelt gesalzen, einmal durch die Zosammenstellnng von Ubertims mit a pugione; dann durch den Seitenblick von a pugione auf die vielen Hinrichtungen unter Oleander.

Cap. 7, 1—3: Der Sturz des Oleander wurde bereits ins Jahr 190 verwiesen.

Die Art, wie er sich Tolkog, wird ziemlich eingehend und im wesentlichen flbereinstimmend von Dio 72, 13 und Herodtan 1, 12, 4 13, 6 geschildert. S i e v e r s ^''), auf den Terwiesen werden kann, hat beide Berichte bereits genauer Terglichen; die Abweichungen, welche zwischen ihnen bestehen, beweisen, daß beide von einander unabhän^rirr sind. Mit beiden, beson- ders aber mit Dio 72, 18. 2 stimmt auch Oomm. 14, 1 3 zu- sammen ^'^). Man braucht nur die Namen des Oleander und des praefecius annonae Papirius Dionysius einzusetzen, anstelle der vagen biographischen Personalpronomina^"): cum annonam

Comm. 14, 8 al>j:^iebt, .luf der dir erstere berulit. uud dafür, d;i(i jenes triennium in der ibat aui Cieaader Bezug hat, der, wa« Dauer des Amtes aoReht, weder von einem der swiiäen ihm und Perennie, d. b. zT^'iäcben Mitte 185 bis 187 fungierenden Gardepräfecten Qbertroffen wird, noch von einem der nach ihm ernannten. Denn Julianus und Regilius waren kein Jahr im Amte, uud Laetus wurde erst einige Zeit nach ihm praef. praet, wae er dann bii sam Tod des Kaisec» am 81. Dee. (nnd noch einige Zeit darüber hinans) bUeb.

'^') Spiiteie F&Ile Ton drei prarf, pmdL t. bei Horn mien St-R* IP 867 Anm. 3.

"*) Mommsen St.-K. IP 837 Anm. 1 vgl. P 488 Anm. 2.

"•)Mommsen St-R. IP 867 Anm. 1 gegen 0 Hirschfeld StaateTerw. 228 f. Zur Sache Mommsen St-fi. P 483 f.; 435^ Comm. 8, 1 ff. vgl. Anm. 201.

*• ) Sie Vera, Fhilol. 26, löö7 S. 42 f.

Vgl. P. von Rohden bei Paoly^Wittowa II 2477; 2464.

>") Soleb lelatiTisobe Umaebreibnngen itatt der ooncrsten Namen

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Der historigche Weit der vita Comioodi. g3

rnyfamit ü, qui tum rem puhlicam gerebant, und nachher wie- der für eos qui onmia vastabatU.

Mit dieMii drei Berichten hat nun aber Com. 7, 1 nur das gemeiii, daß durch den Aiudrock popido . saeviente der VoDnaiiflaiif aDgedeatet »tf und daß es heifit, pieM poenam (lomttis esd. Von der Getreidekrise weiß der clirouologische Bestand nichts, so wenig, wie jene drei Berichte von Arrios Antoninus^'®).

Uebrigena schließen sich die beiderseitigen Daratellnngen deshalb noch nicht notwendig ans. Bei Herodian tritt die Gefareidefrage schon nicht so sehr hervor, wie bei Dio. Er Bucht besonders zu betonen, daß Oleander sich bei den Rö- mern äußerst verhaßt gemacht habe. Und iviicii bei Dio er- greift das Volk nicht die laitiative, sondern die Volkswut wird künstlich entfesselt.

£s kann kein Zweifel sein, daß jener theatralische Aofzog bei dem Wettrennen eine Mache War. Femer be- merkt Dio, daß Dionysius die Getreidenot kflnstlieh gesteigert, nm Oleander verbalst zu machen. Wir wissen, seit Sievern die Aelianstelle bei Saidas richtig auf ihn gedeutet und zu- gleich darauf iiin gewiesen hat, daß . eigentlich die Versetzung fon der Präfectur Aegyptens zu der praefectnra annonae eine Degradation bedentete*, wamm er ein Gegner Oleanders war. £r war aber sicher nidit der einzige. Sollten nicht die Freunde der Ton Oleander Getöteten, Tor allem des Antistius Burrns wad seiner Schicksalsgenossen, es gewesen sein, die in der bei Dio und Herodian geschilderten Weise endlich einen Modus gefunden hatten, den yerbassten Minister zu Fall zu bringen? Die Teuerung wird ein Mittel gewesen sein, das dazu diente, die Volkswnt zu entfachen. Den äufieren Verlauf der £ata- skrophe haben wir dann bei Dio, Herodian und Tita 14, 1 B. Dagegen das wahre Motiv hat der Gewährsmann des chrono- logischen Bestandes besser als diese drei gewußt: Die Hin- richtung des Arhus Antoninus, der nach Tita Pert. 3, 7 schon

nsd fBr den biographischen Beatand chaneteriftiich. Vgl. besonders Uten zu f\\yp \ -n, A.

Die Zeugnisse für Amus Autoninus in der Proaopogr. Rom. A ar. 894. Von Attalus wissen wir sonst nichts.

6*

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84

Josepli Xiebael Heer,

zugleich mit Antistius Bonras im Jahr 187 verdächtigt war, den aber erst jetzt das Geschick ereilte, niul! für die Gegner des Oleander der unmittelbare Beweggrund gewesen sein, jenes erfolgreiche Mandver am versuchen.

Welchen Yoixag diese aelbatilndige Benehterefcatfeang dem duoDologischen Bestand yerleiht, liegt aaf der Hand, Es ist ein wertroller Beweis mehr dafür, dafi hier Mne Ton Dio nnd Herodum durchaus unabhängige Ueberlieferune^ vor uns stolit. Und für die vita Commodi ergiebt sich durch Gegenüberstellung von 7, 1 und 14, 1 3, wie später zu zm^ea, emes der durch- schlagendsten Argamente, daü zwei ganz Tenchiedenartige Quellen in devaelben fließen.

€ap* If 2: Apolaostos ist nnr hier erwähnt

Cap. 7, 3: hat Peter mit Reeht in ( ) Klammern ge- setzt. Die ganze sprachliche Fassung spricht dafür. Sachiich dient zum Beleg Dio 72, 12, 2; vjzl. v ia 5, 10; 11, 3.

Cap. 7) 4 : Von den beiden Uardepräfecten , die nach Oleander dieses Amt erhielten, ist Begillus nnr hier bezeugt. Jnlianns kennt auch Dio (72, 14, 1) als praef, prad, nnd weiß, daß er etwa gleichzeitig mit Julius Alexander^'*) und dem praef. annonar Papirius Dionysius, d. h. also, nacli Oleander getötet wurde. Er wird auch im biographischen Bestand der vita (cap. 11, 3) einmal flüchtig genannt. Seinen vollen Namen samt dem cursus honomm bis zur Gar* depräfectur einschließlich haben wir jetzt in der xdmischen Inschrift Dessau 1327. Da Laetns nach Tita Setreri 4, 4 ein Jahr nach dem 25 Oonsulnjahr bereits ^ardepräfeet gewesen sein muß, so können beide Männer, nach unserer früheren Darlegung, kein volles Jahr ihr Amt iiinegehal)t haben und müssen wohi noch a. l^ü oder bald im Jahre 191 geti^ worden se'm ^®-).

Cap. 1, 5—8 : Von den 16 Namen, die nun folgen, fehlen uns nur fOr sechs, nämlich fl&r Cadius Felix; Luceeius Tor-

quatus; Vcilerms Bctssianus; ASulpitius Crasstts; Julius Frocu- his und (Ifiudiusi Lttninns anderweitige Belege. Alle übrigen sind mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten. Drein-

Unten su cap. 8. S. S. 91.

Oben sn cap. e. 8—7, 8: Die Zeit das Cleander, 8. 76 f.

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Der historiscbe Wert der vita Commodi.

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hüfer^®*) wollte hier eine biographische Zuiamraenstellung (kibul<t€ hofninum occisarum) sehen. Da?on kann uatürlich keine Rede sein. Diese Hinriebtangeii find chronologisch an ihram Platar« Solches erkennt man schon ans der q^mchlichen Fisenng: His oedsis d. h. nach Jnlianns nnd RegiUns; max; post €0.^; mmul.

Wir beüiiden uns iii der allerletzten Zeit des Commodus. Einmal sind wir durch die anii:etilhrteii Zeitbestimmunixen in die Zeit uach Oleander und weiterhin, nach der Hinrichtung der Gaideprafecten Jalianos nnd Regillus Terwiesen. Dann werden wir nachher erkennen, daß Cap. 8, 1 9, 3 zwar noch dem chronologischen Bestand angehört, aber die chronologische Erzählung eigentlich nicht mehr weiter führt, sondern die Irrmigeu des Commodus aus den letzten Wochen des Jahres 192 schildert, offenbar zu dem Zweck, die unmittelbar bevor- stehende Katastrophe Torzubereiten. Damit harmoniert, daß cqp. 7, 8 nnr noch gesagt wird : äeuHmverai et alios XIV oeeiderej daß aber Ton deren Hinrichtung nichts Terlantet. Im Gegenteil in dem Phisqnaraperfect desünaverai liegt doch ans- gedriickt. daü sie nicht mehr hingerichtet wurden. Es war der Tü<l des Commodns dazwischen getreten. Ferner werden wir noch (S. 110 f.) nachweisen können, daä gerade im Jahr 1^2, lomal gegen das Ende des Jahres, der simptus ins Maaslose stieg. Das wirft ein Licht anf cap 7, 8 : cum aumptua eim wti Momani imperü ferre non posgeni. Es werden aber anch die zahlreieh^ Hinrichtungen cap. 7, 5 8 den Zweck gehabt haben, reichlich hotia (lanDiaforum einzubringen und jenen wahnainnigeu Aut Wendungen des letzten Jahres zu dienen ^^^).

BreinhOfer, De fontibus et auetoritate Titamm qiiae fa- nrntnr Spartiani CapitoHni Lampridi Gallicani, Di«. Halle 1875 patj. 10.

Herr Prof. ron Dornas zewski macht mich hier auf den ffoc -^tta. bona cogenda in Africa in der Inschrift bei DesiAu 1421 (CIL a, 7187 Soppl.) anfmerkiam. Solche Froenratnm waren tonst lehr niederen Ranges, wie man n. a. ans Dessau 1370 (CIL 3, 1464) er- sieht, wo das Amt de« prof. ad bona Plautiani neben pehr untergeord- aeten Stellen rangiert, obwohl es sich bei dem Qardepraefecten des 8e^i Berenn doeh rieber am einen der reichsten Leute der Zeit handelt. Bei T. Cl. J^enophon dagegen beselehnet die fragliche Beamtenstelle den Höhepunkt seiner panzen glänzenden Curri^re. Das würde sieh vorzüglich erklären, wenn der Mann, dei iKich CIL 3, 8042 Suppl. unter Ooinmodus gelebt, dieses Amt, das er ja auch zuletzt von den in der laaehrift genannten inne gehabt, in der leisten Zeit dieeei Kaiiers ver^

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Joieph Michael Heer,

Sddiefilidi ergiebt sich bei Betrachtang der einzelnen ge- nannten Persönlichkeiten noch manches für diese Aimahme : Cap. 7, 5: Sertylmm et DuHiim Silanos cum ftim: Servi- lius Silanus uiuli entweder mit M. Servilius Silanus cos. ord. des Jahres 188 oder mit Q. Servilius Silanus cos, ord. a. 189 ^^') identisch eein* Ich glaube aber mit dem erataren, weil in dem Passus Gomm. 11, 13 12, 9, der, wie gezeigt werden eoU, eine ecbte Inschrift aus den letaten Wochen des Jabree 192 dar- stellt, bei dem Datum zum Jahr 188: iionis Piis Fusdano Uertnv eonsulc der College M. Servilius Silacus offenbar nur deshalb weggelassen ist^ weil er infolge der Hinrichtung damnatae memoriae war. DuUus S'fhwuR ist möglicherweise der Coline des co$, ord, a. 189 Q..Ser?iliu8 Silanos ^^^) Von Antins Lupus ^^') haben wir die Grabinschrift, die ihm nach dem Tod des Commodns M. Valerius Bradna Mauriens, der eos. orä. a. 191« sein (idfinis setzte, und aus der hervor<ieht, daij er eiu i-atricier war und von Commodus getötet wurde, dat^ aber nach dem Tod des Commodus sein Andenken durch ein Senatsconsult wieder hergestellt worden ist^*^^). Die beiden Petronier sind die beiden Brüder M. Petronins Sora Mamerttnus eos, ord. a. 182^^') und M. Petronins Snra Septimianns cos, ord. a. 190^^^). Petronius Antoninus ^^*), der Sohn des ersteren und sriner Gemahlin, einer Schwester des Comniodua, wahr- scheinlich war es Cornificia ^•^) , ist offenbar gemeint bei Eu- sebius chrou. a. Abr. 2207 : K6(i(io§o{ iuXm vm *Av-

waltete. Die reichen Leute, die damals so zahlipioh hingerichtet wur- den« werden m Africa begütert gewesen sein, wodurch das Amt solche Bedeutung gewann. Daß Gomtawiiit auch gerade in seiner letirtea Zeit tein Attgeamaic auf die Sch&tze der Provinz Africa richtrte, werden wir noch zu rrip. 9, I (S. 110 vgl. 106—108) danulegea haben.

ittäj Prosopogr. Rom. 8 nr. 428 und 429.

Ebenda D unter 177 ; v^l. S. 429. Diäius Silanus vermutet Herr Prof. von Domaszewki, was palaeographiteh so gut wie keine Aenderung bedingt. />jr'7n/v, wie Casaubonos woUtS, g^t nicht an, da auLier dem Sieger von Mylae niemand so hielv

**^) Ebenda A nr. G44 uuter M. Antonius Antius Luputi.

^) Wilmaans 1198 (CIL 6, 1843) ; vgl. unten sn Comm. 19, 2 Anm. 480a; vgl. Pert. 6, 8.

»»\) Prosopogr. Rom. P nr, 229. Ebenda P nr. 230. Ebenda P nr. 200.

Ebenda C 1231 ; vgl. Borghesi 5 p. 433 ; vgl. Henzen zu Orelli 5474. YgL auch die Bemerkung sn cap. 6, U 8.80 und Anm. 169.

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Der hlitoriiche Wert der vita CommodL

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Tovlvov XBtov flfeSsXcptooöv Auch die Zeit der Hinrichtung, das 12. Jahr des Comuiüdus, stimmt ganz gut.

Cap, 7, 6 : ]w^^ ^^«^ simul ex conbulibus : S a 1 m a- 8 i u s denkt hier an Exconsuln d. i, gewesene Consnln und trägt fOr diesen Sprachgebrauch Beispiele zusammen ^*^*). Ich mdcbte aber bezweifeln, ob man im chronologischen Bestand, in welchem dafttr der Ausdruck constdaris gel&ufig ist, so cap. 4, 10 und nachher 7, 7, jene spätere Bildung hier annehmen darf. Ich glaube, es ist der Ausdruck .*?<*r simul er < >y)tsf(Jihus vielmehr partitiv zu nehmen, also sechs aus der Zahl der cmmUes suffedi des fraglichen Jahres seien auf eismal getötet worden.

Aüms Fuseus: Einen C. AUius Fu$eu8 C f. ordmis ae- natcrU tiaben wir auf dem Stein von Ostia CIL 14, 246 a. 140. Möglicherweise hat jenes Vemichnis sjAtere Znsätze, so daß man dabei an unsern Allius Fuscua denken könnte, oder wir haben dort den Vater des Uiisrigen? Ist die sehr ansprechende Vermutung von Dessau richtig, daJ» auf dem Stein CiL 14, 251 a. 192 der Name unseres Allius Fuscus getilgt sei, sie stfitet sich darauf, dafi auf dem Verzeichnis derselben Edipersehaft CIL 14, 250 a. 152 befeits unter den paitrcm smatorü ein Allius Fuscus erscheint, dessen Sohn und Erbe in jenem Pa- tronat vermutlich unser Allius Fuscus sei, äo wäre damit ein neuer Beweis erbracht, daß dieser noch im Jahr 192 gelebt, mithin auch erst im Lauf dieses letzten Jahres des Commodus get5tet worden sei, daß mithin die sechs Oonsuln und mit ihnen die ganze Reihe von cap. 7, 6 7, S in jene Zeit gehöre.

Larckis EurupUmus^^*) scheint mit dem Eimppimus der Digesten 33,1,21,4; Padumeius Maffntts^*^) entweder mit dem COS. sHff'. a. 183, oder mit dem praef. ÄLijypti aus den Jahr< i) 177 180 identisch zu sein.

Cap. 7i 7: Fausthm Anma, bezeichnet als consobrina patris sui (i. e. Marci), scheint identisch zu sein mit der bei

«••) Euseb. chron. bei Sync. 668, 8 D i n d o r f (II 174 S c h o e n e). Das Zeugnis scheint in der rrosopographie übersehen su sein.

'^**) In der Sammhinfr rier ?nA findet sich ex conmh'hit.-i im Sinn ▼on Kxconsuln nur in der späten vita Alex. Sev. 33, 1: {quatiuonUcim) ex consulil/us viros; Gord. 11, 4; 22, 1 i^?) ; dagegen sicher partitiv ist der Aotdrock in der Gord. 82, 8 : a OaBieano ex ccnsuHbus et Mae- een€ife er ducifju<^ inferempii sunt.

ProM^ogr. Rom. L nr. 49. Ebenda F nr. 27 und nr, 28.

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Joseph Uiehael Heer,

Qal«ii (14, 662 K.) genannten Annia Fanrtma und mit der

Annia Fundania Faastina der Inecbriften'**). Daß sie comO' hrina Marn war, läi^t «ich aus den letzteren allerdings nicht erweisen. Aljcr da oben cap. 5, 8, wo offenbar dieselbe Per- son gemeint ist, ebenfalls consobrma j)atris steht u. zw. dort ohne Nennung ibree Namens, was darauf hinzuweisen scheint, daft sie durch den Yerwandtsehaftsnamen unzweideutig genug bezeichnet war, dafi es m. a. W. keine zweite conschrina Marci damals j^ab, so ist der Begriff doppelt gesichert tmd muß aus der chrnnoloLi;ischen Quelle stammen, die, wie schon früher angemerkt , auch sonst gerne bei den Personen des Kaiser- hauses die Verwandtschaftsnamen setzt (Anm. 8). Dnim darf aber, bei der feinen Proprietät des Ausdrucks des chi6uologi- sehen Bestandes, die später im allgemeinea Teil noch naher ins Auge gefaßt werden soll, nicht leicht em Irrluui ange- nommen werden. 'Demnach ist auch in der Inscliritt CIL 6, 154U zu ergänzen: marito Afnniae Fnust'mae eoitsuijn jiuie hup. Caesaris M, [ÄnUmini Aug. ei dirjae Fausünac Fiae paßruelis Imp. Caesaris ComniodiJ ^wjy.

Cap» 8> 1 ^9^ S: Die Verirrungen der letzten Zeit: Bei cap. 8 m((chte man dem Inhalt nadi leicht glauben, ea liege die biographische Rubrik der mmtna zu Ghrunde^*^). Andererseita iübrt sich der AbschniLt selber mit der Formel i)if<r hfirr ein und scheint mithin ein ergänzender Nachtrag ZU der seitherigen chronologischen Erzählung zu sein, der wohl aus derselben chronologischen Quelle mitübernommen wurde. Zwar glaubt Dflrr^**) gefunden zu haben, in der nta fiadriani markiere inter haec zweimal (9, 1 ; 14, 1) den Wechsel der Vorlage. Allein deshalb darf man noch lange nicht auf die vielen andern Stellen dei- acriptores historiae Augustae schlieüen, an denen itUcr haec steht. Ich hoffe durch die Einzelunter-

ProBopogr. Rom. A nr. 550; vgl. den Stammbaum der Jmm Yeri ebenda I pag. 73.

tM«^ *Die notwendige Ergänzung des Schlusses auf Oommodus hat Hirschfeld in der Proiopographie erkannt, ein Beweis, daß die VerwandtscbafUbezeichnungen veranitaaden . wie auch das erhaltene marito beweist, so daß die Erganzunp rojtsobrinac vor den Namen des Marcos und der Faastina gesichert ist.' A. von Domaszewski.

DreinhCf er a. a. 0. ' Julius Dfirr, Die Reisen des Kaisers Hadrian, in den Ab- handlungen des areh.'epigr. Seminars der Univ. Wien, Heft IX 1881 8. 88.

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Der lüstoriscbe Wert der vita Commodi.

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iDcfauDg das Weismaterial zu gewinDen, daL> wir in cap. 8, 1 noch dasselbe chronologische Excerpt vor uns haben, und h& uns hier an chronologisch richtiger Stelle die Verirrungen des Gommodiis wob seiner allerletasien Zeit Torgeffthrt werden :

Cftp. 8^ 1 : Die Ehrenbeinamen pius felix, die Commodns entmale in die Titnlatnr der rdmiechen Kaiser eingefbhrt hat, erhielt er in den Jahren 183 bzw. 185.

a) Zunächst den Namen phiff muü Commodus am 7. Ja- miar 183 bereits getührt haben, weil er sich in den Arval- tcten dieses Tages ^^') so nennt; auch hat er ihn auf fast allen MQuen der tr, p. VIII (10. Dec. 182/3) Aof den PrS- gongen der tr. p, VII dagegen b^egnet der Name noch nicht Die Verleihung mnß Tor Annahme jder 6. Imperatorenaccla- mation , die im Liiuf des .hihres 183 erfolgte, stattget'uiiden haben, da ihn schon Prägungen mit tr. p. VITT htt/K V ver- zeicbuen. Diese Datierung scheint die eigenartige Zeitbestim- mung der Tita zu bestätigen. Denn wenn dieselbe sagt : cum ^Mhrum mahris eansukm äesignassd, so wird der fragliche adviUer matris identisch sein mit L. TidUius PtmHanus Oen^ Uaim, der in den Ärralacten yom 8. Februar 183 als cos. mff. bezeichnet ist**®) und der, wie schon Klein gesehen, derselbe TttitloLs sein dürfte, den vita Marci 29, 1 mit noch drei an- i&h als aäuUeros uxoris (seil. Faustinae) bezeichnete^'').

Den wahren Grand der Annahme des Ehrennamens ptus «tthält dieae Bemerkung der Tita nattlrlich nicht Aber weil der Sjnchroniamns sich bestätigt, so maß es ein beissender Witz der Zeitgenossen selber sein^^). Den wahren Anlaß kennen wirnicht, fiiier wahrscheinlich wurde ihm der Name />ifts zuerkannt, weil er seine Schwester Lucilla nach der damals ent- decicten Verschwörung (oben S. 44 f.) vorerst noch schonte ^^*).

»«) CIL 6, 2099. 12.

Vgl- die Zusammenstellung vonRohden bei Pauly-Wissowa 112475 2. J. 183. Auf den vereinzelten Prägungen Cohen B^: P96 ;

912 mit tr. ]j. VI II imp. VI ist p'mti natürlich nnr weggeblieben. ^ auch auf Inschriften noch späteren Datums, z. B. Dessau 894 (CIL 3. 6052) mit imp. VII cos. IUI a. 184 6) noch fehlt.

CTL 6, 2099. 20. Klein, Rhein. Mus. 1S80 S. 637.

At}c1i .sonst liebt gerade der chronologische Bestand solche beia* •enden barkasmen. Vgl. cap. 8; 6, 12 (oben S. 82^

Vgl. fthiiliehe Bbren sadeisr Kaiser» des Tiberini, Tae. aan« (t 2S ; dst Nero, Tae. ann. 15, 74; IS, 12 «. s.

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90 Joiepfa Mieha«! Heer,

b) FeUx nennt sich Commodas auf den Mttnzen erst spät im Jahre 185 Die Inschrift CIL 746, welche vom Jahre

183 datiert ist und doch schon /"f/^jr schreibt, kann nichts cla;j;eij:('ri beweisen. Sie ist, wieMommsen bereits erklärt '-^^), oä'eubar erst später gesetzt. Da es jetzt, wie oben dargelegt wurde, eine ausgemachte Sache sein muü, dat^ Perennis bereits a. 185 gestürzt wurde, so ist unsere Stelle auch nach dieser Seite hin in Ordnung.

Cap. 8, 2 B: Die Notiz 8, 2—3 scheint mir ein hetero- gener Zusatz sein. Schon die Worte 8, 1 : intcr plurintas caedes midt'/fi' III i H intii quasi (funlmu novus Si/Ua stammen sicher nicht aus der seither verfolgten, sachlich nüchternen und sprachlich schmucklosen Quelle des chronologischen Bestands, dem cap. 8 im übrigen zuzuweisen ist. Denn sie sind weiter nichts als eine rhetorische Floskel, die sich dem Bearbeiter der yita bei dem Namen fdix, den ja auch Sulla einst getragen, entlockte*^). Ebenso rlietoriscli nimuifc sicli dann die darauf folgende Notiz ans: ^>lim Contii"«! as, ille ])iHS, Ulc fcli.r'^^^'^). Es kommt dazu, daiä diese Stelle den symmetrischen Bau der vier zusammen- gehörigen Sätze: cum . . . äesiffimssH, appeüaius est pius; ctm . . . aecidisset, appeUahts est feUx : und dann mit einem Chias- mus: appeUakts est eiiain Britkmnieus , cum , . . voluerkU; appeH^m est diam Bommu» Hercules , etm . . . ocdSisBd unterbricht. Das würde doch besser unmittelbar zusammen-

Die Belege bei Rohden a. a. 0.

•''^) Mommsen, Hermes 18. G28 ff Wenn dem entgegen Strootmaan a. a. 0. meint, diese Erklärung aei ihm nicht be- grflndet, so hängt das mit seiner unhaltbaren Ansieht ttber das To* desjahr des Perennis zusammen. Die früher voigebraehten, von Comm. 8, 1 unabhängigen Gründe, welche dazu nötigen, den Sturz -^f*-^ Pe- r*»nnis ins Jahr 185 zu setzen, vereinigen sich mit dem Zeugnis der Müu:6en zur Bestätigung der Tbatsache, daü die Annahme des Namens fOix ins Jahr 185 fällt Man maß mitbin CIL 6, 746 so wieMomm- sen erklllren.

Aehnlich wird der Vergleich mit Sulla in der vita Severi 6. 4 ; Carac. 2, 2; 4, 10; 5, 4 gemacht Wir haben darin eine rhetorische Figur so erkeonen, die aas den Rhetorensobalen stammen wird. Val. IL a. auch Tertullian Apopoget. U: quis ex Ulis deis . . . felicior Sylltu

Wenn auch bei Dio 72, 16, 1 sehr ähnlich gesagt wird r o 5toc o5y 6 XP^'^oO^t ouxo^ ö 'UpaxXi)(, outo( 6 ^sög, so beweist das nnr, wie nahe es in der Darstellnng der Geschichte des Commodas lag, solche sarkastischen Antithese zu bilden. Immerhin ist daraus die Lehre zu ziehen, daß mnn aus einem solchen Grund allein eine Stelle noch nicht aus dem chronologischen Bestand ausscheiden dürfte.

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Der biätoriache Wert der viia CommodL

91

sto&en. Ferner macr in dem (hr/fur, mit welchem sich die dazwischen eingestelite fragliche Notiz einführt, ein Hinweis sa Beben sein, daß hier eine andere Quelle spricht. Doch selbst wenn man diesen formelien Bedenken weniger Gewicht bei- legen woUte, so pait vor aUem der Inhalt nicht recht in den Zosammenhang des Capitels« Es ist allerdings nicht ganz leicht, den Sinn der Stelle wiederzuerkennen. Zum riclitigen Verständnis ist vor allem nötig, den Zusatz sororis Lurilliw. der am Schluß ohne d beigefügt ist, als sinnwidrige Inter- polation an streichen *^^). Was dann den übrigen Inhalt be- trifft, so mnß die defedio Aiemnäri mit der bei Dio 72, 14 ftberlieferten EizShlnng von dem Emesener Julins Alexander md sebem abentenerlicben Geschick identisch sein. Da Dio gleichzeitig die Hinrichtung des Gardepräfecten Julianus und des prarf. rmnonnr Dionysins berichtet . die beide Oleander überlebten, so mu& das Ereignis in die Zeit von 190/191 ge* hor^n ^^'). Nicht ebenso sicher läfit sich die Notiz Gomm. 8, 2: finxme qwxndam imita se eanmraHonem dieüury ut tmUtas oeädarä bestimmen« Tille mont bat die Stelle der Tita Gassii 13, 7: tmmes (seil, posieros Awidi Cassi) vivos ineendi iffssif, quasi in farfi/nw ikprchcnsos mit ihr geglichen. Ich sehe aber keinen lecliten Grund dazu. Aus dem chro- nologischen Bestand der vita Comniodi kennen wir die cow- ittnttio Luciilae, die aber keine fida war, sondern eine wirk- liehe. Wenn diese gemeint sein sollte, so wäre 8, 2 durch den Widerspmch zn 4, 1 ohne weiteres als heterogen er^ wiesoi. Femer die eoninrntio Patemi mm Salvio^^)^ die nach romiu. 4, 8 in der Tliat als simnlatn bezeichnet ist. Wie dem nun sei, es stehen sich in der Stelle augensclieiuUch

'**) Sinnwidrig ist der Zusatz, msa schon an dem fehlenden ft alä Interpolation erkennt, weil die coniurafio LuciUae j^ar keine tie- fedio ist. Denn defedio ist der offene Abfall in der Provinz, coiuuratio aber eine ffebeime VenehwOrung. Vgl. kam. 126. Ein Spftterer, der die Stdle ftlsch verstand und der sich bei dieser ficia coniurcUio ans der voransjfeheoden Lektüre <1er f fmiur rfinjAtnllae in cap. 4 erinnerte, schrieb zur Erklärung des unbestimmtcii Ausdrucks: finxiase quandam eomuraiianem dicitur an den Rand : sororis LuciUae. Ein ungeschickter Abtefareiber , der kein Verständnis fQr den feinen Uoterscbied Ton ron* iuratio und 'hfti fio mehr hatte« setzte die Glosse an der unpassend» •ten Stelle, hinter defedio, in den Text Deshalb fehlt auch das €t.

••^ Oben ö4 zu cap. 7, \, Zu Comm. 4, 8 oben 8. 40.

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Jotepli Hiebael Heer,

der Begriff eoninratiOi der den Geheimband gegen das Leben

des Kaisers, und (hfcdio, der den offenen Abfall in dt^r l'ru- vinz bedeutet-"^"'), richtig gegenüber; die fhfcrfio Alt j utulri ist nicht etwa als Begleiterscheinung der ficta coniuratio aufzu- ÜMseDf sondern als ganz selbständiges Ereignis ; aus der Wen* dnng nee diia ulia fuU defecUo, was nor den Sinn haben kann : ,anter Gommodna kam keine andere defeäio Tor", ersiebt man, den cwei Notisen liegt jene rein saeblicbe Bisposition sn Grund, und es wird dabei die cranzeZeit des Commodiis iiiu rblickt. Das ist aber ^^crade niclifc annalistische Art, sondern biogra- phische. Ferner sollen die beiden Gedanken der fida couln^ ratio und der defeclio AUxmuJri eine contrastierende Illustra- tion SU den Namen jpm und felix geben. Und anch in dieser Hinsicht kommt man zn dem Soblnß, daß es doch sicher nicht chronologiscbe Art ist, die Titel ans dem Jahr 183 bzw. 1B5 mit Ereignissen aus ganz anderer Zeit zusammenzubringen. Ich glaube deshalb, der Bearbeiter tand die ganze Notiz 8, 2 3 samt der Torangestellten Formel die pius , ülc fdix in einer rhetorisch gehaltenen Biographie nnd wnrde durch die Namen iMff5 nnd fetix^ die er hier im chronologischen Bestand tot sieh hatte, bewogen, dieselbe so äußerlich wie sie jetst d»» steht, einzuschalten.

Call. 8, 4: Den Siegesmunen BrUannimts erhielt Com* modus noch im Jahr 184 (Anm. 156).

Der Zusatz cum Bnffaunl etiatn imperatorcm contra eum düigere volueruU ist natttrlich nicht von den Provimdalen zn verstehen, die keinen Gegenkaiser wählen konnten, sondern von den Soldaten in Britannien ''^), von denen wir wissen, daß sie thatsächlich damals meuterten und einen Gegenkaiser aus- rufen wollten. Die vita Pert. 3, 6 bestätigt: (hui Ulf qmtti- cutu£ue Imjxii'otoretn vclletU habere et ip$um speäaliUr Fcrii-

Vgl. oben S. 52 Anm. 126 (A. von Dom a s z e w s k i).

"Wie mir Herr Prof. von Domaszewgki lienierkt, ist der Sprachgebrauch des 3. Jahrhunderts, die FroTinzialheere, die \n jener Zeit schon dnrcbAus aus Ant^ehOrigen der betreffenden Provinz be- ttehen, mit den Provinzialen selb t zu identificieren. Demnach maß, da ich ohen ni* ht umhin kann, die Notiz, tlie sachlich richtit? und auch chronolof^isch am l'latz ist, aus der chronologischen, durch die Pro-

J)rietät des Auädruckä so ausgezeichneten Hauptquelle der vita herzu- eiteo. die ■prachtiche Vsracmechterong auf Recbntittg des Epitomatora oder des noch späteren Bearbeiters der vita gesetst werden.

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Der historische Wert der vita Commodi.

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mtem. Und Boissevaift glaubt, daß hiei an jenen Priscus des exc. Vat. 122 aus Dio zu denken sei, der die Wahl zum Kaiser zurückwies ^^^'^). Die Meuterei tobte schon unter Per- conit« wie früher aas vita Pert. 3,